Frau Wolf, wie kam es dazu, dass Sie als Pfarrerin bei der Polizei gelandet sind?
Beate Wolf: Eigentlich wollte ich schon immer zur Polizei. Ich habe zuletzt elf Jahre als Seelsorgerin im Justizvollzug gearbeitet. Dabei habe ich gemerkt, dass ich ein großes Interesse daran habe, Menschen, die in Extremsituationen geraten, zu unterstützen. Als dann die Stelle bei der Polizei ausgeschrieben wurde, musste ich nicht lange überlegen.
Welche Aufgaben hat denn eine Polizeipfarrerin?
Ich bin für die gesamte Polizei in Brandenburg zuständig, also für die Seelsorge von etwa 8 000 Einsatzkräften. Mein Vorgänger Sven Täuber ist deshalb viel herumgefahren, hat verschiedene Dienststellen besucht. Bei mir ist es nun allerdings so, dass ich eigentlich 60 bis 70 Prozent meiner Arbeitszeit mit dem Ethikunterricht in der Polizeifachhochschule in Oranienburg beschäftigt bin. Dieser gehört nämlich auch zum Aufgabengebiet dazu. Deshalb müssen wir hier jetzt erst einmal schauen, was die Polizei genau braucht, also welche Schwerpunkte ich setzen soll.
Welche Inhalte werden denn im Ethikunterricht behandelt?
Wir arbeiten sehr praxisnah unterschiedliche Situationen auf, zum Beispiel den Einsatz einer Schusswaffe, schwere Unfälle oder die Überbringung einer Todesfall-Nachricht. Dabei geht es dann weniger um den psychologischen Ansatz, sondern eher um die Frage, was macht so eine Situation mit mir persönlich? Wir überprüfen an solchen Fällen dann Schritt für Schritt unsere Wertevorstellungen.