„Warum soll der Wald in Bauland umgewandelt werden?“ Diese Frage stellte voller Empörung eine Frau aus Netzeband am Montag bei der Gemeindevertretung in Temnitzquell. „Alle Bäume sind intakt, und die Fläche ist als Wald ausgewiesen.“ Außerdem gäbe es an dieser Stelle einen Tiefbrunnen, weshalb bis dato ihrer Meinung nach dort ein Bauverbot galt, so die Anwohnerin. Grund für ihre Aufregung war der Plan zur Aufstellung einer Klarstellungs- und Ergänzungssatzung für den gesamten bebauten Bereich hinter der Bahntrasse in Netzeband, über den in der Sitzung beraten wurde.

Baupläne für Grundstück

Ein Eigentümer wollte sein zum Teil bewaldetes Grundstück, dass sich laut Flächennutzungsplan derzeit im Außenbereich befindet, zu Bauland entwickeln. Mit der Prüfung der Bebaubarkeit hatte er das Neuruppiner Büro Plankontor Stadt und Land GmbH beauftragt. Der Vorhabenträger war sogar bereit, die Kosten für die Bauleitplanung zu tragen. Die Satzung, mit der zugleich Rechtssicherheit für die anderen Grundstücke geschaffen werden sollte, käme auch der Gemeinde zugute, da so auch auf drei gemeindlichen Grundstücken Baurecht geschaffen werden könnte. Ein mit dieser Satzung entwickeltes Wohngebiet würde außerdem nicht auf die Eigenentwicklung des Ortes nach dem Landesentwicklungsplan angerechnet werden.

Ortsvorsteher lehnt Pläne ab

Doch der Plan, den Jörg Lewin vom Büro Plankontor den Gemeindevertretern vorstellte, stieß nicht auf ungeteilte Begeisterung. Harri Graf, Ortsvorsteher von Netzeband, wurde sehr deutlich: An sich sei Bauland eine schöne Sache, aber „das ist Wald und soll es auch bleiben“. Er sei streng dagegen, dass auf diesen Grundstücken gebaut würde. Im Ort seien mehrere Flächen für Bauprojekte frei, anstatt dass auf diesen Grundstücken im Außenbereich Bäume gefällt werden müssten, erklärte er seine Ablehnung.

Wald in isolierter Lage

Jörg Lewin hatte zuvor erklärt, dass sich der Wald in diesem Gebiet in einer isolierten Lage befände, weshalb er davon ausging, dass ihn die Forst nicht als solchen deklarieren würde. Er ging zudem davon aus, dass der Bereich hinter den Schienen als bebauter Ortsteil eingestuft werden würde und nicht als Splittersiedlung, weshalb die unbebauten Grundstücke nach erster Sichtung durch die Kreisplanung nur sogenannte Baulücken wären. Käme es zu einem Rechtsstreit, mutmaßte Lewin, könnte der Landkreis gezwungen werden, dort Baurecht zu erteilen. Die Satzung würde hingegen für den gesamten Bereich Klarheit schaffen.

Antrag abgelehnt

Die Gemeindevertreter votierten Mehrheit von vier Ja-Stimmen, fünf Enthaltungen und der Nein-Stimme von Harri Graf für die Aufstellung der Satzung.