Wie kommen Senioren, die nicht mehr zwingend auf die eigenen Fahrkünste oder die Verwandtschaft hoffen können, zum Termin in ein Impfzentrum? Mitunter ist das eine kaum lösbare Aufgabe. In Kremmen machte Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) den Fahrdienst für eine verdiente Einwohnerin nun zur Chefsache.
Wie es zu eben dieser Chefsache kam, teilt Andrea Busse aus der Touristeninformation mit. Ihr Wunsch: Dass diese kleine Geschichte eine Motivation älterer Mitmenschen gelesen wird, sich impfen zu lassen. Im Zentrum steht nicht nur der Rathauschef, sondern auch zwei engagierte Frau und eine Ehrenbürgerin.

Freundinnen wollten der Ehrenbürgerin helfen

Es beginnt mit einer Freundschaft: Die Leegebrucherin Heike Hille und ihre Mutter Charlotte Lehmann aus Kremmen sind mit Ursula Münchow befreundet. Die 99-Jährige ist keine Unbekannte in Kremmen. Anfang 2018 wurde sie auf dem Neujahrsempfang der Stadt als Ehrenbürgerin ausgezeichnet. Generationen von Schülerinnen und Schülern lernten bei ihr das Klavier- und Akkordeonspielen. Sie ist bescheiden – ein Porträt in der Zeitung wollte sie damals lieber nicht lesen.
Mittlerweile ist Ursula Münchow 99 Jahre alt. Heike Hille und ihre Mutter wollten ihr deshalb behilflich sein, den Weg zum Impfzentrum nach Potsdam – dort hatte die Ehrenbürgerin ihren Termin erhalten – zu erreichen. Das Problem: Auch Heike Hille ist nicht mehr die Jüngste. Also wandte sie sich an die Stadtverwaltung. Kremmen war die erste Kommune in Oberhavel, die einen Koordinationsservice für Impffahrten ins Leben rief. „Viele Fahrwillige haben sich auch bereits bei der Verwaltung gemeldet“, sagt Andrea Busse.

Busse macht die Fahrt zur Chefsache

In diesem speziellen Fall bot sich ein besonderer Freiwilliger an, die Ehrenbürgerin nach Potsdam zu fahren: Sebastian Busse. „Er machte es gleich zur Chefache und schuf Platz in seinem Terminkalender“, so Andrea Busse. Am Dienstag, 23. Februar, holte er Ursula Münchow um 11.30 Uhr ab und brachte sie nach Potsdam.
„Zuvor wurde geprüft, ob auch alle notwendigen Unterlagen dabei waren“, so Andrea Busse. „Darauf lächelte Frau Münchow schelmisch.“ Sie sagte: „Als Frau ist man doch auf alles vorbereitet.“ Auch bei ihrer Zweitimpfung wird die Ehrenbürgerin nicht allein gelassen: Busse versprach, die Fahrt ebenfalls zu übernehmen.
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