Zum ersten Mal in Oberhavel ist ein Bürgermeister von den Einwohnern abgewählt worden. Die Erleichterung nach der Bekanntgabe des vorläufigen Ergebnisses war vielen Gemeindevertretern, die die Auszählung im Rathaussaal verfolgt hatten, anzusehen. "Der Spuk ist vorbei", sagte Torsten Werner (Grüne) kurz vor 19 Uhr, als auch das Quorum erreicht war. Es mussten mindestens 1 633 Einwohner für die Abwahl stimmen, damit der Bürgerentscheid gültig ist. Die Wahlbeteiligung lag bei 49,1 Prozent und damit höher, als von vielen erwartet.
"Das ist eine klare Aussage der Bürgerinnen und Bürger von Birkenwerder", bewertete Gemeindevorsteherin Kerstin Villalobos (SPD) das deutliche Ergebnis. "Jetzt steht Birkenwerder vor einem Neuanfang." Peter Lig-ner (Linke) zeigte sich positiv überrascht von der guten Wahlbeteiligung. Der frühere Gemeindevorsteher Heiko Friese (SPD), der lange Zeit Hagen zur Seite gestanden hatte, räumte am Abend seinen Irrtum ein. "Es war nicht gut für Birkenwerder, den Bürgermeister zu wählen und ihn so lange gewähren zu lassen." Friese war gegen Ende der vergangenen Legislaturperiode zurückgetreten, nachdem er einen Brief der Kommunalaufsicht einige Tage zurückgehalten hatte.
Jörg Ackermann (IOB) bewertete die deutliche Abwahl als einen fraktionsübergreifenden Erfolg. "Jetzt gilt es, gemeinsam weiter für Birkenwerder zu arbeiten", appellierte er an seine Mitstreiter, im bevorstehenden Bürgermeisterwahlkampf nicht wieder alte Gräben aufzureißen.
Die Wahl eines neuen Bürgermeisters von Birkenwerder findet voraussichtlich zwischen März und Juni statt. Ein genaues Datum steht noch nicht fest.
Die Gemeindevertretung trifft sich am Mittwoch zu einer internen Runde , um den Ausgang des Bürgerentscheids zu diskutieren und um das weitere Vorgehen zu beraten. Hagen war am Abend für einen Stellungnahme telefonisch nicht zu erreichen.