Der von der Schweizer Firma E-Force zum E-Mobil umgebaute Lkw verbraucht nach Angaben von Meyer und Rewe ein Drittel weniger Energie als ein vergleichbares Diesel-Modell. Dafür ist das Fahrzeug aber auch dreimal so teuer wie ein herkömmliches Serienfabrikat. Ob es sich jemals amortisiert, ist unklar. Darum geht es Rewe und der Meyer-Spedition zunächst aber auch nicht. "Uns geht es darum, zu testen, ob sich das E-Mobil im Alltag bewährt", sagt Matthias Bähr, Geschäftsleiter Logistik bei Rewe.
Auf dem Papier stellt sich die Sache schon mal vielversprechend dar: Eine Batterieladung soll für bis zu 350 Kilometer reichen. Für den Batteriewechsel werden fünf Minuten veranschlagt, die Aufladezeit beläuft sich auf sechs bis zwölf Stunden. Am Oranienburger Rewe-Lager hat der E-Lkw bereits einen eigenen Parkplatz mit Stromtankstelle. Der Akku soll auch das Aggregat versorgen, das den Laderaum auf bis zu 18 Grad Celsius herunterkühlt.
Für Rewe ist das Elektromobil aus zweierlei Sicht interessant. Zum einen soll es helfen, die selbst gesteckten Klimaziele zu erreichen, zum anderen könnten sie für den Lieferverkehr in Großstädten früher oder später unerlässlich werden. Bis zum Jahr 2022 will das Unternehmen seinen Kohlendioxidausstoß um 22 Prozent senken. Seit 2008 wird ausschließlich Ökostrom bezogen. In den Filialen wird versucht, den Stromverbrauch unter anderem dadurch zu senken, in dem Frischfleischregale mit Glastüren abgeschlossen werden. Beim Lebensmitteltransport, den Rewe zu 30 Prozent selbst erledigt und zu 70 Prozent externen Spediteuren wie der Meyer GmbH überlässt, wird auf verschiedenen Wegen der Energieverbrauch gedrosselt. So sind in den Logistikzentren seit einiger Zeit Eco Manager im Einsatz, die den Lkw-Fahrern helfen, ihre Trucks spritsparender zu lenken. Allein dadurch konnten nach Auskunft von Rewe-Fuhrpark-Manager Bernhard Weis in diesem Jahr schon 132 000 Liter Diesel gespart werden. Letztlich gehe es dabei natürlich auch ums Geld, gesteht Logistik-Chef Bähr: "Die Hälfte unserer Kosten sind Fuhrparkkosten. Da müssen wir immer schauen, wie wir Ressourcen effizienter und rationaler einsetzen."
Beim Lebensmitteltransport in Metropolen besticht der Elektro-Lkw nach Einschätzung von Meyer-Geschäftsführer Markus Bappert durch zwei wesentliche Eigenschaften: "Er verursacht keinen Motorenlärm und stößt keine schädlichen Gase auf. Das macht ihn für den Einsatz in Nachtstunden und Innenstädten interessant." Während Matthias Bähr den Einsatz von E-Mobilen mittelfristig in Teilbereichen der Rewe-Logistik für realistisch hält, träumt Markus Bappert schon davon, den kompletten Fuhrpark der Meyer-Spedition unabhängig von fossilen Antriebsbrennstoffen zu machen. Das setzt nach Einschätzung seines Co-Geschäftsführers Matthias Strehl allerdings voraus, dass Politik und Industrie der Elektromobilität mehr Aufmerksamkeit widmen. Er beklagt, dass sich die Lkw-Hersteller bislang kaum mit dem Thema beschäftigen. Das Unternehmen habe Glück gehabt, an die kleine innovative Schweizer Firma E-Force geraten sei, die sich des Themas angenommen habe. "Es würde auch helfen, wenn die Politik den Spediteuren einige Anreize mehr bieten würde, sich mit der ressourcenschonender Logistik zu beschäftigen", so Strehl. Man selbst sehe sich mit Rewe als Vorreiter. Die Spedition will ihren Elektro-Lkw nun bei der weltgrößten Nutzfahrzeugmesse IAA in Frankfurt am Main der Branche präsentieren.