Kein Geld für Hundefutter? Banal? Keineswegs. Auch Tiere leiden unter Corona. Oft reicht das Wenige nicht mehr, um fällige Kredite zu bedienen. Andere stehen beschämt bei der Tafel an, weil seit Monaten im Job nichts mehr läuft. Notwendige Autoreparaturen werden immer wieder verschoben, obwohl man doch auf den Wagen angewiesen ist. Auch die Menschen fahren gefühlt auf Verschleiß. Künstler ohne Auftritte, die Miete schuldig, die Küchen bleiben kalt.

Hoffnung in der Not

Wie hinter einem dicken Tränenvorhang verbergen sich etliche ungeahnte Corona-Schicksale. Jeder einzelne für sich scheint klein, doch in der Menge, in der Vielzahl, sind sie erdrückend, geradezu niederschmetternd groß. Dennoch sind sie kaum bekannt. „Wird schon!“, heißt die hoffnungslose Formel, um sich keine Blöße zu geben. Dabei rückt die Aussicht auf Rettung oder Hilfe in immer weitere Ferne, je länger Corona wütet und das Normale lahmlegt, die Hoffnung auch. Gäbe es da nicht Menschen wie Martin Christopher. Der Name (von der Redaktion geändert) stimmt nicht. Aber der Mensch dahinter.

Soforthilfe, die ankommt

Martin Christopher bittet darum, anonym zu bleiben. So kann er sein Werk und sein Wirken ungestört fortführen. 100.000 Euro hat der Unternehmer aus Oberhavel locker gemacht, um Menschen zu unterstützen, die in den Corona-Strudel geraten sind, unverschuldet. Er gibt Geld an Brandenburger, die Not leiden. „Ich will ihnen schnell und unbürokratisch helfen“, sagt Martin Christopher. Dafür hat er im Sommer 2020 eigens den Corona Hilfeverein Neuendorf gegründet. Seit August erhalten immer sonntags zwei Corona-Gebeutelte eine Soforthilfe von Martin Christopher. Das macht er nicht persönlich. Um das Ganze in geordnete Bahnen zu lenken, hat er sich mit seinem Verein an Antenne Brandenburg gewandt.

Emotionale Telefonate

Bei dem Sender werden unter dem Stichwort „Wir halten zusammen!“ alle Vorschläge gesammelt, die dann bei Martin Christopher zur Auswahl auf dem Tisch landen. Immer freitags liest er sie durch und greift zum Telefon. Emotionale Höchstarbeit. „Meine Frau sagt Freitagabend immer, ich sehe total fertig aus.“ Sonntags sucht eine Reporterin oder ein Reporter von Antenne Brandenburg die Menschen auf, die eine Spende erhalten. Kurz wird das Schicksal angerissen, der Scheck überreicht. Nicht selten sind Tränen die Reaktion. Auch die Zuhörer müssen manchmal schlucken. Es könnte ja der Nachbar, Freund, Kumpel sein. Oder man hängt selbst ganz tief im Minus, das einem den Schlaf raubt.

Gelebte Nächstenliebe

Die kleinen Hörstücke im Radio lassen aufhorchen. Zeigen sie doch authentische Reaktionen, ohne schäbigen Voyeurismus. Menschen kommen zu Wort, die sonst nicht zu hören sind. Gelebte Nächstenliebe, das ist es, was Martin Christopher möglich macht. Zudem gibt er den Betroffenen ein Stück Würde zurück. Sechs Oberhaveler haben schon eine Spende erhalten. Unter ihnen eine Puppenspielerin aus Oranienburg, eine Töpferin aus Velten und eine Taxifahrerin aus Gransee.

Taxifahrerin aus Gransee ohne Aufträge

„Das vergangene Jahr war fatal“, sagt Katja Henning. Sie ist seit acht Jahren selbstständige Taxifahrerin in Gransee. Durch Corona sind fast alle Fahrten weggebrochen, zur Tagesklinik Gransee oder zum Flughafen zum Beispiel. „Es gibt auch keine Hochzeits- oder große Geburtstagsfeier, wo danach die Gäste ihre Wagen stehen lassen wollen“, sagt die 49-Jährige. Drei Fahrzeuge hat sie und die Kosten laufen weiter. „Versicherungen wollen ihr Geld, und es stand die Reparatur eines Getriebeschadens an.“ Als sich Martin Christopher bei ihr meldete, konnte sie es kaum fassen. „Das ist so eine tolle Sache.“ Die Spende beschreibt Katja Henning als „Punktlandung“, Corona als Katastrophe für kleine Unternehmer.

Viele Schicksale

Martin Christopher hat sich schon viele Lebensläufe angehört, die unverschuldet aus dem Tritt geraten. „Ich telefoniere mit jedem“, sagt der Spender aus Oberhavel. Was er zu hören bekomme, sei kaum auszuhalten manchmal, sagt er. Nicht selten fließen Tränen. „Das geht mir sehr nahe.“ Er erfährt von Solo-Selbstständigen, die kein festes Einkommen mehr haben, von Musikern mit Doktortitel, die sich kein warmes Essen mehr leisten können, von Kurzarbeitern, bei denen es vorne und hinten nicht mehr reicht. Alles hört er sich an und sagt hinterher: „Es ist unfassbar, dass so etwas im reichen Deutschland möglich ist.“

Aktion bis Ende März verlängert

Auch sein Unternehmen blieb von der Pandemie nicht verschont. Es gab weniger Aufträge, doch es gibt Rücklagen. Darauf greift er zurück, nicht nur für seinen Betrieb, sondern für andere. Mehr als 20 Menschen aus Oberhavel und anderen Orten Brandenburgs haben schon einen Briefumschlag von ihm erhalten, der dann immer sonntags vor offenen Mikrophonen der Antenne-Brandenburg-Reporter geöffnet wird. Bis Ende März hat Martin Christopher seine Aktion verlängert.

Start schon nach der ersten Corona-Welle

Der Unternehmer aus dem Mittelstand hat einen großen Bekanntenkreis. Viele kennen den über 70-Jährigen und umgekehrt. Mit Beginn der ersten Corona-Welle bekam er mehr und mehr mit, wie die Menschen um ihn herum in Schieflage gerieten. Als staatliche Hilfen für sie ausblieben, zu spät kamen oder zu gering ausfielen, reifte ein Plan in ihm. Er überlegte sich einen Weg aus der Misere, der „einfach und wirkungsvoll ist“, so Martin Christopher. „Ich habe im Leben gelernt, abzugeben und zu teilen, privat wie im Betrieb.“

Weitere Spender gesucht

Mittlerweile hat sich die Spenden-Aktion herumgesprochen. Es gibt andere, die auch in den Spendentopf des Corona Hilfevereins Neuendorf eingezahlt haben. „Mal sehen, was noch kommt“, sagt Martin Christopher und wie lange die Krise die Menschen noch verzweifeln lässt, wenn es beruflich und privat den Bach runtergeht.

Kontakt zum Corona Hilfeverein Neuendorf


Da der Spender aus Oberhavel anonym bleiben will, gibt es einen Kontakt nur um den Sender Antenne Brandenburg - Wir halten zusammen! Zusammen unterstützen sie Brandenburger in Not.

Menschen, die ganz schnell Hilfe brauchen, können dem Sender vorgeschlagen werden. Dafür gibt ein Kontaktformular auf der Internetseite www.antennebrandenburg.de.

Der Radiosender übermittelt die Angaben der vorgeschlagenen Personen an den Corona Hilfeverein aus dem Landkreis Oberhavel.

Wer über keine Internetverbindung verfügen, hat die Möglichkeit, Vorschläge über das Antenne Hörerservice-Telefon unter 0331 7098100 einzureichen. In diesem Fall trägt der Servicemitarbeiter stellvertretend für den Anrufer dessen Angaben in das Onlineformular auf ein.