Ins Büro wollte sie eigentlich nie. Und doch hat Marita Lipinski fast ihr gesamtes Berufsleben an Schreibtischen verbracht, davon mehr als 30 Jahre in der Stadtverwaltung Oranienburg. Zum Ende des Monats scheidet die Mitarbeiterin des Hauptamtes aus dem Dienst aus. Für sie beginnt dann die Arbeitsteilzeit. Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos) und Stadtverordnetenvorsteher Dirk Blettermann (SPD) verabschiedeten Marita Lipinski bereits in der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments. Das war ihre letzte, die sie vor- und nachzubereiten hatte. Beide dankten der „guten Seele“ für ihre stets umsichtige, loyale, vorbildliche und korrekte Arbeit, ohne die es um die Scharnierstelle zwischen Verwaltung und Kommunalpolitik schlecht bestellt gewesen wäre.

Ausbildung im Zementwerk Rüdersdorf

Der Gedanke allerdings, reine Büroarbeit verrichten zu müssen, war der jungen Marita Lipinski wohl deshalb zuwider, weil sie eine Macherin ist. „Nur eine Schreibmaschine zu bedienen, wäre mir zu eintönig“, sagt sie noch heute. Deshalb absolvierte die gebürtige Hennickendorferin nach der Schule zunächst eine Ausbildung im Labor der Zementwerke in Rüdersdorf. „Als 1988 eine Stelle im Rathaus Oranienburg frei wurde, habe ich mich darauf beworben und bin persönlich von Bürgermeisterin Hildegard Busse eingestellt worden“, erinnert sich Marita Lipinski dankbar. Mit der früheren Bürgermeisterin verband sie eine herzliche Freundschaft bis zu deren Tod vor einigen Jahren.

Mit den Politikern kam sie bestens klar

Nach der Wende absolvierte Marita Lipinski neben ihrer Arbeit im Hauptamt noch eine Verwaltungsausbildung. Für den Sitzungsdienst, einschließlich Vor- und Nachbereitung von Hauptausschuss- und Stadtverord­-
netentagungen, war sie von Beginn an zuständig. Auch die Protokolle nach den oft stundenlangen Beratungen fielen in ihren Aufgabenbereich. Mit den Kommunalpolitikern, gleich welcher Couleur, kam sie bestens klar, gab oft auch noch Tipps in Geschäftsordnungsangelegenheiten. Sie behielt stets die Übersicht, selbst auch nach turbulenten Beratungen. Wenn Not am Mann war, sprang Marita Lipinski ein, etwa um als stellvertretende Wahlleiterin oder bei Stadtempfängen zu helfen. Vertretungsweise war sie neben ihrer Funktion im Hauptamt auch noch für einige Zeit Bürgermeister-Sekretärin.

Haus und Garten warten

„Das hat mir alles sehr viel Spaß gemacht, weil immer eine Menge zu organisieren war, weil es Fristen zu beachten galt und weil auch vorausschauend vieles geregelt werden musste“, blickt sie auf ein erfülltes Berufsleben zurück. Jetzt freut sich die Optimistin mit dem speziellen Humor, dem erfrischenden Lachen und ihrer freundlichen Zugewandtheit auf die Zeit, in der sie selber mehr ihren Tagesablauf  bestimmen kann. Haus und Garten werden für Beschäftigung sorgen. Auch mit dem Fahrrad wollen die Eheleute Lipinski jetzt öfters unterwegs sein. Und fünf Enkelkinder, das jüngste ist gerade sieben Wochen alt, werden die Oma schon mit einzuspannen wissen. Auf Reisen in jene Ecken von Deutschland, die ihr bisher noch unbekannt sind, freut sich die agile Ruheständlerin besonders. In Kürze will sie sich mit ihrem Mann zum Entspannen erstmal frische Nordseeluft um die Nase wehen lassen.