Im Dezember 1997 fand der Zusammenschluss von Katerbow, Netzeband sowie Rägelin mit den Ortsteilen Pfalzheim und Darsikow zu einer Gemeinde statt. "Als ich vor fünf Jahren aus der Schweiz nach Katerbow kam, hatte ich nicht das Gefühl, dass die Dörfer etwas verbindet", schildert Stamer seinen ersten Eindruck von Temnitzquell. Mittlerweile kennt er, auch als gewählter Gemeindevertreter, alle Ecken der Gemeinde und ist überzeugt, dass es überall etwas zu entdecken gibt. "Man muss nur am Lack kratzen, dann spürt man die Gemeinschaft der Dörfer. Trotzdem hat jedes seine Besonderheiten."
Idee des alten Bürgermeisters
Die Idee für die Veranstaltungsreihe, die den offiziellen Titel "Dörfer, die verbinden – Vielfalt im ländlichen Raum Temnitzquell 2020" trägt, stammt noch von dem früheren Bürgermeister Johannes Oblaski. Er hatte von einem Förderprogramm des Bundeslandwirtschaftsministeriums gehört. Die Dramaturgin Ingrid Lucia Ernst, eine Berlinerin mit Wohnung in und großer Liebe zu Netzeband, griff die Idee auf und bewarb sich im Namen von Temnitzquell um die Förderung.
Ihre Initiative hatte Erfolg. Im Rahmen des Bundesprogramms Landkultur erhielt das Projekt eine 100-prozentige Förderung von 31 000 Euro. Der Temnitzer Amtsdirektor Thomas Kresse, der die Schirmherrschaft übernommen hat, betont, dass die Wir-Feste zwar Werbung für den ländlichen Raum machen, es sich jedoch nicht um eine Imagekampagne handelt. "Die Orte sollen mit den Menschen, die dort leben, in den Fokus gerückt werden." Kresse ist froh, dass in den Dörfern einmal nicht über Daseinsvorsorge gesprochen wird, sondern die verbindenden Elemente in den Vordergrund gerückt werden. Er wünscht sich, dass so Orts- und möglicherweise auch Amtsgrenzen überwunden werden. "Letztlich geht es darum, Menschen zusammenzubringen, Gedanken auszutauschen und zusammen eine schöne Zeit zu verbringen. Wir feiern die Gemeinschaft, den unsichtbaren Kitt, der die Menschen hier ganz besonders verbindet", bringt Stamer die Fest­idee auf den Punkt.
Der Startschuss fällt am Sonnabend, 29. Februar, um 15 Uhr in der beheizten Dorfkirche in Katerbow. 660 Jahre alt wird der Ort in diesem Jahr, was zum Heidelauf am 5. September mit einem Dorffest gefeiert wird. Das Jubiläumsjahr beginnt aber mit dem Wir-Fest. Rund 230 Einwohner hat Katerbow. Fünf von ihnen werden in der Dorfkirche auf dem Podium sitzen und in einer Gesprächsrunde mit der Verlegerin Ulrike Hofmann-Paul über die Vielfalt im ländlichen Raum reden. Mit dabei ist unter anderem die zweitälteste Frau im Dorf, die 1956 nach Katerbow kam, im selben Jahr, in dem auch die Dorfkirche wieder aufgebaut wurde.
Talkrunde mit Verlegerin
Die Talkrunde mit Menschen aus dem Dörfern wird es bei allen Festen geben. Hinzu kommen kulturelle Programmpunkte. So wird in Katerbow der Schauspieler Andreas Klein, bekannt vom Theatersommer Netzeband, lesen. Musikalisch umrahmt wird der Nachmittag für Groß und Klein von einer Künstlerin aus Berlin, die Unterstützung von einer Abiturientin aus dem Dorf bekommt. Zwischendrin gibt es Kaffee und Kuchen, der von den Kirchenfrauen angeboten wird. Abends organisiert die Frauengruppe einen gemütlichen Ausklang am Grill. "Die Leute sollen ja ins Gespräch kommen", erklärt Stamer, der von Ingird Lucia Ernst die Projektleitung übernommen hat. "Es gibt Raum für Begegnungen", hofft Kresse, dem die Gemeinde am Herzen liegt. "Es ist eine unvergleichliche Region mit vielen kulturellen Besonderheiten, einer wunderbaren Natur als Tor zur Kyritz-Ruppiner Heide und eben diesen Menschen, die die Region erhalten und entwickeln." Temnitzquell müsse mit seinen Reizen viel bekannter sein, wünscht er sich.
Das Projekt hat auch einen nachhaltigen Effekt, denn es wurden eine Homepage für die Gemeinde mit Bildergalerien, Berichten und Dorfkalender sowie eine neue Facebookseite erstellt. "Schon an diesem Projekt zeigt sich wie ländliche Gemeinschaft funktioniert: Einheimische, Zugereiste, Kirchenleute, Frauengruppe, Feuerwehr, Angelverein, Amt, Bürgermeister und viele andere machen es erst möglich", sagt Henrik Stamer mit Blick auf die Projektgruppe.

Fünf Feste, fünf Dörfer – eine Gemeinschaft


Das erste Wir-Fest findet am 29. Februar in der Dorfkirche Katerbow statt.

Alle Feste beginnen jeweils um 15 Uhr in der Kirche des Ortes.

In Rägelin soll am 4. April und in Pfalzheim am 6. Juni gefeiert werden.

Darsikow steht am 19. September im Mittelpunkt, und Netzeband beschließt die Veranstaltungsreihe am 23. Januar 2021.

Die neue Homepage der Gemeinde ist unter www.temnitzquell.de zu finden.  red