Zurück zum Jahresempfang: Dass sich der Landrat blicken ließ, war durchaus besonders. Und natürlich musste er über den die Gemeinde seit Jahren beschäftigenden Schulwunsch reden. Als Argumention gegen eine weiterführende Schule in Oberkrämer wurden bisher immer Kapazitätserweiterungen der Schulen in Velten und Hennigsdorf vorgetragen. Die zusätzlichen Schulklassen kämen auch der Nachbarkommune zugute.
An dieser Begründung hält Ludger Weskamp weiterhin fest. Veltens Schulen (Zürner-Oberschule, Bollhagen-Gymnasium) seien für Kinder und Jugendliche aus Oberkrämer gut zu erreichen, sagte er. Als wohnortnah bezeichnete er einen Schulweg von zwei bis vier Kilometern. Dieser könne "schnell und unkompliziert" zurückgelegt werden. "Velten könnte dabei ein Schulzentrum werden." Momentan gebe es drei Züge im Bestandsgebäude, nach der Erweiterung kämen vier weitere im Neubau hinzu. Kreissprecherin Ivonne Pelz bestätigte die Pläne am Dienstag auf Nachfrage: "Wenn sich die tatsächlichen Schülerzahlen entsprechend entwickeln, könnte die Barbara-Zürner-Oberschule aufgrund dieser räumlichen Kapazitäten zu einer Gesamtschule ausgebaut werden. Zudem bietet der neue Standort der Oberschule genug Platz für eine entsprechende Erweiterung." Der Neubau werde gerade "intensiv vorbereitet", die konkrete Ausgestaltung des Gebäudes geprüft.
Die in Aussicht gestellte gymnasiale Oberstufe erfreut Mandy Krenz, die sich seit knapp drei Jahren für eine bessere Beschulung der Kinder in Oberkrämer stark macht. "Ich finde diese Entscheidung richtig, da ich an unsere Kinder denke und immer noch die Anforderung der Eltern von der Podiumsdiskussion nicht vergessen habe", teilt sie in einer Stellungnahme mit. Die von Weskamp geäußerten Pläne entsprächen dem Konsens der Diskussionsrunde im Mai 2018.
Die Linke warf Mandy Krenz dabei oft vor, ihren eigentlichen Weg – eine Schule in der Gemeinde – verlassen und das Ursprungsziel aus den Augen verloren zu haben. Krenz fragt: "Was nützt es, in Oberkrämer eine zweizügige Oberschule zu errichten? Nur für den Standortvorteil? Nur, damit ein Ortsteil sagen kann, wir haben eine Schule und unsere Kinder haben keinen Fahrtweg? Was ist mit den Kindern aus den anderen Ortsteilen? Für diese Kinder änderte sich nichts!" Eine Gesamt­schule in Velten sei die "beste Lösung".
Nun wollen sie und die Wählergemeinschaft "Bürger für Oberkrämer" verstärkt den öffentlichen Nahverkehr angehen, "sodass gewährleistet wird, dass allen Kindern die Möglichkeit gegeben wird, die Wunschschule auf kurzen, nicht umständlichen Wegen zu erreichen."
Wenig überraschend ist eine weitere Reaktion: Nicht so euphorisch ob der Ankündigung des Landrates ist die Linke. "Für die Ortsteile Bötzow und Marwitz mag diese Lösung funktionieren. Es gibt aber noch Eichstädt, Vehlefanz, Neu-Vehlefanz, Bärenklau und Schwante", gibt der Ortsvereinsvorsitzende Sebastian Wolf zu bedenken. "Für diese Ortsteile wäre eine weiterführende Schule in Oberkrämer die bessere Lösung." Er weist vor allem darauf hin, dass die 12-000-Einwohner-Gemeinde bis 2030 wohl weitere 1 000 Bewohner zu verzeichnen haben werde, und sich das "zum Großteil im nördlichen Teil Oberkrämers abspielen wird", sagt Sebastian Wolf.

Kleine Schulstandorte sind "nicht sachgerecht"


Die Linke blitzte 2019 mit der Idee ab, für 15 Millionen Euro eine Zürner-Filiale in Vehlefanz zu planen. Kreissprecherin Ivonne Pelz bezeichnet die Schaffung kleiner Schulstandorte als "nicht sachgerecht". "Stattdessen sollten Kapazitäten gebündelt und Synergien ermöglicht werden – wie es beim Bau der Zürner-Schule und dem benachbarten Bollhagen-Gymnasium der Fall sein kann." win