Insgesamt sieben Schulen in Hohen Neuendorf, Birkenwerder, Kremmen und Oranienburg können sich ab dem Schuljahr 2017/18 "Schule für gemeinsames Lernen" nennen. Darunter ist auch die Waldgrundschule Hohen Neuendorf.
Den Brief mit der Zusage hat Schulleiter Holger Mittelstädt am Montag erhalten - und sich damit auch über die drei zusätzlichen Lehrerstellen gefreut, die er damit besetzen kann. Fortbildungen sind ebenfalls enthalten.
"Gemeinsames Lernen", das klingt für eine Schule zunächst einmal selbstverständlich, beinahe zu schlicht. Selbst der Flyer der Waldgrundschule scheint mit dem Motto "Gemeinsam leben, lernen, lachen!" schon konkreter zu sein. "Gemeinsames lernen" bezieht sich darauf, dass Kinder mit unterschiedlichen Begabungen und Unterstützungsbedarfen gemeinsam unterrichtet und dabei doch individuell gefördert werden können. "Oft zeigt sich dieser Bedarf nicht mit der Einschulung, sondern zwei, drei Jahre später", so Holger Mittelstädts Erfahrung. Begabungen und Schwächen stellen sich nach und nach heraus. "Wir schicken Kinder, die einen hohen Förderbedarf haben, nur in ganz seltenen Fällen an Förderschulen weiter, eigentlich nur dann, wenn wir deutlich den Eindruck haben, dass in Klassen mit wenigen Mitschülern besser auf sie eingegangen werden kann", so Mittelstädt. An der etwa 600 Schüler starken Grundschule sind zurzeit etwa 26 Kinder pro Klasse - der Durchschnitt liegt im Land Brandenburg bei 21.
Die Waldgrundschule hat sich als sportlich orientierte Schule profiliert, das heißt, jedes Jahr haben zwei der vier Züge eine besonders sportbetonte Ausrichtung. Zweimal ist sie als sportlichste Schule des Landes ausgezeichnet worden und war auch beim Landeswettbewerb "bester Lehrer" schon nominiert. Auf dem Schrank des Schulleiters stehen vier große Tafeln - symbolische Schecks von Zuwendungen. Die Schule hat die Gelder zu verschiedenen Anlässen erhalten. Dass die Waldgrundschule zu jenen gehört, die diese Profilierung gerne für sich mittragen wollen, verwundert nicht. "Wir sind eine Schule, die neuen Entwicklungen gegenüber immer aufgeschlossen ist", sagt Holger Mittelstädt. Mit einem achtseitigen, ausgearbeiteten Konzept hat sich die Hohen Neuendorfer Einrichtung um die Teilnahme beworben. "Stagnation ist gar nicht unsere Sache. Wir sind ein engagiertes Kollegium, das immer bestrebt ist, sich weiterzuentwickeln."
In jedem Jahrgang haben laut Mittelstädt einige Kinder einen besonderen Förderbedarf - ob sie Inselbegabungen für ein Fach haben, hochbegabt sind oder wegen Lernschwierigkeiten Unterstützung benötigen. Die drei zusätzlichen Pädagogen sollen ins übrige Kollegium integriert werden, indem sie beispielsweise auch Klassenleiter werden, oder auch Aufgaben eines Sonderpädagogen in kleineren Arbeitsgruppen oder über den regulären Unterricht anbieten, so Mittelstädt. Zwei Sonderpädagogen hat die Schule bereits. Die Förderung einzelner Schüler, die aber nicht aus der Klasse genommen werden, sei mit zusätzlichem pädagogischen Personal auch viel einfacher und flexibler zu gestalten als ein langsam anlaufendes bürokratisches Förderverfahren, das dem Kind außerdem noch eine Art Stempel aufdrücke, so Mittelstädt. "Wir freuen uns sehr darauf. Das ist besser für die Schüler." "Gemeinsames Lernen" stehe damit auch für Vielfalt an der Schule, ist er zuversichtlich, dass das Konzept Schülern wie Lehrern guttun wird.
127 Grundschulen-, aber auch weiterführende Schulen im Land, die sich darum beworben haben, sind für das Schuljahr 2017/18 Vorreiter für "Gemeinsames Lernen". Nach und nach sollen alle Schulen im Land dieses zeitlich nicht befristete Modell umsetzen und dafür auch mit nötigem zusätzlichen Personal ausgestattet werden.