Axel Poike, Schauspieler und Autor, verspricht ein "Theaterspektakel für die ganze Familie". Er freut sich auf die Arbeit beim Theatersommer, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert. "Das, was man in Theatern mühselig bauen muss, ist in Netzeband schon da. Es macht Laune an diesem Ort zu arbeiten", erklärt Poike, der mit Daria Monchiu bereits die ideale Besetzung der Hauptrolle gefunden hat. "Als ich sie sah, wusste ich, wenn es ein Aschenbrödel gibt, dann sie – so schön, klug und voller Stolz."
400 Aschenbrödel-Varianten
Weltweit gibt es rund 400 Vari-anten des Grimmschen Aschenputtels. Poike fasziniert an dem Mädchen, dass sie "erst hinnimmt, was ihr alle zumuten und es doch schafft, ihren eigenen Dreh zu finden, wie sie mit den Problemen" umgeht. "Sie will nicht Prinzessin werden. Er will sie mehr, als sie ihn. Der Prinz ist eine nette Beigabe", lacht Poike. Es soll eine naturnahe Inszenierung werden, mit dem "Wald als Entspannungsoase" und tänzerischen Darstellungen der Eulen und Tauben. Dafür wird wieder mit der Jugendkunstschule Neuruppin zusammengearbeitet. "Das Mitwirken in einer professionellen Inszenierung bringt die Kinder voran", so Gritt Maruschke von der Tanzabteilung, die auch die Choreographie übernimmt. Neun Aufführungen, bei denen Profis und Laiendarsteller aus der Region gemeinsam auf der Bühne stehen, sind geplant. Premiere ist am 4. Juli. "Ich freue mich, dass die Kinder die Möglichkeit haben, auf großer Bühne in Netzeband aufzutreten", bestätigt auch Alexandra Christ, neue Leiterin der Jugendkunstschule.
Als Hauptstück des Theatersommers wird "Bluthochzeit" des spanischen Autors Federico Garcia Lorca als Synchrontheater aufgeführt werden. Zehn Vorstellungen wird es ab 31. Juli von der Inszenierung des legendären Herbert Olschok geben. Der Schauspieler und Regisseur, der lange in Kanada lebte und auch mal in Fernsehkrimis mitspielte, sieht das Stück nicht als Tragödie. "Es ist eine Geschichte, die traurig endet." Es thematisiere die Zwänge einer archaischen und sittenstrengen Gesellschaft, zu deren Mikrokosmos die Familie wird.
Ein poetisches Stück
Er habe das überaus poetische, aber auch komplexe Stück ebenso wie Theatersommer-Chef Frank Matthus immer auf dem "Speisezettel" gehabt, so Olschok. "Die Lokalität ist großartig", schwärmt der Theatermacher von der Metamorphose, die Akustik und Optik beim Synchrontheater, das sich laut Matthus zu einer eigenen Kunstform entwickelt hat, eingehen. "Das ist wirklich Kunst", bestätigt Olschok. Sein erster Besuch in Netzeband im vergangenen Jahr hat ihn nachhaltig beeindruckt. "Nach fünf Minuten ist der Funke übergesprungen. Es war ein wichtiges Schlüsselerlebnis für mich. Man gerät in diese Welt und kommt nicht mehr weg." Der Regisseur sieht das Synchrontheater als "totale Entschleunigung in der Rushhour, in der wir leben".
Die Sprecher, die den Text der "Bluthochzeit" einsprechen werden, stehen laut Festivalchef noch nicht fest. Fest steht aber das erstmals Alexandra Pommerening und ihre Mutter Sabine die Gestaltung der Masken und Kostüme übernehmen. "Ich freue mich total auf den Sommer, auf das Zusammenspiel von Bäumen und Masken, wenn das Reale mit dem Künstlichen zusammenkommt. Die Welt, die erschaffen wird, wird anders als im Theater."
Abgerundet wird der Theatersommer, der von Land, Kreis, Sparkasse OPR, ILB und Privatpersonen finanziell unterstützt wird und in 25 Jahren rund 80 000 Besucher angelockt hat, von dem Stück "Unter dem Milchwald" von Dylan Thomas. Mit diesem Stück wurde 1996 der Theatersommer eröffnet. "Es ist unser Herzstück", verrät Matthus.

25 Jahre Theatersommer Netzeband


Die Vorstellungen finden vom 19. Juni bis 29. August im Gutspark Netzeband statt. Karten gibt es unter www.theatersommer-netzeband.de

Eine Ausstellung in der Temnitzkirche zeigt die Geschichte seit 1996. ug