Die Schlüsselzuweisungen sind Geld, das Städte und Gemeinde vom Land erhalten, weil sie zum Beispiel Einkommensteuer nicht selbst von ihren Einwohnern nehmen können. Berechnet wird die Summe pro Kopf. Weil beim Zensus am 9. Mai 2011 festgestellt wurde, dass manche Kommune mehr, manche weniger Einwohner hat, als bislang erfasst, musste alles noch mal neu berechnet werden. Für die Zuweisungsjahr 2013 gelten die jüngst aktualisierten Einwohnerzahlen vom 31. Dezember 2011.
Dabei gibt es im Landkreis ganz klare Gewinner, aber auch Verlierer. So muss Vielitzsee einen verhältnismäßig hohen Abschlag hinnehmen: Der Gemeinde mit den drei Ortsteilen Strubensee, Seebeck und Vie-litz waren nach dem Zensus mehr als zehn Prozent der Einwohner quasi gestrichen worden (RA berichtete). Umgerechnet in Schlüsselzuweisungen gibt es nun für das Jahr 2013 vier Prozent weniger als geplant - statt 266 000 nur noch 255 000Euro.
Gewinner dagegen ist Walsleben. Die Gemeinde hatte laut Zensus eigentlich mehr Einwohner als bislang angenommen. Die Schlüsselzuweisungen fürs laufende Jahr wuchsen damit um 35900 Euro auf 365000 Euro - um mehr als zehn Prozent.
Mit einem Plus konnten wie in den Fällen Wittstock und Rheinsberg auch jene Städte rechnen, die nach dem Zensus sogar an Einwohnerzahl verloren haben. Das liegt schlichtweg daran, dass nach der Neuzählung fast alle Kommunen im Land weniger Bevölkerung aufwiesen und damit nur die mit den deutlichen Einbrüchen auch weniger Zuweisung bekommen. Das kommt auch Fehrbellin zugute: Dem Zensus verdankt sie nun ein halbes Prozent mehr Schlüsselzuweisungen als zuvor. Dabei hatte die Gemeinde gegen die neuen Einwohnerzahlen sogar Widerspruch eingelegt.
Selbiges hat die Kreisstadt getan. "Wir halten auch daran weiter fest", so Neuruppins Rathaussprecherin Michaela Ott. Genau geschaut werde dabei, wie andere Großstädte dagegen vorgehen wollen. Tatsächlich gibt es landesweit Unmut: So muss Eisenhüttenstadt aufgrund der neuen Berechnungen sogar auf schmerzliche achteinhalb Prozent seiner Zuweisungen verzichten.
Bei Neuruppin sind es minus 1,36 Prozent: Insgesamt werden 217 000 Euro weniger vom Land überwiesen. Allerdings war lange vorher angekündigt, dass es zu Neuberechnungen kommt. Und die Fontanestadt hat mit 15,7 Millionen Euro immer noch doppelt so viel wie die zweitgrößte Stadt im Kreis, Wittstock.
Dass es nicht zu der Abschlagssumme kam, die das Neuruppiner Rathaus vermutete - mehr als eine halbe Million Euro - liegt daran, dass das Finanzministerium einen Demografiefaktor einberechnet: Kommunen, die in einem gewissen Zeitraum besonders viele Einwohner verlieren, können dann mit einer Art Bonus rechnen - und erhalten dann doch mehr Geld als vermutet.
Im Übrigen hat die Fortschreibung auf der Basis des Zensus vom 9. Mai 2011 ergeben, dass zum 30. Juni 2012 die Zahl der Ostprignitz-Ruppiner nicht mehr sechsstellig ist wie angenommen. Sie lag nach dem Zensus-Stand am 31. Dezember 2011 bei 99 753. Gemäß der alten Fortschreibung hatte der Wert noch bei 102 108 gelegen.
Die einzelnen Meldeämter, deren Zahlen von denen des Statistikamtes abweichen - die dafür anders als diese, auch die Bevölkerung der einzelnen Ortsteile erfassen - bleiben bei ihren Zahlen. Einen Abgleich mit den neuen Werten gibt es nicht. "Wir werden da nichts weiter korrigieren", so Andrea Baudis vom Meldeamt Rheinberg. "Unsere Zahlen wichen von denen, die beim Zensus ermittelt wurden, ohnehin kaum ab." Eine Erfahrung, die auch das Amt Temnitz gemacht hat: "Unsere Zahlen passten mit den wirklichen gut überein", so Corina Seefeld von der dortigen Einwohnerbehörde. Außerdem ließe es sich kaum praktisch umsetzen, die personenbezogen Meldedaten zu ändern.
• Der Landkreis Ostprignitz-Ruppin hatte am 31. Dezember 2011 99 753 Einwohner (2355 weniger als vor dem Zensus) und die Landratsveraltung erhält für 2013 damit 31 300 000 Euro an Zuweisungen (22 300 Euro weniger):
• Dabergotz: 613 (+7) Ew.;
305000 Euro (+8 780 €)
• Dreetz: 1 147 (-36) Ew.;
636200 Euro (-1 863 €)
• Fehrbellin 8 595 (-105) Ew.;
3817000 Euro (+20 650 €)
• Heiligengrabe: 4 603 (-25) Ew.;
1827000 Euro (+19 200 €)
• Herzberg: 643 (- 15) Ew.;
288 000 Euro (+ 167 €)
• Kyritz: 9 303 (-146) Ew.;
4600000 Euro (+ 13 800 €)
• Lindow: 3 075 (+ 9) Ew.;
1503000 Euro (+ 20 500 €)
• Märk. Linden: 1 188(- 48) Ew.;
232000 Euro (- 4600€)
• Neuruppin: 30184 (- 1 324)Ew.; 15700000 Euro (-217 000 €)
Neustadt: 3531 (-38)Ew.;
1400000 Euro (+11600€)
• Rheinsberg: 8 254 (- 168) Ew.; 3800 000 Euro (+2 900 €)
• Rüthnick: 494 (-8)Ew.;
215000 Euro (-779 €)
• Sieversdorf-Hoh.: 756 (-21) Ew.;
451000 Euro (-497 €)
• Storb.-Frankendorf: 481 (-19);
252600 Euro (-1 500€)
• Stüd.-Schönermark: 616 (+11);
304000 Euro (+6 630 €)
• Temnitzquell: 786 (-15) Ew.; 422000 Euro (+1 032 €)
• Temnitztal: 1 450 (-83) Ew.; 738000 Euro (- 8 700 €)
• Vielitzsee: 479 (-58) Ew.;
255000Euro (- 10 900 €)
• Walsleben: 821 (+52) Ew.;
365000 Euro (+35 900 €)
• Wittstock: 14 801 (-249) Ew.; 7700000 Euro (+30900 €)
• Wusterhausen: 6 129(- 57)Ew.; 3070000 Euro (+23700€)
• Zernitz-Lohm: 893 (-10) Ew.; 458000 Euro (+3100 €) (crs)