Um weitere Schäden zu verhindern, soll die Biberfamlie nun ausgetrickst werden. Die Gemeindeverwaltung und der für die Briese zuständige Wasser- und Bodenverband "Schnelle Havel" haben sich am Dienstag vor Ort darauf geeinigt, einen sogenannten Biber-Täuscher in den Damm zu legen. Das ist ein Rohr, das unter dem Damm durchgeführt wird. Es ist zwischen zehn und fünfzehn Meter lang. Damit Schwemmgut den Durchfluss nicht behindert, wird das Rohr seitlich geschlitzt und vorne verschlossen. Noch diese Woche soll ein entsprechender Eilantrag bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises gestellt werden. Erste Vorgespräche gab es bereits. "Wir hoffen, dass das klappt", zeigt sich Bürgermeister Stephan Zimniok (BiF) zuversichtlich.
Das meint der Verwaltungschef sogar in doppelter Hinsicht. Zum einen hofft er auf die Genehmigung für den Eingriff in die Natur, zum anderen hofft er, dass der Biber den Trick nicht durchschaut. "Es gibt schlaue Tiere und weniger schlaue Tiere", bestätigt Verbandsingenieur Bernhard Meinke. Manchmal würden die Nager auch das Rohr verbauen, anstatt wie Sisyphos ständig den Deich weiterzubauen, weil der gewünschte Wasserstand nicht steigt. Andere Tiere würden einfach an anderer Stelle einen neuen Damm bauen. "Ein Allheilmittel ist das nicht immer. Wir müssen es einfach ausprobieren", so Meinke. Beim bislang einzigen Biber-Täuscher im Verbandsgebiet in der Schorfheide hat der Trick funktioniert. Wenn der Versuch, sollte er denn genehmigt werden, scheitert, wollen der Wasser- und Bodenverband und die Gemeinde nach anderen Lösungen suchen.
Überlegungen, die Tiere einzufangen und umzusiedeln, wurden allerdings schon verworfen. "Dann kommt schnell ein neues Tier, besetzt das freie Revier und gründet wieder eine Familie"", erklärt Hilmar Schütte vom Umweltamt der Gemeinde.
Um das Rohr mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern verlegen zu können, muss der Biberdamm allerdings zerstört werden. Die entnommenen Äste werden nach der Maßnahme aber wieder von Menschenhand aufgestapelt. "Wenn wir morgens anfangen, kann der Biber abends schon mit den Reparaturarbeiten beginnen", so Meinke.

Verständnis für die Maßnahme

"Material kann er sich von meinem Grundstück holen", sagt Gemeindevertreter Peter Ohme (pro Birke), der in unmittelbarer Nähe zum Damm wohnt. Bereits jetzt seien 90 Prozent des Japanischen Riesenknöterichs, der an eine Bambuspflanze erinnert, auf seinem Grundstück vom Biber verputzt worden. Er hat sogar Videoaufnahmen davon. Ohme und seine Nachbarn beobachten die Tiere fast jeden Abend. Sie sind stolz darauf, dass die Nager in der Briese leben. Ohme zeigt aber auch Verständnis für die geplante Maßnahme. "Da bin ich Pragmatiker", sagt er angesichts der Folgen für den Boddensee und für den Unterlauf der Briese. Langfristig könnten zum Beispiel die geschützten Orchideenwiesen, die ohnehin unter dem Wassermangel leiden, in Gefahr sein.
Bürgermeister Zimniok betont, dass nicht geplant sei, die Briese zu einer biberfreien Zone zu machen. Denn grundsätzlich seien die Biber in Birkenwerder willkommen, solange sie keine größeren Schäden anrichten. Das könnte derzeit am Boddensee durchaus passieren. Das Wasser steht bereits höher als die tragenden Teile der beiden Brücken am Zulauf. Um das Verständnis für das Biotop Briese zu fördern, bereitet Hilmar Schütte ein kleines Porträt des Baches vor. Darin will er erklären, wie sensibel das Fließgewässer ist, welchen Schutz es benötigt und welche Tiere und Pflanzen darin leben. Wann der Vortrag gehalten wird, steht noch nicht fest.
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