Das ist eine Sensation. Die Regatta-Segler Neuruppin (RSN) haben die Fontanestadt mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga auf die große Segel-Bühne gebracht. Als erster Brandenburger Verein überhaupt. Die RSN-Crew Christoph Pawlowski-Hegermann, Felix Mosebach, Tobias Klabunde und Maik Seifert steuerte eine J/70-Speedster beim Deutschen-Segel-Liga-Pokal (DSL-Pokal) auf der Hamburger Außenalster auf Platz acht. Damit gelang dem kleinen Club aus Neuruppin sprichwörtlich der große Wurf.

DSL-Pokal in Hamburg

„Wir hatten gehofft, ja. Aber so richtig daran geglaubt, im Konzert der Großen solch einen Erfolg landen zu können, haben wir ehrlich gesagt nicht“, kann RSN-Trainer Michael Pawlowski-Hegermann seine Begeisterung kaum in Worte fassen.
Nach diesem historischen Triumph stehen die Regatta-Segler nun vor einer „riesigen Herausforderung“, wie der Coach anfügt. Doch im Moment ist die Freude einfach nur riesengroß. Mit diesem Erfolg lässt sich besonders gut auf das 25-jährige Vereinsbestehen anstoßen. Der RSN wurde am 30. Oktober 1995 aus der Taufe gehoben.
Beim DSL-Pokal in Hamburg wurde nicht nur deutsche Pokalsieger ermittelt, das wurde einmal mehr der Norddeutsche Regatta Verein (NRV), der eine Woche zuvor bereist die Meisterschaft eingefahren hatte, sondern zugleich fand auch die Relegation zur 2. Bundesliga statt. Mittendrin der RSN.

Vier Aufstiegsplätze zur 2. Bundesliga

Der langjährige RSN-Segler Christoph Pawlowski-Hegermann war im Sommer dieses Jahres mit der Idee an den Vorstand herangetreten, „es doch mal versuchen zu wollen“, wie Vater Michael berichtet. Als einer von mehreren Anwärtern traten die Neuruppiner nun im Feld der Großen an, um sich einen von vier Aufstiegsplätzen zur 2. Bundesliga zu sichern. Und dies gelang eindrucksvoll. Crew-Mitglied Tobias Klabunde strahlte ebenso wie seine Mitstreiter um die Wette: „Wir haben erreicht, was wir uns sehr gewünscht haben. Jetzt geht die Arbeit erst so richtig los, damit wir in der kommenden Saison voll angreifen können.“ Gemeint ist damit der Start in der 18 Teams umfassenden Liga bei den großen Bundesliga-Regatten in Bayern, in Berlin oder in Hamburg. Mit dem Ziel, den Klassenerhalt zu erreichen.

Konkurrenz staunte über Neuruppiner

Das Revier im Norden scheint den Neuruppinern schon einmal zu liegen. Beim DSL-Pokal trumpften sie von der ersten Wettfahrt an mächtig auf. Im ersten Rennen landeten die Neuruppiner sogleich auf Rang drei. „Der Wahnsinn“, so Coach Michael Pawlowski-Hegermann. Denn in diesem Rennen segelten auch vier Erstligisten mit. Einen davon ließ die RSN-Crew hinter sich. Es folgten zwei weitere dritte, zwei vierte und zum Abschluss gar ein zweiter Platz am ersten Wettkampftag. Diese Ergebnisse spülten die Fontanestädter auf Rang zwei im Gesamtranking. Die Konkurrenz staunte.

Traumziel vorzeitig erreicht

Und auch am zweiten Renn-Tag machte die wohl bemerkt erst kurzfristig zusammengestellte Besatzung auf dem Up-and-Down-Kurs auf der Außenalster vieles richtig. Die Konkurrenz hatte den Blick inzwischen deutlich geschärft. „Wir wurden auf einmal ganz anders wahrgenommen“, so der erfahrene RSN-Trainer. Es folgten die Plätze sechs, vier und sieben, ehe die Neuruppiner noch einmal so richtig aufdrehten im gestellten J/70. Im zehnten Rennen segelten sie auf Platz zwei.
„Damit war praktisch klar, dass wir den Aufstieg in der Tasche haben“, konnte Michael Pawlowski-Hegermann diesen Triumph kaum fassen. Zusammen mit dem zweiten Aufsteiger, dem Segelclub Salzgitter, dürfen sich die Neuruppiner in der neuen Saison auf der großen Segel-Bühne präsentieren. Mit dem Westfälischen Yachtclub Delecke und dem Segel-Club Ville schafften zwei abstiegsgefährdete Zweitligisten in Hamburg den Klassenerhalt.
„Wir durften uns beim DSL-Pokal schon einmal mit Deutschlands Super-Seglern messen. Das war schon eine große Hausnummer, einfach riesenhaft schön und toll“, schwärmt der RSN-Trainer von diesem Erlebnis. „Künftig dürfen wir das über eine ganze Saison lang.“ Er lobt die Crew für eine super-konzentrierte Vorstellung. „Ich bin mächtig stolz auf diese Truppe“, so Michael Pawlowski-Hegermann.

Ein Talent im Team überzeugt

Einer, der als Küken der Crew, einen super Eindruck hinterließ, war Felix Mosebach. Der 17-Jährige war für den privat verhinderten Julius Boeckler ins Team gerutscht. „Er hat seine Sache wirklich bemerkenswert gut gemacht“, befand sein Coach.

RSN vor großer Herausforderung

Doch nach dem Triumph ist vor der Herausforderung. Die Einschätzung von Segler Tobias Klabunde, dass die Arbeit jetzt erst so richtig losgehe, kann Michael Pawlowski-Hegermann nur teilen. „Wir haben über den kommenden Winter viele Aufgaben zu erledigen.“ Das größte Problem ist, dass der RSN aktuell nicht über einen J/70-Speedster verfügt. „Wir versuchen nun, an ein solches Boot heranzukommen. Vielleicht gelingt es uns, ein gebrauchtes günstig zu erwerben. Natürlich brauchen wir auch Sponsoren.“ Darüber hinaus muss das künftige Zweitliga-Team vergrößert werden. Mindestens acht Segler wären laut dem Coach wünschenswert, um eine Saison personell gewuppt zu bekommen.
Mit dem Aufstieg in die 2. Segel-Bundesliga hat der RSN nicht nur sein Renommee in der Segelszene erheblich aufgewertet. Auch die Stadt Neuruppin gewinnt dadurch an Ansehen. „Für uns als Verein ist dieser Erfolg an sich ja schon ein absolutes Highlight“, sagt Michael Pawlowski-Hegermann. Mit Blick auf die Vereinsarbeit ergänzt er. „Das gibt nochmal einen Riesenimpuls. Denn zuletzt stand die Jugendarbeit klar im Fokus. Das bleibt auch so. Aber jetzt können wir unserem Nachwuchs auch eine Perspektive über die Jugendzeit hinweg bieten. Die Segel-Bundesliga ist sicher ein tolles Ziel.“