"Mir wurde im November in der Stadtverwaltung eröffnet, dass der Mietvertrag für die Ortsteilbücherei aus Kostengründen zum 31. März 2013 gekündigt wird", sagte Ortsvorsteher Gerd Baer (parteilos). Er bedauere das Aus für die Einrichtung, die trotz mehrerer Umzüge für Lehnitz bisher habe erhalten werden können. Die Verwaltung habe aber zugesagt, einen mobilen Bibliotheksservice einzurichten, so dass Interessenten zu ihrer gewünschten Lektüre kämen.
Das setze allerdings voraus, dass der Medienbestand der Stadtbibliothek auch über das Internet abrufbar wäre. Das sei bis heute leider nicht der Fall, bemängelte der Stadtverordnete Heiner Klemp (Grüne). Er halte es insbesondere für die Lehnitzer Kita- und Schulkinder für ein großes Problem, wenn sie sich künftig nicht mehr vor Ort mit der Bücherei und dem frühen Lesen vertraut machen könnten, kritisierte Bodo Becker (SPD). Das Kostenargument lasse er nicht gelten. Denn eine Bibliothek rechne sich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nie.
Verständnis für die finanziell angespannte Lage der Stadt zeigte hingegen Richard Wienecke (SPD). Er sprach sich klar für die Schließung der Ortsteilbibliothek aus. Die Jahresmiete von 6 840 Euro sei angesichts der Finanzlage der Stadt zu teuer. Außerdem werde ja gerade für viel Geld eine neue moderne Stadtbibliothek errichtet, die für alle Leser noch bessere Möglichkeiten biete, so Wienecke.
Anke Michelczak, Amtsleiterin für Schule, Kita, Soziales und Sport, verwies ebenfalls darauf, dass der weitere Betrieb der Ortsteilbibliothek, die donnerstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet hat, unwirtschaftlich sei. Rund 140 Lehnitzer nutzten die Bücherei im Ortsteil, 180 bevorzugten aber schon jetzt die Hauptbibliothek an der Sachsenhausener Straße. Im Schnitt würden in Lehnitz 50 Ausleihen in der Woche registriert. Die Amtsleiterin betonte, dass die räumlichen und technischen Bedingungen in der neuen Stadt- und Kinderbibliothek, die derzeit gegenüber dem Schloss gebaut wird, "hervorragend sein werden". Ein Ausflug von Kita- und Schulkindern in die neue Einrichtung, die Anfang 2014 in Betrieb gehen soll, werde da zu einem richtigen Erlebnis.
Dennoch wollen einige Lehnitzer die Hoffnung noch nicht aufgeben, dass im Ort eine Bibliothek betrieben werden kann. "Wir können uns gut vorstellen, eine kleine Bücherei im Kulturhaus unter ehrenamtlicher Regie zu führen", sagte Rita Kunath, die Leiterin der Lehnitzer Kita. "Das würden wir sehr begrüßen", sagt Ulrike Hübner, die mit ihren Kindern Vanessa und Vincent zu den regelmäßigen Nutzern der Ortsteilbibliothek zählt. "Lehnitz ohne Bücherei können wir uns gar nicht vorstellen. Ich komme donnerstags meist direkt nach der Schule mit dem Fahrrad in die Bücherei. Die Tintenwelt-Bücher habe ich fast alle gelesen", sagt Vincent.