Mit zehn Jahren angefangen
Viele Male hat der heute 39-Jährige seine große Stärke schon ausgespielt, Spiele und auch Turniere gewonnen. Im Alter von zehn Jahren hat ihn die Leidenschaft Tennis gepackt. Auch wenn er laut eigener Aussage zuletzt viel weniger serviert, einen Stoppball angesetzt oder einen Volleyschlag platziert hat, "weil manchmal oft die Zeit und ab und zu auch ein wenig die Motivation fehlte", bleibt für ihn der Reiz an diesem Spiel ungebrochen. "Tennis gehört einfach zu meinem Leben dazu. Ich will diesen Sport auch nicht missen", betont der gebürtige Neuruppiner, der mit seiner Familie in Walchow lebt. Tennis zu spielen, mache nicht nur viel Spaß. "Ich mag vor allem diesen Wettkampfcharakter, dieses Eins-gegen-Eins-Duell." Doppel spiele er zwar auch gerne, aber im Einzel "hat man es in der eigenen Hand. Kampf, Nerven, ein Auf und Ab. Wenn man dann ein langes und umkämpftes Match gewonnen hat, ist das ein super Gefühl." Christian Schlinke hat seinen Tennisschläger für die Saison 2020 bereits bereitgelegt.
Beschränkungen gelockert
Nach der unfreiwillig verlängerten Winterpause durch die Corona-Krise hat das Warten für die Tennis-Liebhaber nun ein Ende – mit Abstrichen. Das Kabinett des Landes Brandenburg hat erste Lockerungen beschlossen, die seit Montag gelten. Laut Absatz "Zusammenkünfte in Vereinen" ist zumindest das Sporttreiben zu zweit, wie zum Beispiel Tennis, unter gewissen Bedingungen wieder erlaubt. Auf Nachfrage erklärte Neuruppins Stadtsprecherin Michaela Ott: "Das Ordnungsamt kontrolliert natürlich die Einhaltung der neuen Eindämmungsverordnung des Landes Brandenburg." Dies gelte auch für Vereins- und Sportanlagen.
"Dann können wir ja wieder loslegen", freut sich auch Sebastian Ruthert auf die ersten Ballwechsel auf der heimischen Anlage in Gildenhall. "Allerdings müssen wir erst noch die Plätze fertig machen." Abschleppen, Wässern – dies soll zeitnah geschehen. Die Spielsaison, die im Mai beginnen sollte, ist vom Tennis-Verband Berlin-Brandenburg (TVBB) vorerst jedoch auf Eis gelegt worden. Ruthert: "Die ersten Spiele sollen womöglich im Juni ausgetragen werden können. Ob das allerdings so kommt, bleibt abzuwarten." Der vom NTC erstellte Club-Kalender mit neun Tennis-Turnieren ist ebenso hinfällig. Für die internen Veranstaltungen müssen andere Termine gefunden werden.
An Ostern wollten die NTCler bereits die ersten Bälle geschlagen haben. So auch Christian Schlinke. "Im Winter war ich ja nicht so aktiv, da hätte ich jetzt schon richtig Lust drauf, wieder zu spielen", sagt der 39-Jährige. Als Kapitän der Herren-30-Mannschaft müsse er sich schließlich in Form bringen.
Halligalli zu Jugendzeiten
Der gelernte Autolackierer, der aber seit 15 Jahren für das Neuruppiner Unternehmen Dreistern im Verpackungsbereich arbeitet, blickt auf eine mit vielen Erfolgen gespickte Tennis-Laufbahn zurück. "Als ich mit zehn Jahren angefangen habe, Tennis zu spielen, war das zu der großen Zeit von Boris Becker, Steffi Graf, André Agassi und so weiter. Wir haben uns damals auf dem Hof ein Feld aufgemalt und mit Plasteschlägern gespielt", erinnert er sich. Trotz der genannten Tennis-Größen "hatte ich aber nie ein großes Idol, auch später zu Zeiten als junger Mann nicht". Den aktuellen deutschen Überflieger Alexander Zverev findet er – ganz trocken – "schon okay". Insgesamt habe Tennis in Deutschland über Jahre hinweg aber an Stellenwert eingebüßt. "Es ist deutlich weniger geworden", so Schlinke. Wenn er an seine Jugendzeit zurückdenkt, hat er Bilder im Kopf, zum Beispiel von Jugendturnieren in Schwedt, "da war Halligalli, zig Kinder, wir haben in Zelten dort übernachtet". Christian Schlinke schnappte sich in Schwedt den Titel "Jugendmeister". In der selben Stadt triumphierte er auch dreimal in Folge bei den Schwedter Classics. "Die gibt es heute leider gar nicht mehr." Im Jahr 2006, im Alter von 25 Jahren, wurde er als Erster in der Rangliste geführt und gewann die Regionalmeistermeisterschaften Brandenburg auf Sand. Im Finale bezwang er seinen Vereinskollegen Eugen Wiskow mit 6:2 und 6:2. Am 5. Juli 2006 titelte der Ruppiner Anzeiger diesbezüglich: "Kampf bis zum Krampf". Schlinke bewahrt den Artikel zu Hause auf. "Ob ich allerdings einen Krampf hatte, weiß ich gar nicht mehr", lacht er lauthals los.
Apropos Sand: Darauf spielt Christian Schlinke am liebsten. "Der Hallenboden ist nicht so mein Ding. Auf Rasen habe ich leider noch nie gespielt." Gespielt hat das NTC-Urgestein (Mitglied seit 28 Jahren) dann im weiteren Verlauf seiner Karriere immer weniger. "Zwischendurch habe ich auch mal eine fünfjährige Turnierpause eingelegt." Er gibt zu, durchaus ein wenig überspielt gewesen zu sein. "Der ganz große Kick kommt bei mir nur noch selten. Ich gehe immer noch gerne auf den Platz, bin zu den Punktspielen immer da, will dann als Einzelakteur, wie auch als Team gewinnen, aber bei Turnieren starte ich nicht mehr so gerne."
Lieber nimmt er sich Zeit für den Nachwuchs. Seit Jahren betreibt der NTC vorbildliche Nachwuchsarbeit. Schlinke und Eugen Wiskow führen die Jungen und Mädchen behutsam an den Tennissport heran. "Wir versuchen die Begeisterung zu wecken", so Schlinke, "einfach ist das heutzutage nicht." Zumindest sei die zwischenzeitliche Flaute aber überwunden und aktuell wieder viele Kinder im Verein aktiv.

Kabinett beschließt Lockerungen


Seit Montag, 20. April, sind erste Beschränkungen in der Corona-Krise gelockert worden. Die neue Eindämmungsverordnung gilt bis längstens 8. Mai. Darin heißt es: "Zusammenkünfte in Vereinen"  - unabhängig ob Sportvereine oder sonstiger Verein - sind weiterhin verboten. Nicht untersagt ist aber der Zutritt auf das Vereinsgelände, wenn der Verein die Einhaltung der geltenden Abstands- und Hygieneregeln garantieren kann. Das gemeinsame Training im Verein in Gruppen ist verboten, individueller Sport allein oder zu zweit (zum Beispiel Tennis oder Golf) ist zulässig, wenn der Verein auf dem Gelände das Abstandsgebot klar einhalten kann.