Das Bergfelder Herthamoor ist in keinem guten Zustand. Aber es könnte zum Ausgangspunkt für ein ortsübergreifendes Konzept zur Renaturierung von Kleingewässern und Feuchtgebieten werden. Der erste Schritt wurde am Donnerstag im Bauausschuss getan.
Eine Gruppe um den Bergfelder Dirk Hartung hat dafür die Technische Universität Berlin (TU) gewonnen. Gerd Wessolek, Professor für das Fachgebiet Standortkunde und Bodenschutz an der TU, kennt das Moor bereits und hat dieses Jahr dort auch schon Spaziergänger hindurchgeführt. Er will im nächsten Sommersemester mit 12 bis 15 Master-Studenten der Landschaftsplanung ein Projekt erarbeiten. Um ein Wegekonzept fürs Herthamoor und mögliche Pflegemaßnahmen soll es gehen, sowie weitergefasst um den „Nordberliner Rand“, informierte Gerd Wessolek im Bauauschuss. Er schlug vor, dass die Studenten eine Analyse machen, die die Landschaft samt ihren Defiziten beschreibt, und Ideen entwickeln, wie der Wert der Landschaft langfristig zu steigern ist.
„Das Herthamoor macht einen relativ erbärmlichen Eindruck, das müsste verbessert werden“, sagte Wessolek. „Ausschläge von Birken und anderen Bäumen gehören nicht in ein intaktes Moor“, nannte er ein Beispiel.
Für die Koordinierung des Projektes wünschte er sich von der Stadt eine finanzielle Ausstattung von etwa 15000Euro. „Sie bekommen ein Vielfaches zurück“, so Wessolek, der den unverstellten, objektiven Blick von außen auf die Region versprach. „Sie werden sich dann auch über die Situation Ihres Naturraums stärker bewusst.“
Nach und nach würden Berlin und die Ränder Brandenburgs ohnehin zu einem Landschaftsraum zusammenwachsen, erläuterte der Professor im Gespräch mit unserer Zeitung. Entwicklungsperspektiven für den suburbanen Raum Nordberlin-Brandenburg müssten erkannt und festgelegt werden. Ein Leitfaden, an dem sich mehrere Gemeinden orientieren, könnte auch identitätsstiftend wirken. Schon jetzt zeichne sich ab, dass sich infolge des Flughafenbaus südlich von Berlin mehr Menschen im Norden ansiedeln wollen. Also werde es neue Wohngebiete geben.
Umso wichtiger sei es, auch besondere landschaftliche Flächen zu schützen. So könnte das Herthamoor als Lackmus-Test für größere Regionen dienen. „Wenn es einen Konsens für ein kleines Gebiet gibt, dann vielleicht auch für das nächstgrößere.“
„Wir möchten das Herthamoor begeh- und erlebbar machen, ohne Anwohner und dort lebende Tierarten zu stören“, erklärte Mitinitiator Dirk Hartung im Ausschuss, der auch ein Stück vom Moor besitzt. „Wir wollen, vielleicht zusammen mit der Stadt, Flächen sichern, bevor es jemand tut, der andere Absichten mit dem Gebiet hat. Heute stehen wir aber ganz erst am Anfang.“
„Wir“, das sind laut Dirk Hartung etwa hundert Bergfelder, die sich als Anrainer des alten Kolonnenweges zusammengeschlossen haben. Sie wollen sich für den Erhalt und die Pflege von Biotopen und flächenhaften Naturdenkmalen wie dem Herthamoor, dem Bieselfließ, den Rotpfuhlen oder dem Sandsee in Birkenwerder einsetzen. Mitstreiter seien willkommen. Eine Info-Veranstaltung mit allen interessierten Beteiligten soll es im Februar geben.
Im Bauausschuss stießen die Bergfelder durchaus auf offene Ohren. Matthias Schwanke (Stadtverein) sah darin eine „ideale Ergänzung“ zum allgemeiner gehaltenen Landschaftsplan, der in der Stadt gerade breit diskutiert wurde.
Die Untere Naturschutzbehörde sollte von Anfang an einbezogen werden, riet Marian Przybilla (Die Linke). „Sonst kriegen wir Ärger mit dem Landratsamt.“ Interessant sei es, mehr als das Moor zu betrachten, da die Gegend mehrere spezifische Landschaften, unterschiedlich alten Wald, Wacholderheide und flächenhafte Naturdenkmale zu bieten habe.
Bauamtsleiter Michael Oleck sah das Ansinnen ebenfalls positiv. „Es wäre ein spannendes Projekt Studenten einzubinden“, erklärte er und wertete auch den Kontakt zur Uni grundsätzlich positiv.
Oleck erinnerte an das vor einigen Jahren von der Stadt nicht weitergeführte Planverfahren um das Herthamoor, dessen Flächen sich zum großen Teil im Privatbesitz befinden. Damals hatte es Streit um Wege wie um Zäune im Moor gegeben. „Da wurde die Stadtverwaltung als ordnungsbehördlicher Buhmann wahrgenommen“, erinnerte Oleck. Er bestätigte zudem auf Nachfrage, dass ein Grundstück im Herthamoor kürzlich bei einer öffentlichen Versteigerung den Eigentümer gewechselt hat.
„Hier soll ein sehr sinnvolles Projekt finanziell untermauert werden“, fasste der Ausschussvorsitzende Steffen Apelt zusammen. Bei den Haushaltsberatungen beauftragten die Ausschussmitglieder noch am Abend einstimmig die Verwaltung, für die Feuchtgebiete eine Haushaltsstelle zu suchen und 10000Euro für 2012 sowie weitere 10000Euro für 2013 aufzunehmen, da sich das Projekt laut Wessolek über zwei Semester in den Jahren 2012/13 erstrecken soll.
Von Heike Weißapfel
Der Draht zur Uni: Professor Dr.Gerd Wessolek.
Vorwärts durchs Gestrüpp: Im Sommer hatte Professor Wessolek Spaziergänger geführt. Archiv-Fotos (2): Weißapfel