Das eine stammt aus dem Jahr 1981. Es klingt kräftig und metallisch. Das ältere der beiden klingt weich oder "romantisch", wie Dr. Winfried Müller von der Kirchengemeinde sagt: "Das war damals, 1913, Mode"
Gerade noch rechtzeitig, bevor ein Jahr später ein Krieg losbrach und solch eine Anschaffung für so kleine Kirchengemeinden kaum möglich wurde, haben sich die Dorf Zechliner die Orgel angeschafft. Dabei könnte der Erwerb des im neobarocken Stil erbauten Instruments aus der Werkstatt von Alexander Schuke eine große Lücke im Kirchenraum gefüllt haben. Denn es ist nicht bekannt, dass es schon vorher Bespielbares in der Kirche gab, auch wenn sie mit rund 700 Jahren immerhin zu den ältesten der Region gehört. "Dass kleine Gemeinden eine Orgel hatten, war nicht immer selbstverständlich", sagt Müller.
Müller, einst Vorsitzender eines Kirchfördervereins, der sich aber zugunsten einer Stiftung auflöste, organisiert alljährlich die Sommerkonzertreihe. "In diesem Jahr wird sie umfangreicher sein", kündigt er an. Dass die Schuke-Orgel 100 Jahre alt wird, soll bei sechs Konzerten gewürdigt werden. "Sonst sind es nur drei, vier im Jahr", so Müller. "Und wir haben manchmal Chöre oder Bläser dabei", so der Dorf Zechliner. "In diesem Jahr werden es ausschließlich Orgelkonzerte sein." Nur an einem Tag ist Gesang dabei - aber eben begleitet von dem nun ein Jahrhundert altem Instrument.
Dass die Orgel überhaupt wieder mit ihrem romantischen Klang ertönt, war vor mehr als 30 Jahren nicht abzusehen. Damals war sie kaum noch bespielbar. Doch für eine aufwendige Restauration fehlte der Kirche zu DDR-Zeiten das Geld.
"Der damalige Pfarrer Hans Faruhn ist in Berlin vorstellig geworden und hat gesagt, dass eine musikalische Begleitung der Gottesdienste nicht mehr möglich ist", so Müller. "Dann gab es plötzlich 24000 Mark. Sie reichten um eine kleinere Orgel dazuzukaufen." Das passierte 1981. Der metallische Klang war gewöhnungsbedürftig. Aber es gab wieder eine sakrale Klangbegleitung für Lieder oder Liturgien.
Die Schuke-Orgel stand damit praktisch auf dem Abstellgleis. Tradition wurde nach der Wende 1989 jedoch wieder hoch gehalten. Mit gesammeltem Geld wurde das Instrument doch noch wiederhergestellt und romantisches Klangempfinden fand wieder Einzug in der Dorf Zechliner Kirche. Immerhin war die Schuke-Orgel bei den Musikern beliebter, wie Müller betont: "Sie hat zwei Manuale, die neuere nur eines." Mit der Schuke-Orgel kann man also weit variabler spielen.
Andererseits gibt es in Dorf Zechlin die beinahe einzigartige Möglichkeit, ein Orgelkonzert zu bieten, bei dem zwei dieser Instrumente gleichzeitig bespielt werden. Das wird auch bei der sechsteiligen Konzertreihe so sein - so am 25. Mai, wenn mit Liane Narubina und Lothar Knappe zwei Organisten kommen.
• Sonnabend, 20. April:
Konzert auf beiden Orgeln mit dem Hoechster Kantor Rolf Henry Kunz
• Sonnabend, 25. Mai:
Konzert aus beiden Orgeln mit Liane Narubina und Lothar Knappe
• Sonnabend, 22. Juni:
Orgel und Gesang; Gabriele Schelling-Harmjanz und Andreas Harmjanz aus Berlin-Lichtenrade
• Sonnabend, 27. Juli:
Orgelkonzert mit Matthias Leich aus Potsdam
• Sonnabend, 24. August:
Konzert auf beiden Orgeln mit Professor František Vanícek
• Sonnabend, 21. September:
Orgelkonzert mit dem Rheinsberger Kantor Kai Dittmann
Alle Konzerte beginnen jeweils um17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Um Spenden am Ausgang wird gebeten. (crs)