Zwei Rufe und plötzlich zeigte sich der alte Mann in dem Schleier aus Rauch. Schroeter packte ihn sich, drückte ihn vorsichtig nach unten, so dass sie in gebückter Haltung der Todesfalle entrinnen konnten.
Für diesen selbstlosen Einsatz am 8. Oktober wurde der 27-jährige Berufssoldat am Freitag von der Polizei mit Blumen und einer Ehrenurkunde bedacht. Neben ihm stand Klaus Venzke. Dem 48-Jährigen gebührt gleicher Lohn, hat er sich doch selbst mutig gezeigt: Sein Einsatz in der Nacht zum 17. Dezember half der Kripo, zwei Dutzend Straftaten aufzuklären. Denn Venzke hielt zwei junge Männer auf, die gerade in Bungalows eingebrochen waren und das Diebesgut abtransportieren wollten. Mit den Einbrüchen finanzierten sie ihre Drogensucht.
Venzke erinnert sich noch lebhaft daran, wie ihn seine Bekannte Anke Moritz von der Laubenkolonie aus anrief. "Ich hatte schon etwas geschlafen", sagt er. Doch der Hinweis der Frau ließ ihn hellwach werden. In der Nachbarschaft der Gartenkolonie, in der sein Grundstück liegt, war schon häufiger eingebrochen worden. Er ging aus dem Haus, fuhr zur Kolonie und ging Stimmen nach. Er traf auf zwei Männer. Es war dunkel und er allein. Dennoch sprach er sie ohne Angst an.
"Ich habe bloß gehandelt, nicht weiter nachgedacht", sagt er heute. "Ich habe die beiden gefragt, was sie da machen." Als sie anfingen herumzudrucksen, "habe ich ihnen mehr auf den Zahn gefühlt". Einer der beiden nahm bald Reißaus - allerdings in Richtung eines sumpfigen Gebiets, so dass er in Sichtweite blieb. Der andere riss einen Gegenstand hoch. Venzke konnte ihn im Dunkeln kaum richtig erkennen. "Er hat mit einer Axt ausgeholt", erinnerte er sich am Freitag. Mit einer Taschenlampe fing er den Schlag ab und, als wäre es etwas Selbstverständliches: "Ich habe ihm aus der Hand genommen."
Als die Polizei eintraf, hatte Venzke ihr durch seine Zivilcourage zwei ganz dicke Fische ins Netz getrieben. Für den Kripochef der Polizeidirektion René Gerdewischke ein absoluter Glücksfall: "Solche Einbrüche sind ganz schwierig aufzuklären, weil die Spurenlage immer sehr dünn ist", sagte er bei der Ehrung. Venzke habe über das normale Maß der Zivilcourage hinaus reagiert, fand er.
Nach intensiven Ermittlungen konnte man insgesamt 25 Straftaten, zumeist Einbrüche in Bungalows, Garagen und Geschäften, den beiden 22 und 23 Jahre alten Tätern zuordnen. Sie sitzen wegen der Vielzahl der Delikte mittlerweile sogar im Gefängnis, wo sie auf die Gerichtsverhandlung warten.
Für den Leiter der Polizeiinspektion Ostprignitz-Ruppin, Lutz Jaenicke, ist Zivilcourage zu zeigen ein gutes, aber immer noch viel zu seltenes Zeichen. "Wir alle kennen die Geschichten, bei denen sechs Leute vorübergehen und erst der siebte einspringt", sagte er. "Das ist nicht das, was sich die Polizei wünscht." Er sagte aber auch: "Tote Helden nützen keinem was." Bei vielen Unglücken oder offenkundig werdenden Gesetzesbrüchen, kann jeder "unter Abwägung des Risikos" Einsatz zeigen.
Bei Klaus Venzke und Felix Schroeter hat auch der berufliche Hintergrund etwas beigetragen. Venzke erzählte davon, fünf Jahre lang beim Wachschutz gearbeitet zu haben. In dieser Zeit sei es in einem Fall auch darum gegangen, "zwei Verbrechern hinterherzujagen" und: "Wir haben sie dann auch gestellt.
Schroeter ist bei der Bundeswehr und zu seiner Arbeit gehöre es, beim Einsatz Verletzungen in Kauf zu nehmen. Seine Aktion beim Brand am 8. Oktober im Neubaugebiet war durchaus todesmutig. Denn im dicken Qualm steckten Rauchgase, die ein schleichendes Gift sind. Für ihn kam es trotzdem nicht in Frage zurückzuziehen, als er hörte, dass in der brennenden ein alter Mann lebe, und er die offen Tür sah.
Sein Einsatz war deswegen so wichtig, weil der 80-Jährige vollkommen hilflos war. Er ist, wie sich später herausstellte, an Alzheimer erkrankt. Er habe auf ihn auch einen verwirrten Eindruck gemacht. "Ich habe ihm in der Wohnung zugerufen, sich auf den Boden zu legen", sagte Schroeter. Denn von der Decke bis zur Hüfte war alles voller Qualm. Aber der alte Mann hatte nicht auf die Rufe reagiert. Das war der Grund, warum er ihn packte und aus der Gefahrenzone zog.
Jaenicke betonte am Freitag, dass nicht nur solche großen Einsätze zeigen, was man bewirken kann: "Uns reichen schon manchmal Kleinigkeiten, die zusammengefügt zu einem großen Puzzlebild werden, das zur Aufklärung beiträgt", gab er bei der Ehrung zu bedenken.
Und Venzke wies noch auf eine andere Sache hin: Nicht nur er allein hat ja dazu beigetragen, dass die Einbrecher jetzt hinter Schloss und Riegel sitzen. Auch Anke Moritz und ein anderer 35-jähriger Nachbar, der später eingreifen half, hätten Wichtiges geleistet: "Wir sind einfach eine verschworene Gemeinschaft", sagte Venzke über die Laubenkolonie am Klappgraben. "Und dieser Zusammenhalt hat sich an dem Abend ausgezahlt."