Strubensees Ortsvorsteher Tony Groche hat von den Vorfällen bereits gehört. "Es soll zu 90 Prozent der Wolf gewesen sein. Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es ja erst, wenn der Speicheltest ausgewertet wurde", erklärt er. In Strubensee selbst soll vor Weihnachten ein Schaf gerissen worden sein. "Und vor Silvester wurden in Keller nochmal drei Schafe getötet", so Groche.
Robert Franck ist einer der Wolfsbeauftragten des Landes Brandenburg. Der Zechower bestätigt die Vorfälle in Keller und Strubensee. Kurz vor Silvester sei das Schaf in Strubensee gerissen worden. "Der Wolf als Verursacher kann nach dem Rissbild nicht ausgeschlossen werden", so Franck. Das sei auch aufgrund der Masse an Fleisch, das der Angreifer gefressen hat, wahrscheinlich. Das Tier habe sich unter einen Zaun hindurch gebuddelt und habe anschließend das Schaf gerissen.
In der Neujahrsnacht seien schließlich in Keller drei Schafe getötet worden. Auch in diesem Fall entspricht das Rissbild dem, das ein Wolf hinterlassen würde, so der Wolfsbeauftragte. Der Angreifer kam über einen Acker und hat sich einen Weg unter dem Zaun hindurch gegraben. "Wir haben wolfsähnliche Spuren in der Nähe gefunden", so Franck. Diese könnten auch von einem Schäferhund stammen. Allerdings handelt es sich eindeutig um Abdrücke eines größeren, hundeähnlichen Tieres. In Keller wurden laut Frank drei Schafe gerissen. Allerdings ist in diesem Fall kein Fleisch gefressen worden. "Vielleicht ist das Tier gestört worden", vermutet Robert Franck.
Er war in beiden Fällen vor Ort und hat Speichelproben genommen. Diese wurden anschließend zum brandenburgischen Landesumweltministerium geschickt. "Ob sie auswertbar sind, wird sich zeigen", so Franck. Wann genau es ein Ergebnis gibt, kann er nicht sagen. Das könne sich durchaus auch noch etwas hinziehen. Allerdings gilt für Landwirte und Privatpersonen: Kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein Wolf der Verursacher war, gibt es auch eine Entschädigung für den Besitzer des getöteten Tieres. Wie hoch diese ist, legt aber nicht Franck selbst, sondern das zuständige Landwirtschaftsministerium fest.
Aufgrund der zeitlichen und räumlichen Nähe der Angriffe in Keller und Strubensee rechnet Franck schon damit, dass es sich um ein und denselben Täter handelt. Woher er stammt, wird durch die Speichelprobe geklärt. Vom Tier, das aus der Kyritz-Ruppiner Heide bekannt ist, existieren Vergleichsproben. Es könne aber auch sein, dass der Angreifer aus der Rüthnicker Heide kommt, so Franck.
Bei Rüthnick sei in der jüngeren Vergangenheit auch Damwild gemeldet worden, das wahrscheinlich von einem Wolf gerissen wurde. Das Täterprofil sah - wie bei den jüngsten Vorfällen in Keller und Strubensee - schon sehr nach einem Wolf aus, so Franck. Die Rüthnicker Heide biete sich als Lebensraum für diese Tiere durchaus an. Es handelt sich um ein großes, geschlossenes Waldgebiet. Da sei es denkbar, dass sich dort ein Wolf wohlfühlt. Ob sich aber wirklich ein Rudel dauerhaft vor Ort niederlässt, sei die nächste Frage. Das ist bisher auch nicht in der Kyritz-Ruppiner Heide der Fall.
Es ist laut Franck aber auch möglich, dass der Wolf aus der Kyritz-Ruppiner Heide in Keller und Strubensee zugeschlagen hat. "Das ist für die Tiere keine Entfernung", so der Fachmann. Diese würden auch mal 70 Kilometer in einer Nacht hinter sich bringen. "In Röbel und Bollewick wurde der Wolf aus der Kyritz-Ruppiner Heide ja auch schon mal nachgewiesen", so Franck. Er ruft alle - ob Privatleute oder Jäger - dazu auf, ihm Hinweise zuzusenden, wenn Wolfssichtungen vermutet werden. "Wenn jemand eine Info hat, ist es wichtig, dass wir Bescheid wissen", so Franck. So lassen sich Wege und Entwicklung der Population nachvollziehen. Viele Jäger melden schon ihre Sichtungen. Gut sei es auch, wenn Fotos mitgesandt werden. Robert Franck ist per Telefon unter (01 72) 6 04 83 75 oder per E-Mail unter robert-franck@rhintour.de erreichbar.