Den Diskutierenden war es besonders wichtig, mehr Teilhabe von Frauen in der Kommunalpolitik zu stärken. "Wir müssen eine Debatte über Zeitkultur führen," sagt Christiane Bonk. Da die häusliche Arbeit mehrheitlich von Frauen ausgeübt wird, falle es ihnen schwer, sich für dieses Ehrenamt einzusetzen. Es sei umso schwieriger, wenn Eltern dann noch einen Vollzeitjob ausüben. "Warum kann es keine berufliche Freistellung geben?", so die Gleichstellungsbeauftragte. "Frauen werden sowieso schon seltener als Männer befördert. Würde die Freistellung den beruflichen Aufstieg von Frauen dadurch nicht noch mehr verhindern?" fragt Julia Schmidt. Eher sei die Hinterfragung der 40-Stunden-Woche ein richtiger Weg. "Die körperliche Arbeit in Berufen wie in der Pflege – die im Übrigen auch mehrheitlich von Frauen ausgeübt werden – ist in der 40-Stunden-Woche viel zu viel. Nicht nur für die Familie, sondern auch für die körperliche Gesundheit", so Julia Schmidt.
Ines Hübner, die seit zehn Jahren hauptamtliche Bürgermeisterin von Velten und seit den 90er Jahren in der Kommunalpolitik tätig ist, weist darauf hin, dass es zwar möglich sei, alles unter einen Hut zu bekommen, aber eben sehr viel Familienmanagement erfordere. "Das ging bei uns nur durch ein sehr straffes Regelwerk", erzählt sie. Für Alleinerziehende Eltern wäre dieses Ehrenamt schwer machbar.
Die Strukturen der Kommunalpolitik müssen überdacht werden, um mehr Chancenvielfalt zu schaffen. "Die Strukturen wurden von Männern erfunden – die sind aber nicht in Ordnung", sagt Carla Kniestedt. "Eine Ausschusssitzung mit 20 Tagesordnungspunkten halte ich nicht für sinnvoll." Sie plädiert für Sitzungen mit festen Zeitrahmen. "Es wird unheimlich viel gelabert in der Politik." Aus dem Publikum berichtet ein älterer Mann, dass er einen solchen Strukturwandel im Kirchenbeirat schon beobachten konnte. "Als die Kirche irgendwann auf die Idee kam, auch Frauen einzuladen, haben wir aufgehört so lange zu tagen. Davor konnten die Männer ja so lange reden, wie sie wollten – die Frauen waren ja Zuhause. Und die Sitzungen waren später nicht weniger fruchtbar. Es hat allen gut getan", sagt er.
In Bezug auf Rollenbilder warnt Carla Kniestedt davor, sich zu sehr zurückzulehnen. In bestimmten Gesellschaftsgruppen sei ein umgekehrter Wandel zu beobachten, viele Frauen würden wieder eine traditionelles Familienbild wählen. "Viele junge Paare gehen modern in den Kreißsaal und als 50er-Jahre Paar heraus", sagt auch Christiane Bonk. Abschließend meldete sich ein Zuschauer zu Wort: "Wir dürfen nicht vergessen, wie viel schon erreicht wurde. Wer so wie ich 60 Jahre überblicken kann, weiß wie viel sich Rollen- und Familienbilder gewandelt haben. Es ist nicht alles so pessimistisch."

Frauen in der Politik in Oberhavel und im Land


Im Landkreis Oberhavel gibt es eine einzige Bürgermeisterin: Ines Hübner in Velten. Sie ist im Landkreis außerdem die Sprecherin der AG der Bürgermeister/Amtsdirektoren.

Auf Landesebene ist die Gleichberechtigung noch in der Ferne: Nur 28 von 88 Abgeordneten in Potsdam sind in der aktuellen Legislaturperiode weiblich. Allein bei den Fraktionen der Linken und B90/Grüne ist die Verteilung der Sitze genau gleich zwischen den Geschlechtern: Beide Parteien haben zehn Sitze, davon sind je fünf von Männern und je fünf von Frauen ­besetzt. wal