Das Gute gleich zu Beginn: Der Verein gerät durch die Krise nicht in finanzielle Schwierigkeiten, wie der Vorsitzende Peter Lenz erklärt. "In diesem Bereich betrifft uns das Ganze nicht so extrem wie beispielsweise Tierheime. Wir haben kein Personal, das bezahlt, und keinen Standort, der unterhalten werden muss." Eine große Summe im Hintergrund müssen die ehrenamtlichen Tierschützer also nicht vorhalten, da sie mit dem System der Pflegestellen arbeiten, in dem die Tiere in Haushalten von Ehrenamtlern untergebracht werden. "Wir haben allerdings einen Rückgang bei der Vermittlungsquote zu verzeichnen", so Lenz. Die Tiere würden länger als sonst in den jeweiligen Pflegestellen verweilen müssen. Und dort wird es jetzt schon langsam eng.
Kapazitätsgrenze erreicht
"Wir können derzeit einfach kaum Tiere vermitteln", sagt der Vorsitzende des Vereins. Ein Treffen mit künftigen Besitzern ist wegen des Kontaktverbotes zum Eindämmen der Pandemie nicht erlaubt. "Wir haben die Tiere aufgeteilt, aber es ist trotzdem eine ganz schöne Zahl", so Lenz. Allein 50 bis 60 Katzen gebe es derzeit in Pflegestellen. "Die Kapazitätsgrenze haben wir zum Teil schon erreicht. Bei Hunden haben wir beispielsweise keine Möglichkeit mehr, sie irgendwo unterzubringen. Wir können also keine mehr aufnehmen."
Der Tierschutzverein wirbt während der Krise, aber auch zu jeder anderen Zeit, dafür, dass sich Freiwillige als Pflegestellen zur Verfügung stellen. Beim Futter für die Tiere wird es für die Ehrenamtler noch nicht knapp: "Wir haben erst vor Kurzem eine größere Menge erworben", erklärt Peter Lenz. Vor dem Futterhaus in Neuruppin, bei Kaufland und am Rewe-Markt würden darüber hinaus aber immer Boxen stehen, in die Spenden für den Tierschutzverein gelegt werden können. Die Zahl der Privatspenden in diesem Bereich sind laut Peter Lenz durch die Krise zurückgegangen.
Fundtiere kommen ins Tierheim
Der Tierschutzverein hat derzeit einen Vorteil: Er kümmert sich nur um die Tiere, die ihm übertragen werden, nicht um Fundtiere, erklärt Peter Lenz. Es müssen keine Verträge mit dem Landkreis eingehalten werden. Diesen Job hat das Tierheim von Sven Galle in Papenbruch inne. Der Besitzer hat durch die Corona-Krise ein ganz anderes Problem.
"Wir haben noch genug Platz", versichert er. "Aber wir fahren extrem viele sinnlose Einsätze derzeit." Es gebe Leute, die beispielsweise einen Hund sehen, genau wissen, wo dieser hingehört, aber den Besitzer in Zeiten der Corona-Krise nicht selbst kontaktieren möchten. "Statt sich direkt an die Familie zu wenden, wird das Tier dann als gefunden gemeldet", erklärt Galle. Der "Finder" ruft dann Polizei und Ordnungsamt an, die wiederum informieren das Tierheim Papenbruch. Ist Sven Galle vor Ort, klärt sich die Situation recht schnell auf. Im Einsatz ist er dann aber schon längst. "Davon hatten wir mehrere Fälle in letzter Zeit", sagt er.
Auch bei Galle ist die Zahl der Vermittlungen derzeit rückläufig. "Aber das sehe ich nicht als großes Problem, das wird sich wieder bessern", ist er überzeugt. Ein Aspekt, der in der Corona-Krise von vielen Medien aufgegriffen wird, bereitet dem Tierheim-Besitzer aber "riesige Sorgen": Mitunter ist die Rede davon, dass Katzen das Virus übertragen könnten. "Da könnten die Zahlen der abgegebenen Tiere explodieren", befürchtet Sven Galle. Noch sei davon aber nichts zu merken. Wenn es dazu kommen sollte, könnte es nicht gut ausgehen für die Vierbeiner: "Dann wären die Kapazitätsgrenzen schnell erreicht. Was geschieht dann mit den Tieren? Und wer trägt die Kosten? Das wären dann ja keine klassischen Fundtiere." Dass dann die Kommunen oder der Kreis einspringen, wagt er zu bezweifeln.
Noch ist das Zukunftsmusik. Momentan ist das Tierheim Papenbruch geschlossen. "Wir müssen abwarten und schauen, was auf uns zukommt", sagt Galle.