Messung an fünf Tagen
Gemessen wurde vom Sonnabend, 19. Oktober, bis Mittwoch, 23. Oktober, an zwei Stellen: einmal in Höhe des Neuen Markts und einmal am Poller selbst und das in beide Fahrtrichtungen. Am Wochenende wurden am Markt durchschnittlich 555 Fahrzeuge auf der Strecke erfasst. Das ist laut Jan Juraschek, dem Sachgebietsleiter für Stadtplanung, ein relativ mäßiger Wert. "Selbst in der Spitzenstunde waren es nur 63 Fahrzeuge, was deutlich unter dem Maximalwert von 150 pro Stunde für eine solche Straße liegt." In der Woche lag der Spitzenwert für den gesamten Tag bei 663 Fahrzeugen. Die Fahrzeugmenge am Poller lag in etwa bei der Hälfte.
Überhöhte Geschwindigkeit
Während die Verkehrsmenge wenig Anlass gibt, zu reagieren, zeigt sich bei der gemessenen Geschwindigkeit ein anderes Bild. Das vorgeschriebene Maximaltempo ist in verkehrsberuhigten Bereichen Schrittgeschwindigkeit. Was das bedeutet, ist laut Juraschek nicht hundertprozentig festgeschrieben. Normalerweise sieben bis zwölf Kilometer pro Stunde sind es, in manchen Gerichtsurteilen seien 15 Kilometer pro Stunde noch als angemessen bewertet worden. Doch das Tempo, mit dem 85 Prozent der Verkehrsteilnehmer bei der Messung am Markt ertappt wurden, lag bei 25 Kilometern pro Stunde – mit einem Spitzenwert von 25,8 Kilometern pro Stunde am Dienstag und am Mittwoch.
Auch andere Straßen betroffen
Verstärkt wird die Gefahr durch das überhöhte Tempo der Verkehrsteilnehmer auch dadurch, dass die Autos teilweise auf den Granitplatten am Rand der Straße  fahren und damit weniger als einen Meter von den Haustüren entfernt. Doreen Beier vom Arbeitskreis Barrierefreis Neuruppin berichtete von Vorfällen,  bei denen sie im Rollstohl von Autofahrern geschnitten und dann ausgebremst worden sei. Eine echte Trennung zwischen Gehweg und Fahrbahn gebe es einerseits baulich nicht, und andererseits sei diese auch rechtlich in einem verkehrsberuhigten Bereich nicht sinnvoll, erklärte Juraschek. Und dieses Problem besteht nicht nur in der Fischbänkenstraße, sondern auch bei den angrenzenden Strecken, wie der sachkundige Einwohner Hartmut Pieper zu bedenken gab.
Der Hinweis ist richtig. Nicht nur in dem Bereich zwischen der Friedrich-Engels-Straße und der Seepromenade, auch am Karl-Kurzbach-Bach ist die Situation ähnlich, wie der Rüthnicker Günter Rudolph berichtet. Er war erst in der vorigen Woche als Fußgänger vor der Post beinahe von einem rückwärts ausparkenden Auto gerammt worden. Derartige Vorfälle hatte er an der Stelle, die fast wie der Bereich am See gestaltet ist, schon mehrfach erlebt.
Keine Patentlösung
Eine Patentlösung gibt es für die verkehrsberuhigten Bereiche nicht, gab Baudezernent Arnne Krohn im Bauausschuss zu. Dennoch müsse nun nach Möglichkeiten gesucht werden, das Problem zu beheben. Dazu werde ein Katalog von Vorschlägen erarbeitet, der auch Ideen der Ausschussmitglieder enthalten soll. Dazu gehörten unter anderem Eingrenzungen der Fahrbahn, eine Einbahnstraßenregelung am Neuen Markt, weil viele Probleme durch Begegnungsverkehr entstehen, und andere Ideen. Krohn brachte die Möglichkeit ins Spiel, durch bauliche Veränderungen die durch die Materialien klare Unterscheidbarkeit der Flächen und so auch die damit verbundene Nutzungsgewohnheit aufzuheben.
"Wir müssen das Thema irgendwann abschließen", so Krohn. "Wir werden Vorschläge unterbreiten", stellte er im Ausschuss in Aussicht.

Verkehrsberuhigter Bereich


Was früher die Spielstraße war, heißt inzwischen verkehrsberuhigter Bereich. Autofahrer dürfen dort nur mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs sein. In solchen Bereichen gibt es keine festgelegte Fahrspuren. Alle Verkehrsteilnehmer müssen aufeinander Rücksicht nehmen. Fußgänger haben zwar Vorrang, aber kein exklusives Nutzungsrecht auf einen bestimmten Bereich der Straße. zig