Dann sollte es "was mit Tieren" sein, egal, ob mit großen oder kleinen. Nicht im Tierpark fing der Sachsenhausener Uwe Gerber also am 1. September 1973 an, sondern er begann in Hohen Neuendorf in der VEB Forschungsstelle für Bienenwirtschaft eine Ausbildung als Imkerfacharbeiter. Ein bisschen Erfahrung mit Bienen brachte er  mit, allerdings negative. Mit seinem Vater hatte er einmal einen Bienenschwarm eingefangen. "Das war mein erstes Volk. Einer aus dem Oranienburger Imkerverein gab mir einen Bienenkasten, und ich habe ihn im Fahrradschuppen aufgestellt. Aber ich hatte noch keine Ahnung von der Haltung. Leider ging das Volk im Jahr darauf ein." Aber so viel wusste er da schon: Angst vor den Bienen und vor möglichen Stichen hatte er keine. "Das wissen die Bienen auch", ist er sicher.
46 Jahre an derselben Stelle in Lohn und Brot zu sein, lediglich unterbrochen von der Militärzeit, ist eine selten gewordene Erwerbsbiografie. Doch hat sich sein Betrieb gründlich gewandelt, und Uwe Gerbers Arbeit auch. Zwei Jahre dauerte die Ausbildung zum Imkerfacharbeiter. Anfangs arbeitete er direkt mit den Völkern bei seinem Lehrmeister Werner Blomberg, betreute die Bienen, lernte dazu die Theorie im Internat bei Schwedt, bekam im Betrieb den Führerschein. 1981 machte er seinen Imkermeister, an der Kreisvolkshochschule gab er Lehrgänge für Hobbyimker.
Auch den Umgang mit der Säge hat Gerber gelernt, im Winter gab es immer was zu reparieren. Heute leitet er die moderne Werkstatt, ist für Modellbau ebenso zuständig wie für Honigschleuderung, die Sicherheitsbelange der Labore im Institut sowie für Botengänge – eine Art "Hausmeister de luxe", sagt er lachend.
Von der Biene zur Technik
Zwischendurch habe er durchaus mal daran gedacht zu wechseln, erzählt Gerber. Nach der Armeezeit hätten sie ihn 1978 gerne bei der Polizei behalten. Eine Stockluftallergie durch die Arbeit im Bienenwagen bekam er auch. Aber sein damaliger Chef Herbert Westphal bat ihn zu bleiben, und so blieb er. Nach der Wende wurde das Institut formal neu ausgerichtet. Alle Kräfte bekamen Aufhebungsverträge. Wieder überlegte Gerber. Dann bewarb er sich: nicht als Imker, sondern als Institutstechniker.
"Das Miteinander war früher stärker, der Zusammenhalt untereinander größer", überlegt Uwe Gerber rückblickend. Aber es könnte auch ein wenig daran liegen, dass sie alle jung waren damals, dass er seine Frau Heike, die ebenfalls Imkerin ist, im Institut kennengelernt hat und dass die Arbeit im Sommer auch Abenteuer bedeutete. Mit den Bienenwagen ging es mit einem Kollegen raus nach Vehlefanz ins Obst oder in den Raps und in die Robinien Richtung Prenzlau oder Werneuchen. Auf den Feldern fühlten sich nicht nur die Bienen frei. An die Nächte am Lagerfeuer und mit Schlafsack auf der Liege im Bienenwagen erinnert sich Uwe Gerber gerne. "Abends sprangen wir mal in den See. Ein richtiges Vagabundenleben, einfach, aber schön."
Mit 63 Jahren und acht Monaten ist für ihn nun auf eigenen Wunsch Schluss. Sein Nachfolger als Leiter in der Werkstatt steht mit Mario Neumann schon fest. Der freut sich zwar über seinen Aufstieg, aber gar nicht so darüber, dass Uwe Gerber geht. Seit vielen Jahren bilden die beiden ein Team. Mario Neumann hat genau wie Gerber damals im Institut den Beruf des Imkers erlernt, aber in den 1980er-Jahren. Zum 1. Februar wird im Institut daher ein neuer Tierwirt, Fachrichtung Imkerei, wie der Beruf heute heißt, gesucht. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis Ende November.
Uwe Gerber wird den Bienen treu bleiben, den eigenen, zu Hause. Zehn Völker hält er im heimischen Garten. Seine Frau ist ja auch vom Fach, aber sie hält sich da zurück. Für Sport und Angeln im Oranienburger Verein soll nun Zeit sein, und natürlich für die zweijährige Enkelin Nala.
"Ich hab mir das verdient. Ich freue mich", sagt der freundliche Mann mit dem Ohrring entschlossen. Dann kommt er aber doch ein bisschen ins Grübeln, wenn er Donnerstag denkt, an den Abschied von den Kolleginnen und Kollegen. "Naja, vielleicht gehe ich doch mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es war spannend und hat Spaß gemacht. Es war schon richtig, dass ich immer hier geblieben bin."

Länderinstitut für Bienenkunde


Seit 1952 wird in Hohen Neuendorf an und mit der Biene gearbeitet. Damals war es die Abteilung "Bienenkunde und Seidenbau" des Instituts für Geflügel- und Kleintierzucht an der Humboldt-Universität.

Heute ist das Länderinstitut für Bienenkunde eine an der Praxis orientierte Forschungseinrichtung, die von den Bundesländern Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Berlin getragen wird.

Schwerpunkte der Arbeit sind Zucht und Verhalten der Honigbiene, molekulare Mikrobiologie und Bienenkrankheiten sowie Honiganalyse und Bestäubung. Zudem finden Fortbildungen für Imker statt. Etwa 40 Mitarbeiter, Doktoranden und Studenten arbeiten dort. hw