Sie wagten diesmal sogar einen frechen Blick in die Zukunft. Kamerad Ingo Pahl aus Marwitz hatte zwei Drohnen im Gepäck und zeigte anschaulich ihren Einsatz zu einem guten Zweck.
Nach einer schwungvollen Begrüßung durch den Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Hohen Neuendorf vor dem Eingang bildete ein Musikstück des flämischen Komponisten Joseph Hector Fiocco aus der Barock-Zeit den feierlichen Auftakt - vorgetragen vom Jugendkammerorchester der Kreismusikschule Oranienburg unter der Leitung von Sabine Bilinski, das mit einem abwechslungsreichen Programm aus klassischer und moderner Musik für eine willkommene Auflockerung zwischen den Reden sorgte. So wurde der Nachmittag ein würdiges und kunstvolles Fest.
"Ihr Leben war und ist die Feuerwehr", wandte sich Egmont Hamelow (CDU), stellvertretender Landrat, an die Senioren. Von ihrem langjährigen Engagement und ihren Erfahrungen profitierten alle nachfolgenden Generationen. Insgesamt gibt es im Kreis 15 Feuerwehren mit 72 Ortsgruppen. 573 Kameraden gehören der Alters- und Ehrenabteilung an. Von den Alten könne die Jugend in jeder Hinsicht profitieren, so Jörg Wollanke. Und mit einem Blick auf die aktuellen Ereignisse sagte er: "Vielleicht ist auch jemand dabei, der den letzten Krieg erlebt hat und Flucht kennt und darüber sprechen kann". "Retten, Löschen, Bergen, Schützen", das gelte auch für die Flüchtlinge. Ein Beitrag zur Integration könne sein, die Kinder der Zuwanderer in die Tätigkeit der Feuerwehr einzubeziehen.
Es werde sich mit den Zuwanderern vieles ändern, betonte auch der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Werner-Siegwart Schippel. Dennoch könne man nicht alles den neuen Problemen unterordnen. In den vergangenen Monaten wurden Räume der Landesfeuerwehrschule für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt, und einige Lehrgänge fielen aus. Man könne den Unterricht mal aussetzen, sagte er, aber dennoch müsse "das normale Leben" weitergehen. Mit Zuversicht sprach er von zwei Förderprogrammen, die auch der Freiwilligen Feuerwehr zugutekommen. Fünf Millionen Euro kämen von der EU für die multifunktionale Nutzung von Gerätehäusern im ländlichen Raum. Insgesamt 85 Millionen Euro für Landessportbund und Landesfeuerwehrverband gehen auf den Koalitionsvertrag der Landesregierung Brandenburg zurück. Von 2016 bis 2019 sollen in die Feuerwehren jährlich 3,5 Millionen Euro fließen.
Zur Einbeziehung der Flüchtlingskinder in die einheimische Feuerwehr ermutigte auch der Bundestagsabgeordnete der Linken Harald Petzold. Überdies zauberte er gleich eine weitere Idee aus dem Parlamentarierhut. Er sei mit der deutsch-mittelamerikanischen Parlamentariergruppe im Sommer nach Guatemala und El Salvador gereist und habe beobachtet, welchen Beitrag die "Bomberos" - Feuerwehr - dort leiste. Er würde sich darum bemühen, für zwei bis vier Jugendliche Reisekosten nach Mittelamerika aus dem Programm "Konkreter Friedensdienst" zu erwirken. "Das wäre nicht nur Urlaub, sondern Erfahrungsaustausch", sagte er. Im Gegenzug könnten Mädchen und Jungen von dort nach Oberhavel kommen.
Zu den Zukunftsplänen in praktischer Zusammenarbeit kamen Visionen in Sachen Technik. Dass Drohnen, wenn auch vom Militär entwickelt, durchaus nicht nur zum Abschuss von Personen verwendet werden können, bewies Ingo Pahl. Er zeigte Filmaufnahmen, die er mit Quadrocopter und Octocopter machte. Das könne den Kameraden zur Erkundung schlecht einsehbarer Einsatzstellen dienen, so Pahl, der selbst Mitglied der Alters- und Ehrenabteilung ist und fasziniert von seinem Hobby. Eine Faszination, die die Gäste teilten, nicht zuletzt wegen der rasanten Entwicklung. Immerhin waren die Feuerwehrleute noch vor hundert Jahren mit der Löschkutsche unterwegs.
Nach dem Blick in die Zukunft und gemütlicher Kaffee- und Kuchenrunde bei Hintergrundmusik von Disco-Double-Attack wurden mehr als 60 Kameraden für 40, 50 und 60 Jahre Dienst in der Feuerwehr ausgezeichnet. Jeweils einen Präsentkorb erhielten außerdem Erich Kulisch aus Germendorf als einer der Dienstältesten und Heinz Stahl aus Gransee, der mit 88 Jahren älteste Kamerad eine Feuerwehr in Oberhavel.