Nun hat auch die Stadt Neuruppin einen Marathon. Keinen für Läufer. Aber einen für Ruderer. Die Premiere initiierte der Neuruppiner Ruder-Club (NRC). Thomas Heidemann (44 Jahre) spricht von einer „Grenzerfahrung“. Mitstreiter Dirk Pfaffe (46) nimmt das Wort „Selbstüberwindung“ in den Mund. Die beiden NRC-Athleten und -Trainer hatten in der wettkampflosen Corona-Zeit den Plan geschmiedet, sich auf dem Ergometer zu messen. Über die Marathon-Distanz von 42.195 Meter. Darüber hinaus beteiligten sich auch zwei Jugend-Trainingsgruppen des Vereins an dieser besonderen Herausforderung – sie bildeten Staffeln.

Aus Lust wird Qual

Thomas Heidemann kam die Idee zu einem Ergometer-Marathon, „weil ich schlichtweg Langeweile hatte. Es finden ja keine Wettkämpfe statt.“ Für den Jugendwart des NRC sollte diese Trainingseinheit, bei der man „den Körper mal so richtig ausreizen kann“, jedoch zu einer echten Qual werden. Denn er spulte gerade einmal eine knappe Dreiviertelstunde Meter für Meter ab, als sich bei ihm Magenkrämpfe einstellten. „Die hatten sich vorher nicht angedeutet. Aber da ist dann wohl eine kleine Erkältung bei mir durchgeschlagen“, blickt er zurück. Kleinere Pausen brachten keine Linderung. „Es half nichts“, so der Marathon-Ruderer. Schließlich musste er wenige Kilometer vor dem Ziel abbrechen. Vereinskollege Dirk Pfaffe, der sich neben ihm auf der Vereinsterrasse auf dem Ergometer abrackerte, hatte stets besorgt zur Seite geschaut. „Thomas hat sich wirklich gequält. Ich fand es schade für ihn. Da spulst du 36 Kilometer ab und kannst das Ding dann nicht mehr nach Hause bringen“, erklärte Pfaffe.

Hilfreicher Trinkmodus

Zu diesem Zeitpunkt war bereits der Abend angebrochen, über zwei Stunden hatten die jungen und alten NRC-Ruderer bereits Kilometer für Kilometer geschrubbt. Während für Heidemann die Tortur frühzeitig ein Ende fand, kam Pfaffe „sehr gut durchs Rennen“. Er hatte keinerlei Probleme. Er hatte sich eine prophylaktische Taktik zurechtgelegt, die „voll aufging. Ich habe alle zehn Minuten einhundert Milliliter Elektrolyt-Getränke zu mir genommen. Diese Dauerversorgung braucht der Körper einfach.“ Diese Erfahrung hatte Dirk Pfaffe bereits bei seinen Marathon-Teilnahmen als Läufer gesammelt. Erst im Vorjahr in Berlin, wo er unter vier Stunden blieb. Seine beste Laufzeit erreichte der Neuruppiner im Jahr 2000 beim Berlin-Marathon. Mit Blick auf die Zeit von 3:31,33 Stunden muss er nach wie vor schmunzeln. „Nur eine Zahl hat nicht gepasst, die fünffache Drei wäre ja ein Knaller gewesen.“
Beim Ruder-Marathon auf dem Ergometer blieb der 46-Jährige gar unter 3 Stunden. Das Display zeigte nach 42.195 eine Zeit von 2:52,15 h an. „Eine Top-Zeit“, ist der 46-Masterruderer zufrieden. Er blieb unter einer allgemein angeführten Schallmauer.
In Kreisen der Marathon-Ruderer heißt es, dass zur Bewältigung der Strecke normalerweise zwischen drei und vier Stunden benötigt werden. Um die Drei-Stunden-Marke zu knacken, muss die Distanz mit einem Gesamtschnitt von 2:05 Minuten pro 500 Meter absolviert werden. Dirk Pfaffe kam auf einen Schnitt von 2:02,4 Minuten.

Neuauflage bereits terminiert

Nach der Marathon-Premiere wurde die zweite Auflage bereits terminiert. Diese wird am 2. Oktober ausgetragen. Thomas Heidemann mit einem Lachen: „Ich wollte eine schnelle Revanche.“ Auch auf diese wird er sich akribisch vorbereiten „Ich bin zuletzt viel Fahrrad gefahren, habe im Boot dann pro Woche 40 bis 60 Kilometer abgespult. Ich habe mich gut vorbereitet gefühlt.“ Eine leichte Erkältung reichte, um seinen Körper lahmzulegen. Heidemann: „Ich hoffe, bei der zweiten Auflage passiert mir das nicht noch mal und ich kann den Marathon komplett durchziehen.“
Apropos durchziehen: Die acht Junioren des NRC meisterten diese ungewohnte Belastung. Eine Zeitvorgabe hatten die Trainer Heidemann und Pfaffe ihren Schützlingen nicht aufs Auge gedrückt. „Beide Teams sind unter drei Stunden geblieben, das ist echt super“, lobt Heidemann. Die Nachwuchsruderer des NRC hatten sich alle zwei Kilometer auf dem Ergometer abgewechselt.
Der Neuruppiner Ruder-Club will den Wettkampf für das Jahr 2021 offiziell ausschreiben, in der Hoffnung, dass dann noch mehr Ruderer ihren Körper ausreizen wollen.