Vier Fahrbahnen und ein Gehweg schweben am Sonnabend, 5. September, über der Autobahn A10 in Birkenwerder im Abstand von ein bis zwei Stunden durch die Luft. Jedes Segment ist 40,5 Meter lang und 2,5 Meter breit. Zwischen 20 und 30 Tonnen schwer, sehen die Module an den Stahlseilen beinahe leicht aus, und der 500-Tonnen-Kran benötigt für seinen Transport von der gesperrten Autobahn auf die Trasse auch nur wenige Minuten. Sie genau an die richtige Stelle zu zirkulieren, dauert am längsten.

Tonnenschwere Millimeterarbeit auf der A10

„Das erste Teil ist immer das Schwierigste“, sagt Bauleiter Pjotr Kulawiak von der Havellandautobahn Service Gesellschaft. „Es die Richtung für die anderen vor.“ Es ist Millimeterarbeit, denn eine Ungenauigkeit würde sich über die vier Teile hinweg jeweils vergrößern. Die Monteure geben dem Kranführer Zeichen mit der Hand, auch über Funk verständigen sie sich. „Passt“, sagt Monteur Philipp Hofmeister. Bereits beim zweiten Modul werden die Verbindungsschrauben schnell montiert.
In Birkenwerder wurde eine Behelfsbrücke über der A10 montiert. Die Arbeit erfordert höchste Genauigkeit von Monteur Philipp Hofmeister und seinen Kollegen.
In Birkenwerder wurde eine Behelfsbrücke über der A10 montiert. Die Arbeit erfordert höchste Genauigkeit von Monteur Philipp Hofmeister und seinen Kollegen.
© Foto: Heike Weißapfel

Routinierter Brücken-Aufbau an der A10

„Lieber beim ersten Teil eine halbe Stunde lang und dafür richtig aneinander“, bestätigt Rico Zinke. Für den Projektleiter von Janson Bridging ist so ein Einbau alltägliches Geschäft. Er kommt aus Emmerich am Rhein und ist mit seinem Team bundesweit und oft an den Wochenende unterwegs, weil für den Brückenaufbau meistens Sperrungen nötig sind. Nach Birkenwerder sind fünf Kollegen mitgereist. „Das ist schon ein größeres Projekt“, sagt er. „Aber wir überbrücken auch Strecken von 800 Metern.“

Keine Maßanfertigung für Birkenwerder

Die Brücke ist keine Extraanfertigung für Birkenwerder: Bei Janson Bridging in den Niederlanden liegen Module gerade bis zu dieser Länge von gut 40 Metern parat und werden jeweils wiederverwendet, sobald die endgültige Brücke steht. Für die Kranarbeiten ist die Firma Thömen bereits seit Freitagabend vor Ort.
Die Brücke verläuft nur wenig entfernt von der Bundesstraße 96. Vier Module ergeben eine zehn Meter breite Fahrstraße, jeweils nur eine Spur pro Richtung, so Kulawiak. Daneben wird ein Fuß- und Radweg montiert.

Abriss an der Bundesstraße 96 folgt

Befahrbar ist die neue Brücke zurzeit noch nicht. Etliche Erdbauarbeiten sind noch zu machen, die Behelfsstraße muss richtig angeschüttet und aufgebaut werden. Zuletzt kommen Beschilderung und Fahrbahnmarkierung. Das geschieht in den kommenden Wochen. Sobald die Behelfsbrücke freigegeben ist, gibt es wieder eine wochenendliche Sperrung der Autobahn - für den Abriss der alten B-96-Brücke. In 14 Tagen ist auch an die Fußgängerbrücke an der Fichteallee an der Reihe.

Update: Die Baumaßnahmen konnten schneller beendet werden als gedacht. Seit Samstagnacht, 5. September, ist die Vollsperrung der A10 aufgehoben.