Ein lauter Knall, und die S-Bahn stoppt mitten auf der Brücke. Eine Baustellenlampe stand dicht an den Gleisen. „Es kam zu einem Kurzschluss“, bringt Havellandautobahn-Geschäftsführer Dr. Thomas Stütze in Erfahrung, und da habe der Zugführung schnell reagiert und die Bahn vorsichtshalber gestoppt.
Unter Vollsperrung der A 10 zwischen den Abfahrten Mühlenbeck und Birkenwerder sind am Sonntag die beiden Fernbahngleise erneuert worden. Fahrgäste hätten den unfreiwilligen kurzen Aufenthalt sicher gerne genutzt, um die Großbaustelle durchs Fenster zu betrachten, allerdings stand „Werkstattwagen“ am letzten Waggon, also saßen vielleicht keine darin. Nach ein paar Minuten setzt sich die S-Bahn wieder in Bewegung.

Das Widerlager erweist sich als widerspenstig

Auf der Baustelle geht es routiniert zu. Mehrere Bagger arbeiten dicht nebeneinander, gelegentlich staubt es vor lauter Bauschutt. Gegen Mittag scheint es schwer vorstellbar, dass am Montag dort wieder Tausende von Pendlern Richtung Berlin beziehungsweise in die Region unterwegs sein werden. Weil sich das alte Widerlager beim Abriss als widerspenstig erweist, dauert es am Sonntag bis in die Nachmittagsstunden, bis der 600-Tonnen-Kran das 225 Tonnen schwere Brückenteil von der Autobahn an seinen neuen Bestimmungsort schwenkt.

Die Brücke kommt an dieselbe Stelle

„Wir haben diese Baustelle schon vor einem Jahr eingerichtet“, sagt Björn Lindner, Leiter  für Betrieb und Erhaltung bei der Havellandautobahn-Gesellschaft. Während die alten Widerlager noch stehen, wurden die neuen daneben gebaut, denn dies wird keine Behelfsbrücke an anderer Stelle wie bei der Bundesstraße 96 vor zwei Wochen, sondern es ist die künftige Brücke. Die neuen Gleise müssen also an dieselbe Stelle, an der die alten zuvor abgetragen wurden, genau passen. Am Wochenende sind nach der Erneuerung der Fußgängerbrücke an der Fichteallee nun von den insgesamt vier Gleisen die beiden Fernbahngleise an der Reihe, während die S-Bahn nebenan noch in Betrieb ist. Die Fernbahn soll ab dem 25. September wieder fahren.

Ein Schwerlastgerät transportiert das Gleis

Gleisbett und -schotter sind für den Einhub hergerichtet. Nun muss nur noch Platz geschaffen werden, damit das auf der Autobahn aufgestellte Gleis vom Ständer genommen und mittels SPMT-Transporter, einem vielrädrigen hydraulischen Schwerlastgerät, näher an den Riesenkran gefahren werden kann.
Auf der Baustelle haben sich ein paar Zaungäste versammelt, die gespannt auf den spektakulären Moment warten. Stefan Albrecht von „Albrechts beste Bilder“, der „Haus- und Hoffotograf“ der Havellandautobahn GmbH, wie er sagt, rückt mit so vielen Kameras und Stativen an, dass er sie lieber auf einer Sackkarre transportiert. Auch der Birkenwerderaner Peter Kleffmann ist da. Er beobachtet das Geschehen für die Bürgerinitiative A10-Nord und gleichermaßen als Hobbyfotograf.

Endlich hängt das Gleis am Haken

Gegen 15.30 Uhr ist es so weit. Das schwere Teil hängt an den Stahlseilen, Kameras und Handys sind gezückt. Die Arbeiten mit dem zweiten Gleis gehen in den nächsten Stunden pausenlos weiter. Montagfrüh sollen schließlich die Fahrbahnen freigeräumt sein.
„Dann ist hier erst einmal einige Wochen Ruhe“, sagt Björn Lindner. „Am 8. November sind die S-Bahn-Gleise dran.“