Die Geschichte des Dorfes eint uns alle.“ Davon war der Wildberger Dorfchronist Egbert Zemlin überzeugt, der am Freitag im Alter von 79 Jahren gestorben ist. Am Silvestertag wäre Zemlin 80 Jahre alt geworden.
Der Tod von Zemlin sei ein herber Verlust für den Ort, sagte der Temnitztaler Bürgermeister Michael Mann, der selbst in Wildberg lebt. „Wir möchten seiner Familie das Bedauern der ganzen Gemeinde übermitteln.“ Egbert Zemlin habe nicht nur die Historie des Ortes recherchiert, so Mann, sondern über Jahrzehnte auch jeden Bau, jedes Haus im Dorf genau dokumentiert und fotografisch festgehalten. „Es ist ein unschätzbarer Wert, den er geschaffen hat“, so der Bürgermeister. Dafür sei die Gemeinde sehr dankbar. Michael Mann fragt sich, wer dieses Erbe als Dorfchronist antreten wird.

Egbert Zemlin war studierter Landwirt

Eigentlich war der aus Jüterbog stammende Egbert Zemlin studierter Landwirt, der bis zur Wende im Bereich Tierzucht auf einer LPG in Lögow tätig war, erinnert sich sein langjähriger Wegbegleiter Ulrich Jaap. „Er war zugänglich und immer offen für neue Ideen.“ Zemlin wurde 1989 zum ersten Bürgermeister von Wildberg nach der politischen Wende gewählt. Zu dieser Zeit begann er auch, die Geschichte des Dorfes festzuhalten. „Sein Archiv ist einzigartig“, so Jaap anerkennend. Egbert Zemlin habe immer akribisch gearbeitet und die Texte stets historisch hinterfragt und genau aufgearbeitet. 1999 bereiste der Vater von zwei Söhnen mit seiner Frau Sieglinde sämtliche Orte in Deutschland mit dem Namen Wildberg.
In einem Bildband und einer Chronik hielt Zemlin die Geschichte von Wildberg fest, die er auch in einer Ausstellung mit über 500 Bildern zum 700. Geburtstag des Dorfes zeigte. Hinzu kamen seit Jahren die „Wildberger Hefte“, die er gemeinsam mit Ulrich Jaap und Karl-Heinz Langer zu Themen im Ort produzierte. Erst im Oktober erschien Heft Nummer zwölf in einer Auflage von 500 Stück. „Wir haben einen Freund verloren, der schwer zu ersetzen ist“, so Jaap.