Das Quintett soll im vergangenen Jahr in mehrere Sparkassen in Oranienburg, Hennigsdorf und Leegebruch eingebrochen sein, ebenso in die Oranienburger Volksbank-Filiale, in die Dekra-Niederlassung in der Kreisstadt und vier Mal in den Bötzower Netto-Markt. Aus Münzautomaten der Sparkasse sollen sie fast 7 000 Euro gestohlen haben, aus den Netto-Märkten meist Alkohol und Zigaretten. Nach einem Einbruch in Bötzow waren drei Angeklagte am 10. August vergangenen Jahres festgenommen worden - darunter der Hauptangeklagte Karsten J. aus Velten.
Der 29-Jährige ist der einzige, der an allen Einbrüchen beteiligt gewesen sein soll. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft ist J. auch der Kopf der Bande. Der Veltener räumte zwar ein Großteil der Einbrüche am Mittwoch vor dem Landgericht Neuruppin ein, wies den Vorwurf der Bandenbildung aber zurück. Sein Anwalt Thomas Benneke erklärte, den Einbrüchen seien spontane Verabredungen vorausgegangen.
Dies bestätigten auch drei weitere Angeklagte, die berichteten, sich oft erst am Tatort kennengelernt zu haben, einige wollen sich sogar das erste Mal erst vor Gericht gesehen haben. André K. aus Velten, der nach eigenen Angaben an Einbrüchen in die Sparkassen in Oranienburg, Hennigsdorf und Leegebruch sowie bei der Dekra beteiligt war, berichtete, er habe vor den Beutezügen mit Karsten J. zu Hause reichlich Bier getrunken und Drogen konsumiert. Der Tatentschluss sei im Rausch entstanden. Dann hatten sie Heinz-Hans G. aus Oranienburg angerufen. Der 51-Jährige war zwar offenbar nur als Fahrer vorgesehen gewesen, weil André K. in einer Nacht mit vielen Einbrüchen aber irgendwann in Angst und Panik verfiel, hatte G. dann J. beim Aufbruch von Fenstern und Türen geholfen, André K. nur noch Schmiere gestanden. Die beiden Helfer gaben an, an der Beute kaum beteiligt worden zu sein. Sie hätten aber auch kein Geld verlangt. Heinz-Hans G. sagte, er bereue seine Taten. Damals sei er frustriert über seine lange Arbeitslosigkeit gewesen und habe sich hinreißen lassen. Inzwischen habe er sich um Arbeit bemüht und auch einen Job bekommen. Karsten J. wollte am Mittwoch zunächst nicht sagen, wo die Beute geblieben ist. Später ließ er über seinen Anwalt ausrichten, dass das Geld in den Kauf von Alkohol, Kokain und Speed geflossen sei. Außerdem habe er viel Geld an Spielautomaten verzockt.
Zum Prozessbeginn erneuerte Karsten J. seine bereits vor einer Woche vorgetragene Kritik an den Haftbedingungen in der Justizvollzugsanstalt Wulkow. Dort würden vertrauliche Telefongespräche abgehört und Briefe von Gefangenen geöffnet. Außerdem würden immer wieder elektronische Geräte von Häftlingen verschwinden. Auch 10 000 Handtücher seien spurlos verschwunden. J. ist inzwischen gegen seinen Willen nach Brandenburg/Havel verlegt worden.