Wuthenow wollte alles richtig machen. Bei der Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses in dem Neuruppiner Ortsteil prüften die Verantwortlichen ganz genau, welches Angebot das beste ist, wie am wenigsten Geld ausgegeben werden kann und welche regionale Firma die wirtschaftlichste ist. Das hat gedauert – und genau das fällt den Wuthenowern jetzt auf die Füße. Denn weil sie das Ortsteilbudget über 150.000 Euro, das sie für das Vorhaben erhalten haben, nicht schnell genug ausgegeben haben, verlangt die Stadt Neuruppin nun Strafzinsen.

2016 erhielt Wuthenow das komplette Ortsteilbudget

Dem Wuthenower Ortsvorsteher Axel Noelte war am Mittwochabend während der Neuruppiner Stadtverordnetenversammlung deutlich anzumerken, wie ihn diese Forderung trifft. Er ist auch Vorsitzender des Vereins Dorfgemeinschaft Wuthenow, der sich um die Sanierung des Treffs im Ort kümmerte. 2016 hat Wuthenow das Ortsteilbudget erhalten, um das Dorfgemeinschaftshaus zu entwickeln. 150.000 Euro waren es insgesamt. „Unser Haus ist insofern fertig, als dass die Sanitärräume, die Dächer und der Versammlungsraum saniert sind“, erklärte Noelte. „Wir haben das mit der Verwaltung abgerechnet.“

Rechnung ist ein „Schlag ins Gesicht“

„Was dann kam, hat uns als Vereinsmitglieder zutiefst getroffen“, erklärte Noelte. „Wir haben versucht, nach bestem Wissen und sparsam zu wirtschaften und haben mit den Handwerkern dieses Ziel erreicht.“ Es sei aber nicht immer gelungen, zeitnah das Geld an die Handwerker auszureichen und auszugeben. „Dadurch sind uns von der Verwaltung Zwischenzinsen berechnet worden in Höhe von 800 Euro.“ Diese Summe führe dazu, dass die Gesamtsumme für Wuthenow gekürzt wird. „Und das können wir überhaupt nicht verstehen. Es ist für uns ein Schlag mitten ins Gesicht. Wir sind im Verein zehn Bürger, die sich für ihren Ort Wuthenow und um dieses Haus bemüht haben.“
„Wir waren immer der Meinung, dass wir ordentliche Arbeit und gut bezahlte Arbeit, aber auch vom Preis her vertretbare Arbeit durchführen lassen haben“, schildert Axel Noelte das Unverständnis, das derzeit in Wuthenow herrscht. „Vielleicht hätten wir etwas mehr ausgeben müssen. Dann hätten wir die 800 Euro gespart. Da verstehe ich die Welt nicht.“

Bitte, die Zinsen erlassen zu bekommen

Noelte bat am Mittwochabend darum, dass die Wuthenower die Zinsen erlassen bekommen. Die Verwaltung habe auf sein Ansinnen bis zum Termin der Stadtverordnetenversammlung nicht reagiert. Daher wandte sich der Ortsvorsteher direkt an die Abgeordneten – mit der Bitte, dass eine Fraktion den Antrag stellt, dass die Zinsen für den Ortsteil nicht berechnet werden. Dazu kam es aber nicht.
Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) meldete sich in der Sache zu Wort, indem er sich zuerst einmal bei dem Verein Dorfgemeinschaft Wuthenow bedankte. Der Ort nehme auch am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ teil und habe – nicht zuletzt durch das Engagement der Ehrenamtler – gute Chancen, weit vorn zu landen.

Spielraum der Gesetze ausschöpfen

Der Vorgang rund um die Zinsen liege seit Kurzem auf seinem Tisch, erklärt Golde. „Das ist ein Geschäft der laufenden Verwaltung. Ich glaube nicht, dass wir hier einen politischen Beschluss führen können, der über diese Bitte von Ihnen entscheiden kann.“ Er bat Noelte, das Ganze „noch einmal bilateral in der Verwaltung“ klären zu lassen. „Da müssen wir dann sehen, wie Gesetze entsprechend interpretiert werden können und welche Möglichkeiten es da gibt.“