Nach fünf Stunden akribischen Nachfragens durch den Richter, den Staatsanwalt Benjamin Besson und auch durch den Anwalt von Aaron B., Detlef Knobloch, war das Ergebnis ziemlich eindeutig.
Der Angeklagte selbst sagte am Dienstag kein einziges Wort. Er saß in T-Shirt und blauer Weste mit Kapuze die ganze Zeit auf seinem Platz neben seinem Anwalt. Er verfolgte zwar alles aufmerksam, doch er verhielt sich so, als ob ihn das alles nichts anginge. Selbst, als ehemalige Freunde und Bekannte nur wenige Schritte entfernt auf dem Zeugenstuhl vor ihm saßen,  ließ er nicht erkennen, wie es ihm geht und was in ihm vorgeht. Nur mit seinen Füßen wippte er ab und zu aufgeregt. Doch der zweite Prozesstag ging an ihm ohne sichtbare Spuren vorüber, obwohl die Beweislast gegen ihn schwer wiegt und sich die Schlinge immer weiter zuzieht.
420 000 Euro Gesamtschaden verursachte das Feuer in dem historischen Reihenhaus in der Ruppiner Straße. Der Dachstuhl und eine Wohnung brannten völlig aus, Löschwasser, Rauch und Ruß vernichteten die anderen vier Wohnungen. Menschen kamen durch den Brand nicht zu schaden. Doch die fünf Katzen (zwei eigene und drei aus dem Tierheim zur Pflege) eines Mieters überlebten nicht, sie erstickten, wie der betroffene Mieter Marc K. vor Gericht erläuterte.
Gleich zu Beginn des Prozesses belastete Celina B. den Angeklagten schwer. Gemeinsam mit ihrem damaligen Freund Stefan W. hatten sie Aaron B. nach dem Brand angeboten, vorübergehend bei ihnen in Liebenwalde wohnen zu können. Sie hatten über die sozialen Netzwerke von dem Feuer erfahren und wollten ihm helfen. Stefan W. kennt den Angeklagten seit Jahren und bezeichnete ihn am Dienstag "als Freund". Allerdings schmiss die 21-jährige Celina B. den Gast bald wieder aus der Wohnung. Es sei zum Streit gekommen, weil der Angeklagte gekifft habe, obwohl sich das Kleinkind der 21-Jährigen in der Wohnung befand. Die Situation eskalierte. Schließlich hatte er "mich hämisch angegrinst und gefragt: Rate mal, wer das in Kremmen war?" Als er dann mit einem Feuerzeug und einer offenen Flasche mit Desinfektionsmittel hantiert habe, musste Aaron B. die Wohnung verlassen. "Er war nicht normal, führte Selbstgespräche, hat Dinge gesehen, die nicht da waren", sagte die 21-Jährige.
Weitere Zeugen erhärteten den Verdacht, dass Aaron B. öfter mal wie weggetreten wirkte, was vermutlich an seinem Drogenkonsum gelegen haben könnte. Auch am Tattag habe er sich auffällig verhalten, sei mit verrußten Händen und schwarzem Gesicht aus dem Haus gekommen. Eine Brandwunde am linken Arm behandelten Sanitäter vor Ort.
Die Polizei hatte den 27-Jährigen schnell als Tatverdächtigen im Visier, verhaftete ihn zeitnah. Schon einmal, im November 2017, hatte die Polizei wegen selbst gebastelter Pryotechnik gegen ihn ermittelt. Noch am Brandtag ließen die Ermittler Aaron B. jedoch wieder gehen. Vor Gericht erläuterten mehrere Beamte, dass sich der Anfangsverdacht nicht bestätigt hatte, weil die Feuerwehr wegen eines Brandherds im Keller nicht von Brandstiftung ausgegangen sei.
Sie hatte sich allerdings geirrt, wie Brandexperte Jörg Tischler von der Neuruppiner Kripo nachweisen konnte. Für ihn galt es am Dienstag als erwiesen, dass es "mindestens zwei Ausbruchsstellen" im Haus gegeben hatte: am oberen Teil der Treppe und an der Tür des Angeklagten. Vermutlich seien zudem ein Autoreifen im Flur und einige elektrische Geräte im Keller vorsätzlich angesteckt worden, so Tischler. Das Feuer im Keller habe allerdings "mit dem Dachstuhlbrand nichts zu tun", so Tischler.
Der Angeklagte Aaron B. nahm alles zur Kenntnis, ließ sich unbeteiligt die Handschellen anlegen und wieder in U-Haft abführen, in der er seit 19. September sitzt. Der Prozess geht am 20. November weiter.

Lange Haftstrafendrohen


Bei schwerer Brandstiftung droht dem Angeklagten eine lange Haftstrafe. Das Höchstmaß liegt bei 15 Jahren.

Aaron B. sitzt seit 19. September in Untersuchungshaft in Wulkow (Ostprignitz-Ruppin).

Vermutlich wird am 20. November das Urteil verkündet. bu