Seit gut fünf Jahren arbeitet der Tempelgartenverein bereits an diesem langfristigen  und kostspieligen Vorhaben. Der Kunsthistoriker und Gutachter Dr. Stefan Dürre hat dafür schon vor vier Jahren ein wissenschaftliches Konzept erarbeitet, weil das vom Landesamt für Denkmalschutz gefordert wurde. Denn von 14 der 17 fehlenden Putti gibt es weder Zeichnungen noch Fotos. "Nicht einen Hinweis", sagt Vereinsvorsitzender Peter Neiß.
Was soll nun auf die leeren Sockel? Der Verein orientiert sich dabei an den verbliebenen Figuren, die unter anderem die Jahreszeiten, Monate sowie Musizierende darstellen, und an deren Entstehungszeit. Für den Tempelgarten passende Figuren sind laut Neiß im Raum Dresden gefunden worden – unter anderem am bekannten Zwinger und am Schloss Moritzburg. Dort befinden sich die Knabenfiguren mit Bezeichnungen wie "Putto mit Blütenkrone", "Schlittschuhläufer", "Musizierendes Kind", "Putto mit Panflöte", "Putto mit Füllhorn" und viele andere mehr.  Deren Kopien sollen sich in das Tempelgarten-Ensemble rund um den Apollo-Tempel einpassen. Die sächsischen Sandsteinfiguren sind laut Peter Neiß nun von einer Spezialfirma per Lasertechnik vermessen worden. Das heißt, es musste sie dafür niemand berühren – das sei den Denkmalschützern wichtig gewesen.

Finanzierung auch über das Land Brandenburg

"Der Vorteil ist, dass wir nun die Daten haben, und dass wir die Figuren auch skalieren können", sagt Neiß. Die Putti im Tempelgarten seien um die 1,10 Meter groß, die "Geschwister" in Sachsen manchmal größer oder kleiner. Am Computer können sie nun auf das Niveau der Tempelgartenfiguren gebracht werden, ohne dass die originalen Proportionen verloren gehen.
Laut dem Vereinsvorsitzenden gab es auch die Überlegung, die Figuren im Sandgussverfahren herstellen zu lassen. Dafür habe es in Magdeburg einen Test gegeben. Allerdings sei dabei der Sand so gleichmäßig gekörnt, dass die Figuren am Ende einen merkwürdigen Eindruck gemacht hätten. "Wir haben uns dann für den konventionellen Weg entschieden", so Neiß.
Deswegen liegen die digitalen Daten der sächsischen Skulpturen nun der Technischen Hochschule in Wildau vor, mit der der Tempelgartenverein kooperiert. Dort werden  in den kommenden Wochen 3D-Drucke der Putti in Originalgröße aus Kunststoff angefertigt. "Vielleicht werden sie die bis Ende Mai produziert haben. Möglicherweise dauert es durch die aktuelle Lage aber auch etwas länger", vermutet Neiß. Wenn die Drucke fertig sind, sollen sie nach Neuruppin kommen und bei einer größeren Veranstaltung vorgestellt werden. Die Kunststoff-Figuren werden aber nicht auf die Postamente gestellt. Sie dienen lediglich einem Bildhauer als exakte Vorlage.
Allerdings sucht der Tempelgartenverein wie in der Vergangenheit nach Sponsoren oder Paten für die Putti. Denn pro Stück fallen Kosten in fünfstelliger Höhe an. Ein großer Teil der Kosten wird laut Peter Neiß mit Lottomitteln des Landes gedeckt, auch die Stiftung der Sparkasse gibt einen Teil dazu. Alle Ausgaben seien aber noch nicht refinanziert, insofern sei jeder Unterstützer willkommen. "Bis alle Skulpturen da sind, wird das sicher noch zwei bis drei Jahre dauern", meint Neiß.

Aus der Geschichte des Gartens


1732 ließ Kronprinz Friedrich den Amalthea-Garten anlegen, in dem auch Früchte geerntet werden konnten. 1735 wurde nach Plänen von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff der Apollotempel errichtet. 1853 erwarb die Kaufmannsfamilie Gentz den Garten und ließ nach orientalischem Vorbild Villa, Gärtnerhaus, Minarett, Umfassungsmauer, Bastion und Eingangstore bauen. 1880 wurde der Garten an den Kreis Ruppin verkauft. 1995 kaufte die Stadt Neuruppin den Tempelgarten. red