In der idyllisch im Wald gelegenen und denkmalgeschützten Villa können über 30 Menschen ihren Ausstieg aus der Alkoholabhängigkeit beginnen. Viele von denen, die sich in vergangenen Jahren dort aufnehmen ließen und sich in stationäre Therapie begaben, besuchten am Sonnabend das 16. Ehemaligentreffen. Zu der jährlich stattfindenden Veranstaltung mit gemeinsamem Kaffeetrinken und Kuchenessen zählen für viele auch das Wiedersehen und der Austausch untereinander. Während Küchenchef Volker Tabbert, der derzeit drei Lehrlinge ausbildet, das Wildschwein am Spieß brutzeln ließ, saßen rund 150 Gäste im Garten. Zudem führte eine von zwei Leiterinnen, Beate Hellfors, Diplom- Medizinerin und Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapeutin sowie Sozialmedizinerin, interessierte Menschen durch das Haus.
Hans-Jürgen Kern aus Berlin kam als Ehemaliger und traf viele Bekannte wieder. "Es ist ein schleichender Werdegang. Einer verträgt mehr, der andere weniger", erklärte der 54-Jährige sein Abrutschen in die Alkoholanhängigkeit. Er habe Jahre gebraucht, um sich einzugestehen, dass er ein Alkoholiker ist. Kern berichtete, wie einst alles begann: "Jeden Abend ein Bierchen, bei Druck dann zwei und mehr und dann harte Sachen." Nach dreimaliger stationärer Therapie ist er wieder im normalen Leben angekommen.
Ute Hoffmann, ebenfalls Leiterin und klinische Sozialarbeiterin sowie Suchttherapeutin der Einrichtung, freute sich über die zahlreichen Besucher und darüber, dass einige ehemalige Patienten für besonders kreative Überraschungen gesorgt hatten, beispielsweise Fred Dieckert. Der 57-Jährige spielte Gitarre und sang vor allen Gästen. 2013 war er für drei Monate im Haus Schönbirken und entdeckte dort seine einstigen Talente wieder. "Ich will nie wieder zurück", sagte er, als er von seiner Heimat Berlin-Treptow sprach. Dort lebte er in einem Kinderheim und begann bereits als Zwölfjähriger, Alkohol zu trinken. "Mutprobe", sagte er kopfschüttelnd. Der gelernte Dachdecker heiratete mit 21, hat zwei Kinder - alles hätte gut sein können. Doch er trank täglich - bis irgendwann alles bergab ging. Im Haus Schönbirken hatte er in einem alkohol-, drogen- und gewaltfreien Rahmen genügend Zeit sich für einen künftigen Lebensweg zu entscheiden. Er überwand seine Sucht, entdeckte sein eigenbestimmtes Leben wieder und begann, es auszugestalten - mit Musik. Wo er heute lebt, war derweil auf seinem knallroten T-Shirt zu lesen: "Ich bin ein Kränzliner".