Eigentlich hatte sich Ralf Grabowski bereits zurückgezogen und die Geschäfte an einen Nachfolger übergeben, den er länger auf diese Aufgabe vorbereitet hatte. Doch sein Nachfolger habe ihm am 3. Januar mitgeteilt, dass er seinen Posten niederlegt, sagte Grabowski. Da er als Gesellschafter noch Anteile an dem Unternehmen hält, übernahm Grabowski die Geschäfte wieder. Letztlich sah er keine andere Möglichkeit, als Insolvenz anzumelden. Wie er am Montag sagte, hegt er die Hoffnung, dass der Betrieb nicht schließen muss. Bis auf Weiteres arbeiten die 16 Angestellten weiter. Für Freitag stehen erste Gespräche zur Zukunft der Firma an.
Lange Geschichte
Die Carstens-Keramik Rheinsberg GmbH ist einer der ältesten Betriebe in der Region. Bereits 1762 wurde in der Prinzenstadt eine Fayencemanufaktur in Betrieb genommen, in der Ton aus dem Boberow und Dierberg zu Porzellan-Imitaten verarbeitet wurde. Im Jahr 1816 entstand an der Rhinstraße ein Steingutwerk. 1892 erwarb der Steingutfabrikant Christian Carstens zusammen mit seinem Bruder Ernst Carstens den heruntergewirtschafteten Betrieb in der Prinzenstadt. Bis 1932 hatte das Unternehmen 140 Mitarbeiter. Sie produzierte unter anderem die bekannte Rheinsberger Teekanne im englischen Stil. Da die Frau des Inhabers, Gertrud Carstens, aus einer mährisch-österreicherisch-jüdischen Familie stammte, musste sie mit ihren Kindern vor den Nationalsozialisten fliehen. 1948 wurde die Firma zum Volkseigenen Betrieb "Steingutfabrik Rheinsberg". Erst 1992 holte Christian Carstens Senior sie wieder in Familienbesitz. Er entwickelt das umliegende Gelände zur Rhinpassage und war Vorsitzender des damaligen Wirtschaftsfördervereins Rheinsberg. Nach seinem Tod wurde er zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Anfang 2018 kaufte der Immobilen-Makler Dirk Pospiech die Rhinpassage von Carstens-Keramik. Ralf Grabowski wollte, dass sein Nachfolger sich auf die Geschäfte in der Keramikfabrik konzentrieren kann. Zwei Jahre später hat dieser nun hingeschmissen. Grabowski hofft, dass das Unternehmen die Krise überwindet. "Im Moment setzen wir alles daran, dass es weitergeht."