Die Posse um den Schluß-Strich hat mittlerweile zwei Fernsehteams angelockt. Am Mittwoch interviewte der RBB Henning Schluß. Am Donnerstag kam Sat.1 für einen Bericht des Frühstücksfernsehens. Befragt zu der Aktion wurden Gero Gewald und Tobias Fiedler als Mitglieder des Jugendbeirats. Ober er zivilen Ungehorsam befürworte, wollte der Fernsehredakteur von Gero Gewald wissen. Der Student antwortete in die Kamera, dass er die Aktion gutheiße, weil damit mehr Sicherheit an der gefährlichen Stelle erreicht wurde. Anschließend befuhren die beiden Beiratsmitglieder die Stelle unter dem Louise-Henriette-Steg mit am Körper angebrachten Kameras. Ein Angler, der gerade das Havelufer verließ, rief währenddessen im Vorbeigehen: "Geht’s um den Strich? Den hätte ich für 15 Euro weggemacht." Wann gesendet wird, stand am Donnerstag noch nicht fest.
Ganz ausgestanden ist die fernsehtaugliche Pinselstrich-Geschichte offenbar noch nicht. Er habe unter Vorbehalt gezahlt und den Rechnungsbetrag der von der Stadt beauftragten Firma bezweifelt, sagt Schluß. Darin sei für einen Quadratmeterpreis (ohne Mehrwertsteuer) von 19,50 Euro eine "Asphalt- und Betonflächenreinigung" auf 16 Quadratmetern Fläche berechnet worden. Selbst bei einer großzügigen Rechnung ergebe sich für den 16 Meter langen und elf Zentimeter breiten Streifen aus weißer Wandfarbe inklusive möglicher Farbkleckse eine Fläche von vier Quadratmetern, so Schluß. "Offenbar wurden Längenmeter in Quadratmeter umgewandelt." Anfahrtpauschale und Mehrwertsteuer eingerechnet, dürfte die Rechnung höchstens 164 Euro betragen, hat Schluß ausgerechnet.
Zu viel bezahlt?
Schluß würde nun gern wissen, ob die von der Stadt für solche Reinigungsmaßnahmen regelmäßig beauftragte Firma auch in anderen Fällen überhöhte Rechnungen gestellt hat. Eine Antwort darauf gibt es von der Stadtverwaltung bislang nicht.
Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos), der wenig erfreut über die illegale Aktion von Henning Schluß war, empfahl Nachahmern immerhin, für solche Aktionen Flüssigkreide zu verwenden, die mit dem nächsten Regen verschwindet. Doch auch das sei nicht erlaubt. Schluß war davon ausgegangen, dass seine Wandfarbe Regen nicht standhält. Ein teurer Irrtum, der immerhin dazu geführt hat, dass die von der Stadt lange Zeit versäumte Fahrbahnmarkierung mitsamt Richtungspfeilen offiziell aufgetragen wurde.

Spenden für die Schluß-Rechnung


Die Schluß-Rechnung wurde von einem Immobilienunternehmer beglichen. Gleichzeitig hatte die Oranienwerk-Gaststätte "Kellerkind" eine Online-Spendenplattform eingerichtet, um die Rechnung über 422 Euro auszugleichen. Dabei kamen 210 Euro zusammen. Das Geld soll an die Spender zurückgehen oder für die Reparatur des kostenlos ausleihbaren Lastenfahrrads, das eine neue Beleuchtung benötigt, Jette verwendet werden.

Zu den Spendern gehörten unter anderem der Linke-Fraktionsvorsitzende Ralph Bujok und die ehemalige Vize-Bürgermeisterin Kerstin Kausche.