Doch die Auswertung dauert einige Zeit an, wie Robert Franck, Wolfsbeauftragter des Landes Brandenburg, erklärt. "Sowas geht nicht so schnell wie im Fernseh-Krimi." Die Proben stammen aus den Verwundungen der getöteten Gotland-Schafe und wurden an das Senckenberg-Institut Frankfurt/Main gesendet. Laut Franck muss man durchaus mehrere Wochen rechnen, bis ein Ergebnis feststeht. Doch damit nicht genug: "Es kann sein, dass die Proben unbrauchbar sind, weil nicht genug DNA an den Tieren haften geblieben ist", gibt er zu bedenken. Sein vorläufiges Fazit: "Ball flachen und keine Panik verbreiten."
Ironie der blutigen Geschichte: Der tierische Überfall ereignete sich auf einer Wiese wenige hundert Meter vom Verwaltungssitz des Naturparks "Uckermärkische Seen" entfernt. Das bestätigte Roland Resch, Leiter des Naturparks. Doch auch er hält nichts von Panikmache. "Wir wissen von mehreren Wölfen, die auch auf dem Gebiet unseres Naturparks unterwegs sind, aber der jüngste Vorfall, falls es sich um einen Wolf als Täter handelt, zeugt davon, dass es ein Einzeltier war." Gesichtet wurden umherstreunende Einzeltiere auch schon bei Dannenwalde, in der Tangersdorfer Heide und auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Vogelsang, sagt Resch. "Wir haben im Naturpark kein Rudel, das sich etabliert hat", stellt er klar. Aber in der öffentlichen Wahrnehmung, vor allem wenn ein Wolf wieder von sich reden machte, gebe es ein Problem: "Ich schätze, im Land Brandenburg gibt es weitaus mehr Wolfsexperten als Wölfe", meint Resch schmunzelnd. Niemand könne freilich erklären, weshalb sich ein Wolf bei diesem milden Winter überhaupt aus der Deckung traut. Denn es gebe auch so genug Futterangebote.
40 Welpen - soviel wurden allein in Südbrandenburg 2013 gezählt, erklärt Mario Schrumpf, Leiter des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land. Nach zwei Jahren würden sie vom Rudel verstoßen, so dass sie sich als Einzelgänger quasi auf die Walz und Partnersuche begeben. "Da kann es durchaus sein, dass ein Wolf nachts 60 bis 80 Kilometer locker zurücklegt, das ist für den kein Thema", weiß Schrumpf. Es habe Fälle gegeben, wo scheue und rastlose Streuner erst zwei Autobahnen überwanden, dann durch die Elbe schwammen, um eines Morgens vor Hamburg aufzutauchen. "Deutschland gilt im Fachjargon lange schon als Wolfserwartungsland", so der Naturparkchef. Sogar in Niedersachsen seien schon Tiere registriert worden. Das geschieht mittels sogenannter Telemetrie (Fernmessung mittels Sensoren)und speziell aufgestellten Foto-Fallen. "So haben wir auch feststellen können, dass Wölfe inzwischen in der Kyritz-Ruppiner Heide heimisch geworden sein müssen", erklärt der Experte.
Häufig ist es eben dieser Rastlosigkeit geschuldet, dass Wölfe immer wieder Opfer des Straßenverkehrs werden. Dies sei die häufigste unnatürliche Todesursache. Geschossen werde er kaum. "Ich würde auch niemandem raten, den Finger am Abzug krumm zu machen, denn der Wolf ist ein geschütztes Tier, somit also die Jagd auf ihn ein Straftatbestand", betonte Schrumpf. Aber gleichzeitig sollte allen Beteiligten klar sein, "der Wolf frisst nun mal keine Heidelbeeren".
Wolfsbeauftragter Robert Franck merkt an, er fahre regelmäßig durchs Land, um Tötungen von Tieren zu untersuchen, die den Schluss nahelegen, es könnte sich um einen Wolf als Täter handeln. Im Falle von Lychen sei das nicht klar. Im Übrigen betreue und berate er den betroffenen Schäfer seit langer Zeit. "Wir hatten keinerlei Hinweise, dass sich ein Wolf in der Nähe aufhält." Anke Rudnick von der Naturwacht im Stechlin-Ruppiner Land warnt vor übertriebenen Reaktionen. Oft seien es streunende Hunde, die statt Wölfen hinter den schlagzeilenträchtigen Attacken stecken.
Um Gewissheit zu erlangen, sei - sobald sich etwa ein gerissenes Schaf findet - die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises einzuschalten.