Herr Unbekannt, was halten Sie davon, dass probeweise bis zum Jahresende nur noch ein Rettungswagen im Bereich Kremmen zur Verfügung steht und die Wache in Sommerfeld sogar dicht gemacht wird?
Ich halte das für unverantwortlich. Es geht bei dieser Umstrukturierung nur um die Kosten, die minimiert werden sollen. Der Mensch bleibt auf der Strecke.
Wie meinen Sie das?
Die Menschen müssen sich auf längere Wartezeiten einstellen, ehe der Rettungswagen eintrifft. Im Notfall entscheiden Minuten über Leben und Tod. Die Hilfsfrist von 15 Minuten ist ja selbst jetzt mit einem Rettungswagen in Staffelde und einem in Sommerfeld oft nicht zu schaffen, weil das Versorgungsgebiet sehr groß ist. Wie soll das mit nur einem Fahrzeug klappen? In Berlin gilt eine Hilfsfrist von sieben bis acht Minuten, die zwar zugegeben in der Regel nur in der Innenstadt eingehalten wird. Trotzdem ist der Rettungswagen in der Hauptstadt deutlich schneller am Einsatzort als bei uns in Oberhavel. Natürlich kann man Berlin und Oberhavel nicht unbedingt vergleichen. Aber die Gegenüberstellung zeigt schon, dass schnelle Hilfe in Oberhavel deutlich problematischer ist.
Was wäre Ihre Lösung?
Ich finde, dass es doch bislang ganz gut lief mit den Wachen in Staffelde und Sommerfeld. Klar, es geht immer besser. Aber wir haben einen guten Standard erreicht. Den sollten wir nicht leichtfertig aufgeben. Nur das Geld im Auge zu haben, ist viel zu kurz gedacht. Es geht doch zum Beispiel auch darum, wie viele Menschen in einem Gebiet leben, wie ihre Altersstruktur ist und so weiter. Bei uns leben viele ältere Menschen. Es gibt zwei Schulen, Kitas und ein Krankenhaus ohne Erste Hilfe. Da passiert schnell mal was, und dann wird ein Rettungswagen gebraucht. Unter dem Strich ist das Rettungswesen ein defizitäres Geschäft - auch in Berlin. Es ist eine politische Entscheidung, welche Versorgung gewünscht wird.
Der Ortsbeirat pocht auf zwei Rettungswagen im Bereich Kremmen. Was sagen Sie dazu?
Das ist gut, der Ortsbeirat hat die Stimmung in der Bevölkerung aufgenommen. Die Menschen haben erkannt, um was es geht, nämlich ganz konkret um die Verschlechterung ihrer Versorgung. Sie gehen deshalb auf die Barrikaden. Das ist gut so.