Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos) soll dafür sorgen, dass über 80 Jahre alte Bürger der Stadt schriftlich darüber informiert werden, wie sie an einen Impftermin gelangen. Das fordert der Landtagsabgeordnete Heiner Klemp (Grüne).

Kommunen können Meldedaten nutzen

„Die Stadtverwaltung hat im Gegensatz zur Landesregierung unmittelbaren Zugriff auf die Meldedaten der Einwohnerinnen und Einwohner Oranienburgs. Hohen Neuendorf hat es vorgemacht und in Eigeninitiative die besonders durch eine Coronavirus-Infektion gefährdeten älteren Menschen per Briefsendung über die Vorgehensweise für einen Impftermin informiert“, so Klemp. Ein solches Engagement könne helfen, möglichst viele Menschen dieser Risikogruppe zu impfen. Es stünde „Oranienburg als Kreisstadt ebenfalls gut zu Gesicht.“

Reaktion auf Kritik von Senioren

Der in Lehnitz lebende Landtagsabgeordnete reagiert mit seinem Appell auch auf die in der vergangenen Woche laut gewordene Kritik am Vorgehen Brandenburgs, Senioren nicht einzeln per Post zu informieren, wie es etwa in Berlin gemacht wird. „Anders als in Berlin hat das Land schlicht die Meldedaten nicht, die Städte und Gemeinden aber schon“, erklärt Klemp, der kommunalpolitischer Sprecher der Bündnisgrünen im Landtag ist. „Die Kommunen sind wichtige Partner, was die Eindämmung der Pandemie angeht – und können dies auch bei der Information der Betroffenen über die Vergabe von Impfterminen sein.“

Laesicke wartet noch auf nötige Informationen

Die Rathäuser von Hohen Neuendorf und Birkenwerder hatten hatten vor einigen Tagen bereits Briefe an ihre Senioren angekündigt. Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke indes zögert noch: „Natürlich unterstützen wir da, wo es sinnvoll und möglich ist. Noch gibt es aber etliche offene Punkte, zum Beispiel bei der Frage nach Fahrdiensten zu den Impfzentren für Menschen, die selber nicht zur Eigenanreise in der Lage sind.“ Erst wenn die Informationen „vollständig und verbindlich vorliegen, macht ein Schreiben aus unserer Sicht Sinn, um nicht eher noch zur Verwirrung beizutragen“, erklärte er am Montag in einer Stellungnahme zur Forderung Klemps. Gleichwohl prüfe die Stadtverwaltung, wie sich ein solcher Briefversand administrativ umsetzen ließe.

Vergabehotline oft nicht zu erreichen

In der vergangenen Woche hatte bereits der Oranienburger SPD-Landtagsabgeordnete Björn Lüttmann Probleme bei der Terminvergabe eingeräumt. Er hatte das Land aufgefordert, die Senioren direkt zu informieren. Zudem kritisierte Lüttmann es als ungünstig, dass für die Impfterminvergabe die Notrufnummer des Kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes genutzt werde. Diese ist seit Anfang vergangener Woche oft nicht erreichbar.

Impfzentrum eröffnet in der Turm-Erlebniscity

In Oranienburg soll am 21. Januar – und damit drei Tage später als ursprünglich geplant – ein Impfzentrum in der Turm-Erlebniscity eröffnet werden. Termine werden ab diesem Montag unter 116117 vergeben. Da zunächst nur begrenzte Impfstoffmengen zur Verfügung stehen, können nicht alle Menschen sofort geimpft werden. Vorrang haben besonders gefährdete Menschen – darunter Personen im Alter von 80 Jahren und darüber.
Mehr Informationen zur Impfstrategie und zur Vergabe der Termine gibt es unter www.brandenburg-impft.de.
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