Monika Förster muss schmunzeln, als sie vor einem der Bilder steht: "Nur weil ich einmal den Hochzeitstag vergessen habe, bin ich doch nicht dement", erklärt sich ein Mann seiner wütenden Frau. Monika Förster besucht seit einem Jahr die MSV-Demenzberatungen für Angehörige. "Mein Ehemann ist im Anfangsstadium", sagt die 78-jährige Oranienburgerin über die Diagnose ihres Ehepartners. Die Cartoons bringen sie nicht nur zum Schmunzeln. "Die Bilder geben mir Gelassenheit und Optimismus, die Situation lockerer zu nehmen", sagt sie. Sie entdeckt, wie der Cartoonist, viel Humor im Krankheitsbild. Das gebe Kraft.
Der Mann von Monika Förster ist einer von rund 4 800 Demenzerkrankten in Oberhavel (Stand: 2016). In einer älter werdenden Gesellschaft wird diese Zahl voraussichtlich weiter steigen. In Brandenburg wird es laut der Alzheimer-Gesellschaft im Jahr 2025 mehr als 75 000 Menschen mit Demenz (die meisten mit Alzheimer) geben. Das sind 20 000 mehr als derzeit. "In einer immer schnelllebiger und oftmals auch rücksichtsloser werdenden Gesellschaft wollen wir mit der Ausstellung sensibilisieren", sagt Hildburg Pakusch vom MSV.
250 Klienten in Oberhavel
Im ganzen Landkreis betreut der Sozialverein rund 250 Klienten, darunter Betroffene und pflegende Angehörige. "Noch ist die Zahl konstant", sagt die Fachbereichsleiterin. "Einige Klienten begleiten wir seit acht Jahren." Rat und Austausch werden auch über den Zeitpunkt der häuslichen Pflege hinaus gesucht. Meist sind es ältere Menschen, die den Weg zu den Angeboten des MSV finden. "Wir haben aber auch Klienten, die in jungen Jahren, in ihren 40ern, an einer Form der Demenz erkranken. Für sie sind die Hemmungen oft noch größer."
Der Krankheit mit Humor begegnen, das hält Frau Pakusch für eine gute Idee. "Es gibt viele skurrile Situationen." Sich denen offen zu stellen und sich nicht dafür zu schämen, auch einmal mit dem Partner über dessen Vergesslichkeit zu lachen, "das entkrampft den Umgang miteinander". Die Pflege sei physisch und psychisch kräftezehrend.
Zur Belastung kommt ein weiteres Problem hinzu: die Scham. "Für viele ist es nach wie vor ein Tabu", sagt Sonja Köpf von der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg. "Alles, was eine Verschiebung im Kopf nach sich zieht, wird in der leistungsorientierten Gesellschaft schnell tabuisiert." Mit der Ausstellung will sie erreichen, dass Erkrankte selbstbewusst sagen können: "Ja, ich habe Demenz." Ohne sich rechtfertigen zu müssen. Ohne sich schuldig oder weniger wert als Mitglied der Gesellschaft zu fühlen.
"Bei dieser Begleiterscheinung des Alters müssen wir Wege finde, mit kognitiven Problemen umgehen zu können", so die Fachreferentin. Prävention gibt es nicht wirklich. Gesunde Ernährung, Bewegung und ein ausgefülltes Sozialleben könnten vorbeugend helfen, sollte jemand an Demenz erkranken. Besonders das soziale Umfeld könne stabilisierend wirken. "Es gibt aber keinerlei Garantien."
Auf einem Cartoon steht ein Mann im Schlafanzug an einer Ampel. Darauf angesprochen, sagt er: "Ja, aber der ist maßgeschneidert." Solche Gelassenheit wünscht sich Sonja Köpf. "Schnell schämen sich Freunde und Familie. Oder Nachbarn fragen sich, warum sich nicht richtig um den Erkrankten gekümmert wird", so Köpf. Doch das sei falsch. "Wir müssen entspannter reagieren." Angehörige müssten das lernen, aber auch die Gesellschaft müsse weg von Stigmata hin zu einem offenen Umgang, "um Demenz aus der Tabu-Ecke zu holen." Die Ausstellung soll einen kleinen Teil dazu beitragen.
Zu sehen ist "Demensch" bis Donnerstag, 26. September, im Presshaus Eden, Struveweg 501. Die Öffnungszeiten stehen im Terminkalender auf www.hmsvev.de. Heute um 14 Uhr präsentiert Anke Mühlig ihr Buch "Minutenbunt".