Die ABS hat Ulrich Adamski dem Jobcenter Oberhavel für eine Beschäftigung über das zu Jahresbeginn bundesweit gestartete Teilhabechancengesetz vorgeschlagen. Wie berichtet, hat Oberhavel bislang als einziger Landkreis in Brandenburg noch niemanden über das neue Gesetz in Beschäftigung gebracht. Dabei hat Oberhavel nach absoluten Zahlen die drittmeisten Langzeitarbeitslosen im Land. Derzeit würden sich drei mögliche Teilnehmer im Bewilligungsverfahren befinden, teilte die Kreisverwaltung mit. "Bis zum 1. Juli sollen zwölf Bewilligungen abgeschlossen sein", hieß es. Insgesamt lägen dem Jobcenter bisher rund 150 Anträge auf Förderung von Arbeitnehmern, Vereinen sowie regionalen Beschäftigungsgesellschaften vor. "Darüber hinaus haben die Mitarbeiter 40 Kunden des Jobcenters ermittelt, die für eine Besetzung im Rahmen des Teilhabegesetzes geeignet erscheinen. Hier werden die zuständigen Fallmanager  Kontakt zu potenziellen Arbeitgebern aufnehmen", teilte der Kreis mit.
Im Fall Adamski hat das Jobcenter bereits entschieden. Der Hennigsdorfer wurde abgelehnt. Die Begründung lässt ihn verzweifeln. Grundsätzlich würde er zwar die Anspruchsvoraussetzungen für das Teilhabechancengesetz erfüllen, teilte ihm das Jobcenter mit.  Grundsätzlich sei er jedoch nach zwei Beschäftigungsmaßnahmen und der guten Beurteilung durch die ABS für den ersten Arbeitsmarkt geeignet. Das Jobcenter nennt auch noch wirtschaftliche Gründe für die Ablehnung. Diese sei eine "Ermessensleistung". Für Ulrich Adamski muss das wie Hohn klingen. Zwei Millionen Euro stehen dem Jobcenter für das neue Programm bereit, kein einziger Euro davon wurde bislang ausgegeben. Und seit fast zwanzig Jahren findet Adamski auf dem ersten Arbeitsmarkt keinen Job.
"Die Entscheidung ist nach gesundem Menschenverstand nicht nachzuvollziehen", sagt ABS-Geschäftsführerin Kerstin Thiele. Sie spricht von Behördenversagen. der Hennigsdorfer entspreche genau den Bedingungen für das Teilhabechancengesetz. Wem, wenn nicht Ulrich Adamski, solle das Gesetz überhaupt helfen, fragt Kerstin Thiele. Sie kritisiert, dass das Jobcenter Oberhavel Sozialpolitik des Bundes einfach nicht umsetze. Die ABS hatte dem Jobcenter bereits frühzeitig 30 Bewerbungen für das Chancengesetz vorgelegt. Keine einzige davon wurde bislang positiv bewertet.
Ulrich Adamski arbeitet seit dem 1. Juni in einem Ein-Euro-Job. Er reinigt Grünanlagen in Hennigsdorf.  Dabei hatte er in früheren Beschäftigungen der ABS gute Arbeiten erledigen können. Gerne würde er bis zum Rentenalter wieder einen regulären Job bekommen. Das Jobcenter hat das vorerst verhindert.

Neues Gesetzfür neue Chance


Das Teilhabechancengesetz  gilt seit 1. Januar. Warum es trotz sinkender Arbeitslosigkeit notwendig ist, erklärt das Bundesarbeitsministerium unter anderem so: "Entweder sind die Qualifikationsanforderungen zu hoch oder die Arbeitgeber wollen Langzeitarbeitslose selbst für Helfertätigkeiten nicht einstellen, weil sie ihnen nichts zutrauen. Eine gezielte bewerberorientierte Arbeitgeberansprache, Lohnkostenzuschüsse und Coaching, wie vorgesehen, können dabei helfen."

Langzeitarbeitslose sollen für Firmenjobs gecoacht werden sowie Tätigkeiten in Kommunen und bei Beschäftigungsträgern annehmen. kd