"Ich will mich nicht mit fremden Federn schmücken", begründet er seine Zurückhaltung. "Ich habe den kommunalen Runden Tisch doch nur moderiert." Doch die positiven und negativen Erfahrungen, die er vor mehr als 20 Jahren gemacht hat, waren prägend.
Bormeister kam nach 20-jähriger Tätigkeit als evangelischer Pfarrer aus Berlin-Friedrichsfelde auf eigenen Wunsch nach Hohen Neuendorf. Das war im Juli 1989. Die Stelle war gerade frei - und er wollte nach dem Tod seiner ersten Frau und erneuter Heirat einen Neuanfang an einem anderen Ort wagen. Keine vier Monate später war der in Hohen Neuendorf noch unbekannte Theologe ein gefragter Mann. Er sollte in den Wirren der ersten Nachwendewochen Ordnung ins Chaos bringen, den Menschen die Angst vor der Zukunft nehmen, aber auch vor allzu raffgierigen Nachbarn warnen. Er sei eher in dieses Amt gedrängt worden, habe sich aber auch gerne dorthin treiben lassen. "Ich habe damals viele Leute kennengelernt, und viele haben mich kennengelernt. Das war für mich als Pfarrer ein guter Einstieg." Die Zeit sei eine der spannendsten in seinem Leben gewesen. "Das hat meinen Blick geweitet", so Bormeister. "Ich habe doch vorher nur im Elfenbeinturm Kirche gesessen", sagt der Mann mit dem inzwischen schlohweißen Vollbart.
Auch die evangelische Kirchengemeinde profitierte von der Wende. Aus dem Westen flossen Geld und Materialien, um das marode Kirchendach zu sanieren. Allerdings musste Pfarrer Bormeister auch mit einer Austrittswelle leben. Als die neuen Lohnsteuerkarten verteilt wurden, verabschiedeten sich viele Menschen von der Kirche, um Steuern zu sparen. "Das waren aber sowieso meistens Karteileichen", meint Bormeister. Von ehemals 2 300 Gemeindegliedern waren knapp tausend übrig geblieben. Erst nach Jahren erreichte die Kirchengemeinde wieder eine vergleichbare Größe. Maßgeblich dafür war der Zuzug nach Hohen Neuendorf. Große Ost-West-Konflikte habe es in seiner Gemeinde nicht gegeben, zumindest erinnere er sich nicht daran.
Zur ersten Kommunalwahl nach der Wende fungierte Fred Bormeister als Wahlleiter. Er sei auch damals von der SPD gefragt worden, ob er nicht selber für das Gemeindeparlament kandidieren wolle. Doch der Gemeindekirchenrat riet ihm ab. Ein Pfarrer sei für alle da, nicht nur für eine Partei.
Dass Fred Bormeister heute doch im Stadtparlament sitzt, verdankt er seinem Ruhestand. Als er mit 65 in Rente ging, kandidierte er als Parteiloser auf der Liste der SPD - und wurde prompt gewählt.
Er hätte gerne als ehrenamtlicher Pfarrer weitergearbeitet, durfte es aber aus Altersgründen eben nicht. Um den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren, stürzte er sich in die Kommunalpolitik. Seine Steckenpferde sind die Städtepartnerschaften und die Jugendarbeit. Bormeister ist Vorsitzender der Partnerschaftskomitees und arbeitet im Kuratorium des Hohen Neuendorfer Jugendzentrums Wasserwerk mit.
Mit Superlativen zu seinem Leben hält sich Bormeister vornehm zurück. "Ich bin ein ruhiger Mensch, der selten emotionale Höhen oder Tiefen hat", sagt Bormeister und faltet unbewusst die Hände. Dann fällt ihm doch ein wichtiger Moment ein. Bewegt habe ihn der Verkauf von Mauerbrocken im Februar 1990, als der Durchbruch nach Frohnau gefeiert wurde. Mit den Einnahmen konnte ein Teil der Kirchendachsanierung finanziert werden. Einen Brocken Beton hat er selbst als Erinnerung behalten.
Gefragt nach einem Wunsch zum heutigen 80. Geburtstag, ist Fred Bormeister bescheiden. "Wenn alles harmonisch verläuft, ist es in Ordnung", sagt er. Und dann äußert er doch noch einen Herzenswunsch. Er würde gerne Jugendliche aus allen vier Partnerstädten mit jungen Menschen aus Hohen Neuendorf zusammenbringen. Ihm schwebt da eine Art Wohn- und Arbeitsgemeinschaft vor. Die jungen Leute aus Janow Podlaski (Polen) Maing (Frankreich), Fürstenau (Niedersachsen) und Müllheim (Baden-Württemberg) sollen in Hohen Neuendorf Praktika absolvieren und die Stadt kennenlernen. Dazu braucht er aber die Unterstützung der Parlamentskollegen und der heimischen Wirtschaft.