"Die Schweizer werden immer kleiner, und so gibt es nicht bloß mehr eine Märkische, sondern bereits auch eine Ruppiner Schweiz, der es übrigens, wenn man ein freundlich-aufmerksames Auge mitbringt, weder an Schönheit noch an unterscheidenden Zügen fehlt. Sie besitzt beides in ihrem Wasserreichtum." Diese Sätze schrieb Theodor Fontane (1819 bis 1898) einst über den Landstrich nördlich von Neuruppin in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg". Wer sich an der nächsten Tour de MOZ am Sonnabend durch das Ruppiner Land beteiligt, kann diese Schönheit selbst erleben, die schon Fontane verzückt hat.
Start- und Zielpunkt ist der Bahnhof Rheinsberger Tor in Neuruppin. Dort lohnt es sich schon, das ursprüngliche Empfangsgebäude, in dem heute die Tourist-Info ihren Sitz hat, genauer zu betrachten. Mit einem Mansarddach und einem Rundturm soll so architektonisch an das Rheinsberger Schloss erinnert werden.
Vorbei an alten Rittersitzen
Von dort aus führt die Tour für ein paar Kilometer durch Neuruppin, wo Fontane 1819 das Licht der Welt erblickte und bis zu seinem siebten Lebensjahr zuhause war. Bevor die Tour die Ruppiner Schweiz erreicht, geht es über einen Radweg nach Kränzlin. "Wie beinah alle Güter im Ruppinschen, bestand auch Kränzlin aus einer ganzen Anzahl von Rittersitzen", notierte Fontane einst. Das 1818 erbaute Schloss Kränzlin ist von der Straße aus zu sehen.
Gleich daneben  das Pfarrhaus, in dem sich der ebenfalls in Neuruppin geborene Baumeister Karl Friedrich Schinkel (1781 bis 1841) gerne aufhielt. Denn seine ältere Schwester Sophie war mit den Prediger Wagner verheiratet. Nach Kränzlin geht es weiter durch die Gemeinde Märkisch Linden in Richtung Walsleben. Von dort aus wird über einen Plattenweg Katerbow angesteuert, wobei für die Region typische Alleen mit einem alten Baumbestand durchfahren werden, so Manfred Wothe. Der Neuruppiner ist Geschäftsführer der Europäischen Sportakademie und hat die Route ausgearbeitet. Am Katerbower See soll ein Stopp eingelegt werden. "Ein wunderbarer Platz für eine Pause in schöner Landschaft", findet Wothe.
Wenn sich alle etwas erholt haben, geht es weiter ins Theaterdorf Netzeband, von dort über einen Feldweg ins benachbarte Rägelin und durch Frankendorf in die hüglige und bewaldete Ruppiner Schweiz. Im Kunstertal wird wieder ein Stopp eingelegt. Theodor Fontane war sich seinerzeit selbst nicht sicher, ob er das kleine Kunsterspring oder die nur wenige Kilometer entferne Boltenmühle schöner finden sollte:
Fontane war sich unsicher
"Denn wie unter schönen Schwestern die Streitfrage nie gelöst wird, ,wer eigentlich die schönere oder die schönste sei’, weil es heute diese ist und morgen jene, je nach der Kleidfarbe, die sie tragen, oder nach dem Bande, das zufällig an ihrem Hute flattert, so ist auch hier die Frage nach der größeren Schönheit eine bloße Frage der Beleuchtung, der Stimmung, des zufälligen Schmuckes, notierte der Autor über die beiden Orte. In Kunsterspring hat dann jeder die Chance, den Tierpark zu besuchen oder ein Stück entlang der Kunster zu wandern, bevor es mit dem Fahrrad immer tiefer in die Wälder geht.
Nach Kunsterspring wird entlang des Tornowsees nach Stendenitz geradelt. Dort kann ein Stopp an der Waldschenke und am ältesten Waldmuseum Deutschlands eingelegt werden. Hans Zander, der von 1929 bis 1944 Förster im Revier Rottstiel war, hat für diese 1936 erstmals vorgestellte Sammlung viele interessante und kuriose Dinge der Natur zusammengetragen. Die letzten Kilometer führen über Neumühle und Alt Ruppin zurück zum Ausgangspunkt.
Start ist am Sonnabend, 24. August, um 10 Uhr am Bahnhof Rheinsberger Tor in Neuruppin. Die Rückkehr ist dort gegen16 Uhr geplant. Die Strecke ist etwa 50 Kilometer lang und etwas hügelig. Sie führt zeitweise auch über Wald- und Feldwege.
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Strecken-Spickzettel


Start: Sonnabend, 24. August, 10 Uhr, Bahnhof Rheinsberger Tor in Neuruppin GPS: 52.929289, 12.810848

Länge: etwa 50 Kilometer

Schwierigkeit: Die Strecke eignet sich für erfahrene Radler, denn es wird hügelig und es wird auch über Feld- und Waldwege gefahren.

Parken: kostenlos direkt am Rheinsberger Tor oder an der Ernst-Toller-Straße.

Anreise: mit dem Prignitz-Express RE6, über die Autobahn 24 und die B 167

Tourverlauf: Neuruppin – Kränzlin – Walsleben – Katerbow –  Netzeband – Rägelin – Frankendorf – Kunsterspring – Stendenitz – Molchow – Neuruppin