Tägliche Proben im Gutspark
Bis dahin haben die zwölf Hauptdarsteller, eine Mischung aus Profis und Laiendarstellern, sowie die Tänzer der Jugendkunstschule Neuruppin und die Kinder aus Netzeband, die Mägde und andere Nebenrollen spielen, noch viel zu tun. Täglich wird jetzt auf der Naturbühne im Gutspark unterhalb der Temnitzkirche geprobt. Unter der Woche nach Schulschluss und am Wochenende vormittags vor den Vorstellungen von Federico Garcia Lorcas "Bluthochzeit". Für viele Darsteller ist das ein volles Programm, denn sie stehen in beiden Stücken auf der Bühne.
So wie Uschi Schneider, die nebenbei auch noch eine ZDF-Serie in Berlin dreht. Mit viel herrischer Arroganz und Zickigkeit spielt sie die Stiefmutter von Aschenbrödel, dargestellt von Daria Monciu, die auch in der "Bluthochzeit", die Hauptrolle inne hat. "Böse zu sein macht Spaß", lacht Uschi Schneider, die seit elf Jahren zum Team des Theatersommers gehört. Sie schätzt die große Gemeinschaft in Netzeband, in der es keine Hierarchien gebe. "Es ist fast wie Familie", so Schneider, der es augenscheinlich viel Spaß macht, mit den Kindern gemeinsam auf der Bühne zu interagieren. "Ich bin mit dem Aschenbrödel-Film aufgewachsen", gibt sie zu. "Und gucke ihn auch jetzt noch jedes Jahr."
Doch Regisseur Axel Poike, mit dem Uschi Schneider einst zusammen studiert hat, orientiert sich nicht komplett an dem bekannten tschechischen Märchenfilm, sondern hat für Netzeband das Märchen neu geschrieben. "Die Figuren sind heutig. Aschenbrödel ist eine selbstbewusste junge Frau, an der alle Widrigkeiten und Gemeinheiten abperlen. Sie spielt keine Intrigen, sondern will Freude haben." Aber Poike hält nichts davon, das Stück auch vordergründig modern anzusetzen. Stattdessen können sich die Zuschauer auf ein Märchenspektakel freuen, bei dem Aschenbrödel ihren Prinzen, gespielt von Samuel Schaarschmidt, am Ende als Sahnehäubchen dazubekommt. Für die entsprechenden märchenhaften Kostüme – sie kommen aus dem Fundus in Adlershof – ist Sigrid Herfurth zuständig. Die Musik hat Arno Fritzsch für das Stück geschrieben.
Bei den Proben sprüht Axel Poike, der in der "Bluthochzeit" den verschmähten Bräutigam darstellt, nur so vor Ideen und lockeren Sprüchen. Immer wieder sprintet er auf die Bühne, um seine Anweisungen selbst herrlich theatralisch vorzuführen. "Axel versteht es einfach, mit den unterschiedlichsten Leuten umzugehen", verrät Uschi Schneider.
Kontrast zur "Bluthochzeit"
Daria Monciu, die sich freut, Aschenbrödel darzustellen, gefällt der große Kontrast zur "Bluthochzeit". "Das ist ein schweres Stück, harte Kost und jetzt etwas Schönes, ein Kinderstück, in dem gelacht und getanzt wird." Auch für sie sei der Film jedes Jahr ein Muss, gibt sie zu. Bereits in der ersten Probe beherrscht sie es perfekt, ihre Rolle selbstbewusst zu interpretieren. "Aschenbrödel ist eine starke junge Frau. Sie lässt sich nicht unterkriegen, sondern ist pure Energie. Das gefällt mir."
Wenn sie am Ende mit ihrem Prinzen auf einem schwarzen Pferd davon reiten wird, wird nur ihre Stiefschwester Dora, gespielt von Janey Drößler aus Walsleben, unglücklich sein. Sie hofft auf den Prinzen. In der "Bluthochzeit" stellt die 17-Jährige den Tod dar. "Mir gefällt aber Aschenbrödel besser. Da ist auch Mimik dabei und ich darf sogar selber sprechen." Und so verkündet sie als Dora mit herablassendem Blick auf Aschenbrödel: "Der König kommt meinetwegen, und der Prinz ist auch dabei." Märchen haben eben nicht immer für alle ein Happy End.

Besuch bei Theatersommer


Für die Premiere von Aschenbrödel am Sonntag, 30. August, um 15 Uhr gibt es nur noch wenige Restkarten.

Weitere Vorstellungen gibt es am Sonntag, 6., 13., 20. und  27. September  – jeweils 11 und 15 Uhr.

Karten gibt es unter 033931 34940 oder www.reservix.de. red