Märchenerzählerin Britta Wilmsmeier stellte für ihre "exklusive" Zuhörerschaft gar kurzfristig ihr Programm um. Statt komplexer afrikanischer Mythen hörten die Kleinsten unter anderem den Klassiker vom Rumpelstilzchen. Aber die Gruppe traf auf ihrer Reise ins Märchenland auch einen Zaunkönig, der ihnen die Geschichte zwitscherte, wie ein Vogel seiner Art einst das Feuer auf die Erde brachte.
Für die Erwachsenen ging es dann doch noch nach Afrika. Sie amüsierten sich über die Geschichte vom Affen, der lernt, dass nur anderer Leute "trouble" - also Ärger - süß ist. Und die Abenteuer von Hund und Schildkröte mit dem Nussbaum des Tigers akzentuierte Wilmsmeier mit ihrer afrikanischen Trommel.
Ein wirkliches Publikum sammelte sich erst mit dem Auftritt des Duo Scaramuccio. Von der Renaissance bis zur Romantik deklinierten sie ihr Thema, "Die Kunst des Küssens". Immer wieder zwang die Witterung Michael Kornmacher, seine Gitarre nachzustimmen, selbst mitten im Lied. Doch das störte ihn kaum in den ursprünglich für die Laute geschriebenen Melodieläufen der englischen Hofkomponisten John Dowland und Thomas Morley. Es beeinträchtigte nicht die sonnigen Triller und lang klingenden Obertöne in Frederic Chopins Liedern "Zyczenie" und "Piosenka litewska". Und für Wenzel Thomas Matiegkas Variationen über Joseph Haydns "Liebes Mädchen, hör mir zu" zog er alle Register der Gitarrenkunst.
In arienhafte Höhen schwang sich Sylvia Tazberiks Sopran. Ob altes Englisch, Polnisch oder in Luigi von Arditis Kusswalzer auch Italienisch - den Inhalt vermittelte die Sängerin immer auch durch ausdrucksstarke Mienenarbeit. Für Robert Schumanns "Verrathene Liebe" und Franz Schuberts "Gestörtes Glück" warf sie sich gar ins Kostüm eines jungen Mannes. Herrlich ihre erst suchenden, dann resignierten Blicke, als zum Ende des Liedes auch das Publikum der Aufforderung zum Kuss nicht nachkam.
Eingängig blieb aber vor allem das titelgebende Stück des Programms von Andreas Hammerschmidt. "Nicht zu wenig, nicht zu viel", "nicht zu trocken, nicht zu feuchte": Schon im Barock bewegte die richtige Art zu Küssen offenbar zumindest die Komponisten. Zum Abschluss lud das Duo mit bekannten Liedern wie "Ännchen von Tharau" zum Mitsingen ein. Bis dahin hatten sich genug Stimmen gesammelt, um zumindest die Frösche zu übertönen.