In Rot und Weiß

Nicht ganz. Denn diesen gibt es schon. Eine Kooperation vom Amt Temnitz mit dem Weinhaus Neuruppin macht es möglich. Und welcher Name würde zu dem Rebensaft in diesem Fall besser passen als "Temnitzer Sommer". In Rot und Weiß ist er seit Montag im Weinhaus in Neuruppin erhältlich. Doch auch mit dem Theatersommer Netzeband laufen Gespräche und mit den Gastwirten der Region soll Kontakt aufgenommen werden, sagt Yvonne Krause, Chefin des Weinhauses. Schließlich steht auf dem Etikett: Passt gut zu Kunst und Kultur. Auch ein Weinfest an der Temnitz sei nach den Einschränkungen der Corona-Krise denkbar.

Region präsentieren

Ziel der Zusammenarbeit sei es, die Vorzüge der Region zu präsentieren, erklärt Amtsdirektor Thomas Kresse. Mit dem Wein soll an den erfolgreichen Temnitzer Kräuterlikör, das Temnitzer Freilandschwein oder auch den Temnitzer Heidelauf – der zwar coronabedingt in diesem Jahr ausfallen muss – angeschlossen werden. Doch beim Wein sei es schwieriger, die passenden Zutaten in der Region zu finden, scherzt der Amtsdirektor.
Doch zur Hilfe kam ihm dabei eine alte Geschichte von Mönchen des Zisterzienser-Ordens. Ein Erzbischof aus Bremen, Albert von Buxhoevede, gründete 1201 Riga, die heutige Hauptstadt von Lettland. Diese liegt an der Flussmündung der Daugava (zu Deutsch Düna) in die Ostsee. An dieser Stelle stiftete der Erzbischof der Stadt ein Kloster Daugavgriva (Dünamünde), das Heimat der Zisterzienser-Mönche wurde. 1231 erwarb das Kloster  auch Landbesitz in der heutigen Gemeinde Temnitzquell. 30 Hufen Land waren es, die zum Weinanbau genutzt werden sollten. Doch der Temnitzer Boden erwies sich für die Reben als zu trocken, sodass die Klosterbrüder schnell von ihren Plänen abließen und sich anderweitig umsahen. Noch heute erinnert der Wohnplatz Dünamünde in der Gemeinde an diese lange vergangenen Zeiten.
Für Thomas Kresse und Yvonne Krause bot diese historisch belegte Geschichte nun die perfekte Grundlage für den Wein, der unter dem Motto "Wie der Wein an die Temnitz kam" vermarktet wird. Auf jeder Flasche Temnitzer Sommer wird an die Geschichte von Erzbischof Albert und Dünamünde erinnert, ist die Geschichte zu lesen. "Bis heute sind einige der renommiertesten Weinanbaulagen in Klosterbesitz", beweist der Amtsdirektor historisches Wissen.

420 Flaschen abgefüllt

Anfang des Jahres nahm Yvonne Krause dann Kontakt zum Weingut Krebs-Grode in Rheinhessen auf, um die perfekten Trauben für den Temnitzer Wein abfüllen zu lassen. 420 Flaschen zu 12,50 Euro liegen im Weinhaus. Der Rotwein, der harmonisch trocken schmeckt, ist ein Cuvée aus Spätburgunder- und Cabernet-Trauben. "Der Weißwein ist süffig, blumig, fruchtig und trocken", gerät  die Weinfachfrau ins Schwärmen. Da der Wein jedoch nur wenig Säure habe, sei er auch als halbtrockener Wein einzustufen. Hinter dem weißen Temnitzer Sommer verbirgt sich ebenfalls ein Cuvée aus gleich vier Traubensorten, die auf vier verschiedenen Bodenarten reifen: Muskateller, Kerner, Scheurebe und Chardonnay. Kennern wird der Weißwein möglicherweise bekannt vorkommen. Es war der Wein der Landesgartenschau in Wittstock. "Es sind locker leichte Weine, die gut bekömmlich sind und die zu jeder Gelegenheit getrunken werden können", ist Thomas Kresse überzeugt. Er möchte mit dem Wein die Geschichte der Region transportieren. Und hat gleich noch eine Anekdote über die Glocke der Kirche von Dünamünde parat, die mühselig aus einem Sumpfgebiet herausgeholt wurde.
Doch allzu mächtig und düster soll der Wein nicht sein, ist man sich einig. Daher wurde auch kein Wappen als Etikett auf die Flaschen gebracht. "Das wirkte zu schwer", so Kresse. Stattdessen laden nun zwei Herrschaften vergangener Zeiten dazu ein, einen schönen Sommertag in Temnitz zu erleben.
Infomationen: www.amt-temnitz.de und www.weinhaus-neuruppin.de