"Ich habe eigentlich eine sehr figürliche Ausbildung genossen", sagt die Malerin, die fünf Jahre lang an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee studierte. Aber irgendwann sei ihr klar geworden, dass es nicht zu ihrem künstlerischen Verständnis gehört, nur einen vor ihr posierenden Akt nachzuzeichnen.
"Die Malerei entsteht aus mir selbst", sagt die 42-Jährige. Das Entstehen eines Gemäldes ist quasi ein Kommunikationsprozess, zwischen ihm, dem Bild, und der Künstlerin. Schon der erste Strich auf der weißen Fläche zu Beginn jedes neuen Werks sei für Seyboth etwas, das sie immer wieder aufs Neue reagieren lässt. Und wann sie ein Bild für fertig hält? "Wenn eine Ruhe und Weite entsteht."
Nicht zuletzt deswegen ist es bei ihr so, dass die weiße Fläche der Leinwand im Hintergrund ein tragendes Element bleibt. "Form ist gleich Leere, Leere ist gleich Form" - dieser Gedanke der buddhistischen Zen-Strömung drücke sich darin aus, sagt sie.
Außerdem bildet das reine Weiß einen wichtigen Kontrast, der die Lebhaftigkeit der von Seyboth gewählten Farbtöne besonders hervorhebt. Inspirieren lässt sich die Berlinerin durch ihre vielen Aufenthalte in der Bourgogne, einer Landschaft im zentralen Frankreich, berühmt unter anderem für seinen Wein, aus dem der beliebte Burgunder hergestellt wird.
Und die Trauben werden so wertvoll durch ein Klima, das sonnendurchflutet und von anderem Licht geprägt ist als in Berlin. Ist es dort blau und kalt, so durchströmen rote, helle Farben die Bourgogne, sagt Seyboth. "Wenn ich mich inspirieren lasse, dann eher durch die Landschaft als die Stadt", sagt sie.
Diese künstlerische Liebesbeziehung zur Natur lässt es Seyboth auch ans Herz gehen, erstmals in Rheinsberg ihre Bilder ausstellen zu können. Die Werke in einem Schloss zu präsentieren, dessen Fenster sich zu einer malerischen Seelandschaft hin öffnen - "das ist ein richtig großes Geschenk für mich", sagt sie strahlend. Doch ihre Dankbarkeit hat nicht nur mit dem Ambiente zu tun. "Es macht auch richtig Spaß, mit dem Team hier zu arbeiten", hat sie festgestellt.
Die Ausstellung "fragiles" wird am Sonnabend, 23. Februar, im Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum um 11 Uhr eröffnet. Die Begrüßung übernimmt Museumsleiter Dr. Peter Böthig. Die Laudatio hält Robert Kudielka von der Akademie der Künste. Bernard Bonnet begleitet die Vernissage musikalisch auf dem Akkordeon.