Einige Masten der vorhandenen 220-Kilovolt(kV)-Freileitung, die auf 380 kV umgerüstet werden sollen, sind dem Ausbau des nördlichen Berliner Rings im Weg. "Grundlage der Arbeiten ist eine Ergänzung zum Planfeststellungsbeschluss für den Autobahnausbau. Der Umbau erfolgt dabei jedoch bereits so, dass die Masten nach Errichtung des 380-kV-Nordrings Berlin weitergenutzt werden können", erklärt Axel Happe, Sprecher des Netzbetreibers 50Hertz, den Hintergrund der Arbeiten.
Baufreiheit für nördlichen Ring
Um Baufreiheit für die Autobahn zu schaffen, müssen drei Masten der 220-kV-Bestandleitung umgebaut werden. Sie werden durch zwei neue Masten ersetzt. Erste Gründungsarbeiten für die Masten sind für diese Woche geplant.
Um den Verkehr auf dem Oder-Havel-Kanal und auf der Autobahn während der Arbeiten nicht zu beeinträchtigen, wurden Schutzgerüste mit Netzabdeckungen errichtet. "Die Arbeiten müssen jetzt erfolgen, da hierfür die Bestandsleitung ausgeschaltet werden muss. Und das kann nur während der Betriebsferien der Stahlwerke Hennigsdorf erfolgen", sagt Happe. Die Arbeiten sollen bis Mitte Juli erledigt sein. Der Rückbau der Gerüste folgt aus Gründen des Vogelschutzes im September.
Mit dem Planfeststellungsbeschluss für den Ersatzneubau des 380-kV-Nordrings Berlin haben die Arbeiten nach Angaben von Happe rechtlich nichts zu tun. Sie würden unabhängig von den derzeit laufenden Eil- und Klageverfahren der Gemeinde Birkenwerder und des Umweltverbandes gegen den Planfeststellungsbeschluss für den 380-kV-Nordring Berlin erfolgen. Das Bundesverwaltungsgericht ist laut Happe von 50Hertz über die Maßnahmen informiert worden.
Wann eine Eilentscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zu erwarten ist, kann keine der beteiligten Parteien derzeit einschätzen.
Die Kläger fordern für das Teilstück in Birkenwerder, das parallel zur Autobahn verläuft, eine großräumige Verlegung der Leitung oder eine Tunnel-Lösung. "Wenn wir uns nicht mit Klagen beim Bundesverwaltungsgericht dagegen wehren, werden uns 81 Meter hohe Masten an der Autobahn begleiten", sagt Peter Kleffmann vom Umweltverband. Das Landschaftsbild werde sich grundlegend verändern, und "die gesundheitlichen Folgen sind entweder noch nicht erforscht oder sie werden von der Genehmigungsbehörde schlicht ignoriert", so Kleffmann. Die Kommune würde zudem erheblich an möglichem Siedlungsgebiet verlieren, da aus Sicherheitsgründen unter der Trasse nicht gebaut werden dürfe.
Erhebliche Mehrkosten
Die Mehrkosten der vom Umweltverband vorgeschlagenen und von Gutachtern bestätigten Konfliktlösungen belaufen sich je nach Ausführung zwischen 7 und 17 Millionen Euro. Der Netzbetreiber 50Hertz lehnt die Alternativen aus finanziellen und technischen Gründen ab.

Die Planungen laufen seit sieben Jahren


Bereits seit 2013 wird die Stromtrasse des "Berliner Nordrings" zwischen Wustermark und Neuenhagen von normalen 220 Kilovolt (kV)-Stromleitungen auf 380 kV umgerüstet. Dazu sind über zirka 80 Kilometer neue Freileitungen, 115 Masten und mehrere neue Schaltanlagen nötig.

Die Trasse wurde Ende August 2019 genehmigt. Birkenwerder und der Umweltverband klagen vor dem Bundesverwaltungsgericht ­gegen die Trasse über Birkenwerder.

Das Investitionsvolumen beträgt laut 50Hertz rund 176 Millionen Euro.

Im westlichen Teil, zwischen Wustermark und Oder-Havel-Kanal, wurden die Arbeiten im August 2017 abgeschlossen. Es folgt der östliche Teil vom Oder-Havel-Kanal bis nach Neuhagen.

Die Mühlenbecker Bürgerinitiative erreichte, dass der Verlauf der neuen Stromtrasse im Bereich Summt viel näher an die Aautobahn (A 10) heranrückt und damit nicht mehr über ­bewohnte Flächen verläuft. zeit