Zu sehen gibt es "Unheimliche Geschichten" des österreichischen Filmregisseurs Richard Oswald, der in diesem Jahr seinen 140. Geburtstag gefeiert hätte. Felix Kroll gefallen solche Gedenktage, geben sie ihm doch Anlass, ein konzeptionelles Programm zu entwickeln und Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. 2014 widmete Kroll sich mit seinem Ensemble "Grenzgänger" lange verschollenen und im Ersten Weltkrieg verbotenen Melodien, dessen Beginn sich damals zum 100. Mal jährte. Im vergangenen Jahr vertonte er Gedichte von Karl Marx und 2020 stehen Texte von Friedrich Hölderlin auf dem Programm, der vor 250 Jahren geboren wurde.
Auch Oswalds Film "Unheimliche Geschichten",  der als erster deutscher Gruselfilm gehandelt wird, feierte 2019 ein Jubiläum: Vor 100 Jahren wurde das Werk in Berlin im Kino am Kurfürstendamm uraufgeführt. Die Hauptrollen werden von Reinhold Schünzel, Conrad Veidt und Anita Berber gespielt. Als Teufel, Tod und Dirne steigen sie um Mitternacht in einem Antiquariat aus drei großen Gemälden und erzählen sich fünf unheimliche Geschichten. Oswald hat den Film als Komödie angelegt. Die Texte stammen unter anderem von Edgar Allan Poe und Robert Louis Stevenson. Der Film ist somit der erste mit Literaturadaptionen. Und er begeisterte den jungen Musiker, der in Bremen, Münster und Finnland studiert hat.
"Es stand die Idee im Raum, bei einer Stummfilm-Aufführung im Freilichtkino in Berlin-Friedrichshagen live Musik zu machen", erinnert sich Kroll. "Ich hatte Lust auf das Genre." Bis dato untermalte dort ein Pianist derartige Aufführungen. Doch der Kinochef war von Krolls Instrument begeistert. Also machte sich der 35-jährige Musiker auf die Suche nach einem geeigneten Film. "Ich wollte keinen Klassiker wie Metropolis oder Nosferatu." An den "Unheimlichen Geschichten" gefällt Kroll, dass fünf verschiedene Storys erzählt werden. "Es ist reizvoll, dass es variiert."
Für die Aufführung hat er ein Konzept erarbeitet, zu dessen musikalischen Themen er live eine Improvisation entwickelt. Neben dem Akkordeon, das ein ganzes Orchester ersetzt, kommen auch Spielzeuginstrumente sowie eine Spieluhr für die Klangerzeugung zum Einsatz. "Die Zuschauer werden sehen, wie und wann ich auf den Film reagiere." Stück für Stück hat er sich den Film angeeignet, ihn wieder und wieder angesehen, um ein Zeitgefühl für die Spannungsbögen zu entwickeln. Keine Vorstellung ist wie die andere. In Netzeband fällt nach der Premiere in Berlin für Kroll sozusagen die zweite Klappe. "Ich kann mir gut vorstellen, dass der Film in der Temnitzkirche funktioniert."
Ein vielfältiges Instrument
2014 stand er erstmals auf der Bühne in Netzeband und musizierte gemeinsam mit der Klarinettistin Sabina Matthus-Bébié, mit der er mittlerweile das "Duo im Goldrausch" bildet. Er schätzt die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten seines Instrumentes, das ursprünglich aus der Volksmusik stammt und in den 1920er-Jahren in unzähligen Tanzkapellen oder beim Tango zum Einsatz kam. Heute spielt Kroll alles, angefangen bei Alter Musik, wiederentdeckten und neu interpretierten Volksliedern bis hin zur zeitgenössischen Musik. "Das Repertoire ist nahezu unbegrenzt." Regelmäßig wirkt Kroll auch als Aushilfe in Produktionen an der Staatsoper in Berlin mit. Denn feste Orchesterstellen für Akkordeonisten gibt es nicht.
Es sei eben ein exotisches Instrument, weiß auch Felix Kroll, der am Akkordeon besonders die Klangvielfalt und die Dynamikbandbreite mag. Mit sieben Jahren begann er es an der Musikschule zu spielen. "Beim Akkordeon gab es damals den einzigen freien Platz", lacht Kroll, keineswegs böse über diese Fügung des Schicksals. Denn weil er es bald in hoher Qualität spielen konnte, bekam er die entsprechende Anerkennung.

Konzerte in der Temnitzkirche


Der Stummfilmabend mit Livemusik von Felix Kroll beginnt an diesem Sonnabend um 18 Uhr in der Temnitzkirche Netzeband.

Karten zu zwölf, ermäßigt zehn Euro gibt es unter www.tourist-information-rheinsberg.de oder unter 033931 34940.

Das Osterkonzert ist für Sonnabend, 11. April, um 17 Uhr geplant. Bei "Danses exotiques" erklingt Kammermusik aus Südamerika, Spanien und Frankreich ebenfalls in der Temnitzkirche in Netzeband. Es spielen Yuki Inagawa (Klavier) und Sabina Matthus-Bebie (Klarinette und Saxophon).