Vier Jungstörche sind dort zu sehen. Kuschelig und unbeholfen machen sie ihre ersten Stehversuche im Nest. Der erste Jungstorch ist am 16. Mai aus dem Ei geschlüpft; der letzte am 19. Mai. Vater und Mutter Storch haben jetzt alle Schnäbel voll zu tun. Hungrig picken die Jungen die Eltern an und zeigen so, dass sie hungrig sind. Anfänglich würgten die erwachsenen Störche Insekten, Larven und Regenwürmern in das Nest aus, denn bei Adebaren gibt es keine Schnabelfütterung wie bei Singvögeln. Jetzt gibt es für die Jungtiere schon Mäuse, Frösche und Eidechsen. Rund ein Kilogramm Futter brauchen die Jungtiere zum Sattwerden.

14 Jungstörche in Linum

Lisa Hörig, die kommissarische Leiterin der Storchenschmiede, ist mit den bisher beobachteten 14 Jungstörchen in Linum zufrieden. Diese verteilen sich auf sieben Horste. Bei zwei weiteren Paaren wird der Nachwuchs noch erwartet.  Um die Jahrtausendwende gab es 18 belegte Horste in Linum. Doch da gab es noch mehr Futtermöglichkeiten für die Störche, so Hörig. Durch Trockenheit und Monokultur ist das Futterangebot stark zurückgegangen. "Ich bin ganz froh, dass nicht alle Horste besetzt sind. So ist die Chance größer, dass alle Jungen durchkommen." sagt Lisa Hörig. "Gerade wenn man jeden Tag die Störche sehen kann, tut es besonders weh, wenn ein Storch klein und schwach bleibt und am Ende nicht überlebt."
Zwei Jungtiere müsste jedes Storchenpaar im Jahr groß ziehen, um die Population aufrechtzuerhalten. Deshalb sind vier Jungstörche im Horst der Storchenschmiede ein guter Start. Das sei wichtig, denn nur 30 Prozent der Jungstörche überleben bis zur Geschlechtsreife, so Lisa Hörig. Dies wurde unter anderem durch die Beringung der Störche nachgewiesen. Bis zur neunten Lebenswoche fallen die Jungvögel in eine sogenannte Akinese, wenn sich andere Vögel oder auch Menschen dem Horst nähern. Es ist ein Schutzmechanismus gegen Raubvögel. Die Jungstörche stellen sich tot. Hörig erklärt: "Die Raubvögel sehen dann nur ein regloses Storchenküken, halten es für tot und fliegen weiter." Diesen Totstellreflex nutzt der Naturschutzbund (Nabu) zur Beringung der Jungstörche aus. In Linum kommt ein ehrenamtlicher Mitarbeiter mit  seiner Hebebühne und beringt die Störche, ohne, dass es für sie oder die Beringer gefährlich wird. Nach rund drei bis fünf Jahren sind die Jungvögel geschlechtsreif und kommen, wenn alles gut läuft, wieder in die Region zurück, was die Beringung verrät. Die ersten zwei bis drei Jahre bleiben sie noch im Winterquartier.
Doch nicht nur die Störche selbst sind einen Besuch wert. Auch die Fotoporträts von Wolfgang Stürzbecher in der Storchenschmiede zu den Vögeln in Linum und rund um die Linumer Teiche, sowie die Ausstellung zum Wappentier des Nabu, dem Weißstorch, auch Klapperstorch genannt, lohnen sich.
Nach dem Lockdown sind jetzt auch wieder Führungen zu den Horsten und ins Linumer Teichland in kleineren Gruppen möglich. Ein Barfußpfad, Dame- und Eirettungsspiel sowie Balancierbalken und vieles mehr, laden Kinder zum Mitmachen und Entdecken ein.